08:32 17 Dezember 2018
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    Ein Wolf im österreichischen Forschungszentrum Ernstbrunn

    Gefahr für Wien? – Wölfe breiten sich in Österreich aus

    © AFP 2018 / Joe Klamar
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    In Österreich gibt es seit 2016 ein Wolfsrudel, berichtet die Zeitung „Der Standard“. Sie meldet ebenso, mit wieviel Rudeln Experten rechnen und welchen Umgang mit den Wildtieren sie empfehlen. Das Blatt widerspricht Vorurteilen und fragt nach den Folgen für das Alpenland – und für die österreichische Hauptstadt.

    Nachts streifen Wölfe durch die Wiener Innenstadt – dieses Szenario gilt weiterhin als unwahrscheinlich. Bisher gibt es keine Sichtungen in zentralen Gebieten der Hauptstadt Österreichs. Doch laut der österreichischen Zeitung „Der Standard“ melden Experten, dass Wölfe bereits den Wienerwald im Westen der Metropole erreicht hätten.

    Die Tiere würden zwar keinen Lebensraum in der Innenstadt finden. Aber Regionen wie der Wienerwald oder der Nationalpark Donau-Auen seien mögliche Ruhezonen für Wölfe. Der Umweltorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) zufolge, könnten die Tiere in Randsiedlungen des Wienerwaldes auftauchen.

    Die Zeitung berichtete am Mittwoch darüber. Österreich sei das letzte Alpenland, das vom Wolf wiederentdeckt werde. In der Schweiz seien sie bereits angekommen. Dort gebe es inzwischen Beispiele, wie Mensch, Wolf und Schaf nebeneinander existieren können. Der Umgang mit den europarechtlich streng geschützten Wildtieren sei für Österreich Neuland, so das Blatt.

    Scheu, aber anpassungsfähig

    2016 habe sich in der österreichischen Region Waldviertel das erste Wolfsrudel zusammengefunden. Dem WWF zufolge soll es bereits 20 bis 25 Wölfe in Österreich geben. Die Zeitung berichtete, dass es bisher keine politischen Maßnahmen zum Umgang gebe, was von Experten kritisiert werde.

    Wölfe gelten als sehr anpassungsfähig, aber auch scheu, und können auch in der Nähe großer Städte leben. Das sei bereits beispielsweise bei Rom und Berlin der Fall, so „Der Standard“. In Europa würden wieder 17000 Wölfe existieren, meist unbemerkt von Menschen. Etwa 500 Wölfe in 60 Rudeln gebe es in Deutschland, in der Schweiz drei bis vier Rudel mit 50 Wölfen. In beiden Ländern sei bisher keine Attacke auf Menschen gemeldet worden.

    Die Zeitung zitiert den für Wien zuständigen Forstdirektor Andreas Januskovecz. Der macht darauf aufmerksam, dass oftmals angeblich von Wölfen gerissene Nutztiere Opfer von jagenden Hunden geworden seien. Das sei durch genetische Gutachten bewiesen, die aber oftmals erst Wochen nach den ersten Schlagzeilen vorliegen würden.

    Blitze für Schafe gefährlicher

    Der Forstdirektor sprach sich gegenüber der Zeitung dagegen aus, alles schönzureden. Er rechnet mit wachsenden Wolfspopulationen auch in Österreich. In dem Alpenland gebe es eine gute Nahrungsgrundlage für die Wildtiere. Dem „Standard“ zufolge rechnen Experten mit bis zu 40 Rudeln.

    Die Fachleute haben sich laut der Zeitung dagegen ausgesprochen, den Wolf wie bereits in Nieder- und Oberösterreich mit Lärm, Schreckschüssen und Gummigeschossen zu „vergrämen“. Das sei wirkungslos, wird ein WWF-Experte zitiert. Es sei besser, die Herden von Nutztieren, so von Schafen, gut zu schützen. In der Schweiz gebe es dafür gute Beispiele.

    Von den rund 280.000 Schafen in Österreich seien 2017 von Wölfen 21 Tiere gerissen worden – während etwa 10000 Schafe durch Blitzschlag verendeten, wie die Zeitung meldet.

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    Tags:
    Schaf, Natur, Schweiz, Deutschland, Wien, Österreich