01:16 14 Dezember 2018
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    Kubanische Ärzte im Flughafen Havana

    Millionen Menschen in hunderten Orten in Brasilien bald ohne medizinische Versorgung

    © REUTERS / Fernando Medina
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    Tilo Gräser
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    Brasiliens neuer rechtsgerichteter Präsident Jair Bolsonaro nimmt in Kauf, die Gesundheit von Millionen Bürgern seines Landes zu gefährden – weil er nichts mit dem sozialistischen Kuba zu tun haben will. Medien berichten, welche dramatische Folgen das gerade für sozial Benachteiligte und Menschen in abgelegenen Gebieten Brasiliens hat.

    Die Gesundheitsversorgung von Millionen Brasilianern ist gefährdet – durch den neuen rechtsgerichteten Präsidenten Jair Messias Bolsonaro. Grund ist ein Streit zwischen Kubas sozialistischer Regierung und Bolsonaro, der mit Sozialismus nichts am Hut hat. Über die Folgen berichtete unter anderem die „Wiener Zeitung“ am Donnerstag: „Bis Mitte Dezember will Kuba alle gut 8500 Ärzte zurückbeordern, die bisher in Brasiliens Gesundheitswesen Lücken stopften.“

    Das Blatt berief sich auf das brasilianische Nachrichtenportal G1. Den Informationen zufolge droht nun in Brasiliens Gesundheitsversorgung ein Engpass: Die Kubaner stellten danach die medizinische Versorgung von rund 63 Millionen Menschen vor allem in abgelegenen und sozial schwachen Gegenden sicher. Der Experte Felipe Proenco de Oliveira schätzt laut der Zeitung, dass 367 brasilianische Städte zunächst ganz ohne Ärzte auskommen werden müssen.

    In vielen Ortschaften des Landes fehlt laut dem Bericht bereits medizinisches Personal. In mindestens zwölf Bundesstaaten gebe es Gesundheitszentren, in denen keine Mediziner mehr arbeiten, habe das Nachrichtenportal G1 berichtet.

    Hilfe für Menschen und für Kuba

    Anlass für den Streit war nach Angaben der „Wiener Zeitung“, dass Bolsonaro Kuba nicht mehr für den Einsatz seiner Mediziner in Brasilien bezahlen wollte. Er habe die Ärzte und Pfleger direkt bezahlen wollen, was Havanna abgelehnt habe.

    Kuba schicke Ärzte und Pflegern in mehr als 60 Länder und verdiene so rund zehn Milliarden Dollar pro Jahr. Das sei inzwischen eine der wichtigsten Einnahmequellen für die sozialistische Karibikinsel. Die brasilianische Regierung zahle etwa monatlich pro Arzt 3500 US-Dollar. Der Mediziner selbst bekomme aber nur 900 Dollar Gehalt. Der Rest gehe an die kubanische Regierung.

    Bolsonaro hatte kurz nach seiner Wahl sogar in dem Zusammenhang damit gedroht, die diplomatischen Beziehungen zu Kuba abzubrechen, wie unter anderem das Portal „Cuba heute“ berichtete. Das kubanische Gesundheitsministerium hat Mitte November in einer offiziellen Stellungnahme den Abzug des gesamten medizinischen Personals aus Brasilien bekannt gegeben. Das ist im Rahmen des 2013 gestarteten Programms „Mais Médicos“ in dem südamerikanischen Land tätig.

    Bolsonaro zweifelt an Kubas Ärzten

    Die von der designierten Regierung Bolsonaro vorgeschlagenen Veränderungen seien „inakzeptabel und verletzen die seit Beginn des Programms bestehenden Garantien“, hieß es laut „Cuba heute“ aus Havanna. Seit Beginn des Programms im August 2013 waren den Angaben zufolge über 20.000 Kubaner in Brasilien tätig. Sie haben danach in fünf Jahren mehr als 113 Millionen Patienten behandelt.

    Laut kubanischen Angaben wollte Bolsonaro nicht nur die Zahlungen an den kubanischen Staat abschaffen. Er habe zudem an der Eignung der Ärzte gezweifelt und erneute Zulassungsprüfungen gefordert. „Kubas Auslandsmissionen sind neben ihrem humanistischen Gehalt auch ein wichtiger ökonomischer Faktor für das Land“, ist bei „Cuba heute“ zu lesen. „Dennoch verdienen im Ausland arbeitende Ärzte deutlich besser als ihre Kollegen auf der Insel.“

    Kubas Gesundheitsministerium habe erklärt, dass das „Mais Médicos“-Programm in der Vergangenheit „die erfolgreiche Durchführbarkeit eines Programms der Süd-Süd-Kooperation“ gezeigtt habe. Es sei zudem von den Vereinten Nationen als Beispiel für gute Praxis gelobt worden. Insgesamt praktizierten den Informationen nach seit 1959 bisher mehr als 400.000 kubanische Gesundheitsfachkräfte in 164 verschiedenen Ländern.

    Mehr als 35.000 angehende ausländische Mediziner haben danach innerhalb des Programms in Kuba ihr Studium absolviert. Bis vor wenigen Jahren seien über 30.000 kubanische Ärzte und Pflegekräfte in Venezuela tätig gewesen. Ihre Zahl habe sich in den vergangenen Jahren jedoch drastisch reduziert. Nach den letzten Angaben des kubanischen Ärzteprogramms sind gegenwärtig rund 11.300 Ärzte und Pfleger in 23 Ländern tätig, ist bei „Cuba heute“ zu lesen. Den Löwenanteil hätte mit rund  9.000 Medizinern der Einsatz in Brasilien ausgemacht.

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    Tags:
    Ausreise, Sozialismus, Ausweisung, Rückkehr, Gefahr, Krise, Gesundheitswesen, Medizin, Jair Bolsonaro, Kuba, Brasilien