06:23 11 Dezember 2018
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    Mittelalter-Pest: Forscher lüften eines der Haupträtsel

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    Die Pest tötet laut russischen Forschern Menschen schneller als Ratten und andere Träger des Infekts. Das hängt mit Störungen im Funktionieren einer der Varianten des Systems der Selbstvernichtung von Menschenzellen zusammen. Die Studie der Biologen ist dem Fachmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) zu entnehmen.

    „Daher dienen die menschlichen Zellen, die nicht imstande sind, zu sterben, weiterhin als Speicher für die Infektion. Dies hilft zu verstehen, warum sich die Pest im Mittelalter gerade für den Menschen so todbringend erwies und warum die Nagetiere, die Träger dieser Krankheit waren, überleben konnten“, erklärte Alexander Poltorak, Wissenschaftler an der staatlichen Universität in Petrosawodsk.

    Einige Epidemie-Ausbrüche im frühen und in anderen Perioden des Mittelalters seien von diversen Stämmen ein und derselben Bakterie hervorgerufen worden – nämlich der Yersinia pestis.

    Dies festzustellen, gelang dank der Extraktion der Krankheits-DNA aus den Knochen von zu unterschiedlicher Zeit an der Pest verstorbenen Menschen. Die Forscher konnten außerdem feststellen, dass die Pest während der ganzen Zeit ihrer Ansiedlung in Europa und Asien im Laufe der letzten 10.000 Jahre ein Begleiter der Menschheit war.

    Die Wissenschaftler befassten sich mit der Frage, wie sich die Pest verbreitete und ob Ratten einzige Überträger des Infektes waren.
    Poltorak untersuchte gemeinsam mit anderen Forschern, darunter aus den USA und China, was mit den Immunzellen des Menschen und anderer Säuger bei Ansteckung mit der Pest passiert.

    Die in den Organismus gelangte Mikrobe greift die Zellen des Immunsystems an und stößt ein Eiweißspektrum aus, das die Bakterien zu verdauen hindert. Die Pest siedelt sich im Organismus an und scheidet Toxine aus, die Tromben und andere Schutzmechanismen zerstören.

    Der Organismus versucht, dieses Szenario zu vereiteln, und zwingt die angesteckten Zellen, sich beim Auftauchen der Krankheitsspuren selbst zu vernichten. Zuvor waren die Forscher der Ansicht gewesen, dass dieser Mechanismus bei Menschen, Ratten und anderen Säugetieren gleich funktioniert, allerdings stellte das Team von Poltorak fest, dass dem nicht so ist.

    Experimente mit Mäusen zeigten, dass Tuberkulose-Bazillen beim Eintritt in die Immunzellen die Moleküle des Eiweißes TAK1 zerstören, was die Selbstvernichtung der Zellen verhindert.

    Situation auf Madagaskar
    © East News / MLS/Science Photo Library
    Andere Moleküle der Eiweiß-Ausschalter des Todes werden ebenfalls abgeschaltet, und in der Membran der Immunzelle entstehen Löcher. Infolgedessen sterben die Zellen, und ihr Inhalt, einschließlich der Signale von der Präsenz der Pestbazille, sprengt die Schale.

    Es stellte sich heraus, dass die menschlichen Makrophagen anders agieren. Bei der Ansteckung mit Yersinia pestis sterben sie nach einem Standard-Szenario, nach dem die Zelle in abgesonderte Teile zerfällt, die von anderen Immunzellen verdaut werden.

    Poltorak ist der Ansicht, dass die menschliche Version des Eiweißes GSDMD den Toxinen der Pestbakterie zu gut widersteht, weswegen die Präsenz der Krankheit von den anderen Immunzellen verborgen wird.

    Diese Besonderheit ist laut den Forschern einer der Gründe für den Erfolg der Pest geworden, und gerade dank dieser Besonderheit sei es der Pest gelungen, sich über gigantische Entfernungen auszubreiten.

    Zuvor hatten die Forscher festgestellt, dass die Pest durch Pelzhändler aus Russland nach Europa gelangte, die ihre Ware im Ural gekauft hatten.

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    Tags:
    Selbstvernichtung, Toxine, Pest, Immunzellen, Rätsel, Staatliche Universität in Petrosawodsk, (PNAS), Alexander Poltorak, Petrosawodsk, Europa, Asien, USA, Russland, China