07:49 10 Dezember 2018
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    Daten eines Erdbebenmessers (Archivbild)

    „Nie etwas Ähnliches gesehen“: Was die Erde erschüttert hat – Forscher

    © AP Photo / Irwin Fedriansyah
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    Forscher haben am 11. November weltweit einen mysteriösen unterirdischen Stoß registriert. Unter Ausschluss aller anderen Versionen haben sie gemutmaßt, dass daran der Unterwasservulkanismus unweit einer kleinen Insel im Indischen Ozean schuld sei.

    An dem Rätsel dieser ungewöhnlichen Naturerscheinung zerbrechen sich Forscher in unterschiedlichen Erdteilen den Kopf – sie versuchen, den Grund des seltsamen seismischen Stoßes, der sich am 11. November ereignete, zu verstehen. Es wird vermutet, dass der Schwingungsherd irgendwo im Gebiet von Mayotte liegt – einer Insel im westlichen Teil des Indischen Ozeans zwischen Mosambik und der nördlichen Spitze von Madagaskar.

    Der Nachhall dieser Schwingungen wurde an jenem Tag in ganz Afrika, Chile, Neuseeland, Kanada und sogar auf Hawaii registriert, das sich auf der Gegenseite des Erdballs befindet.

    Die Schwingung erfolgte nicht blitzartig – die seismischen Wellen wurden im Laufe von über zwanzig Minuten fixiert, dabei sollen Menschen nichts gespürt haben. Nur einem Menschen, der sich mit der Seismologie befasst, sollen die seltsamen Schwingungen auf den vom US-amerikanischen geologischen Dienst vorgelegten Graphiken aufgefallen sein, wonach Forscher aus der ganzen Welt begonnen hätten, sich den Kopf über dieses seltsame Phänomen zu zerbrechen —  ob dies ein Meteoritenschlag, die Unterwassereruption eines Vulkans oder etwas Anderes gewesen sei.

    „Ich habe zuvor nie etwas Ähnliches gesehen (…), obwohl das nicht bedeutet, dass der Grund exotisch war“, sagte der Seismologe von der Columbia University, Göran Ekström, der sich gerade mit ungewöhnlichen Erdbeben beschäftigt, gegenüber dem Fachmagazin „National Geographic“.

    Diese seltsamen Schwingungen hatten laut den Forschern zu viele ungewöhnliche Eigenschaften – von der „monochromen“ Frequenz – mit anderen Worten: der Frequenzkonstanz – bis zur globalen Verbreitung. Bei einem üblichen Erdbeben werden die sich in der Dichte der Erdrinde angehäuften Spannungen und Energie binnen weniger Sekunden freigesetzt. Dabei wird vom Erdbebenherd eine Wellenserie verbreitet, erläutert der Seismologe Steven Hicks von der University of Southampton in Großbritannien.

    Die schnellsten Wellen sind die P-Wellen (Primärwellen), die sich gruppenweise verbreiten. Ihnen folgen die Querwellen (Sekundärwellen), deren Geschwindigkeit gewöhnlich halb so niedrig wie bei Primärwellen ist. Die beiden Typen gehören zu den Umfangwellen und haben relativ hohe Frequenzen. Schließlich entstehen Oberflächenwellen, die eine große Periode haben – gerade diese Wellen seien am 11. November registriert worden. Während starker Erdbeben können diese Wellen den Erdball mehrmals umkreisen und die Erde zwingen, wie eine Glocke zu „läuten“, erklärt Hicks.

    Allerdings passierten an jenem Tag keine starken Erdbeben, die derartige Schwingungen hatte hervorrufen können. Und schließlich die letzte Seltsamkeit – die Monochromasie der Schwingungen. Die meisten Erdbeben werden von den Schwingungen diverser Frequenzen begleitet – aber in diesem Fall sei nur eine beobachtet worden.

    Die Analyse der Archivdaten zeigte, dass der seltsame Stoß eher auf irgendeine Weise mit der seismischen Aktivität zusammenhing, die im Gebiet der Insel Mayotte seit Mai dieses Jahres registriert wurde. Innerhalb der folgenden sechs Monate wurden Hunderte geringer Schwingungen östlich vom Epizentrum am 11. November fixiert. Die Magnitude des stärksten Erdbebens vom 15. Mai betrug 5,8 Punkte – dies war das allerstärkste Erdbeben in der Geschichte der Insel.

    Fachleuten des Französischen geologischen Dienstes zufolge könnte sich neben der Inselküste ein neues Zentrum geologischer Aktivität entwickeln. Die Insel selbst ist vulkanischer Herkunft, allerdings gab es hier seit den letzten 4.000 Jahren keine Eruptionen. Die Forscher vermuten, dass die registrierte Aktivität mit Magmabewegung weit vor der Küste zusammenhängt.

    Darauf weist ein weiterer Umstand hin: Seit Juli fixieren GPS-Stationen, dass sich die Insel um ganze sechs Zentimeter in Richtung Osten und um drei Zentimeter in Richtung Süden verlagert hat.

    Ekström zufolge war der Grund ein sogenanntes langsames Erdbeben – sie erfolgen nicht so schnell wie gewöhnliche und hängen mit der allmählichen Energiefreisetzung zusammen, die Minuten, Stunden und sogar Tage dauern kann.

    „Es erfolgt dieselbe Deformation, nur ruft sie keine Stöße hervor“, erläuterte er.

    Solche Erdbeben sind tatsächlich häufig mit vulkanischer Aktivität verbunden, und in diesem Fall könnte es nach Ansicht der Forscher um jene Schwingungen gehen, die durch den Sturz des Magmaraumes hervorgerufen werden können. Weitere Forschungen, darunter auch mit Einsatz von Unterwassergeräten, können Licht auf dieses mysteriöse Phänomen werfen.

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    Tags:
    Monochromasie, Schwingung, Primärwellen, Phänomen, mysteriöse unterirdische Stöße, University of Southampton, Großbritannien, Columbia University, National Geographic, Steven Hicks, Göran Ekström, Hawaii, Kanada, Neuseeland, Chile, Afrika, Madagaskar, Mosambik, Insel Mayotte, Indischer Ozean