01:44 16 Dezember 2018
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    „So etwas gab es nur bei der Stasi“: Kita-Broschüre macht Nutzer wütend

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    Seit Tagen wird in Deutschland die umstrittene Broschüre für Kita-Erzieher diskutiert: Diese bietet Tipps für den Umgang mit rechtsradikalen Eltern. Mit der Broschüre hat sich Familienministerin Franziska Giffey (SPD) viel Kritik eingehandelt. Auch im Netz findet die Initiative eher wenig Unterstützung.

    Die kritisierte Broschüre trägt den Titel „Ene, mene, muh – und raus bist du!“ Sie stammt von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert.

    In einem fiktiven Fallbeispiel aus dem Leitfaden lädt ein Kind, dessen Eltern einer „rechtsextremen Kameradschaft“ angehören, andere Kinder zu einer Geburtstagsparty ein. Die besorgten Eltern der eingeladenen Kita-Freunde bitten die Erzieher um Rat.

    „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt. Beide kommen häufig am Morgen in die Einrichtung, nachdem sie bereits einen 1,5-Kilometer-Lauf absolviert haben“, heißt es in der Broschüre laut dem Portal „Bento“.

    Dieser Satz sorgte jedoch für viel Empörung: Er weckt bei manchen nämlich den Eindruck, dass rechtsextreme Eltern sich anhand des Aussehens ihrer Kinder erkennen ließen.

    Von einer „Gesinnungsschnüffelei“ sprach der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Hier wird zu einer Gesinnungsschnüffelei aufgerufen, wie sie zuvor der AfD wegen ihres „Lehrer-Prangers“ vorgeworfen worden war.“

    Die CDU-Politikerin Nadine Schön, Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, ist über die Broschüre ebenfalls entsetzt:

    ​Traditionelle Geschlechterrollen könnten ein Hinweis auf eine „völkische Familie“ sein, soll es in der Broschüre weiter heißen.

    Erzieher sollten laut dem Leitfaden die Eltern gegebenenfalls zum Gespräch bitten und ihnen erklären, dass „autoritäre und geschlechterstereotype Erziehungsstile die vielfältigen Möglichkeiten von Kindern einschränken und Entwicklungen erschweren“.

    Bundesfamilienministerin Giffey verteidigte dagegen in ihrem Vorwort diese „Handlungshinweise“. Anlass für die Broschüre sei der „deutliche Anstieg rechtspopulistischer Bewegungen“, die auch vor Kitas nicht Halt machten, schreibt sie.

    „Solche Erziehungsmethoden gab es zuletzt in der DDR. Und die Dame will unsere Kinder wieder im Sinn des Sozialismus erziehen lassen? Sind wir in Deutschland an einem Punkt angekommen, wo alles, was nicht weit links ist, automatisch zu rechts wird?“, lautet einer der zahlreichen Kommentare unter einem Focus-Artikel.

    „Wir "Ossis" hatten im Oktober 1989 die Hoffnung, einen Freien Demokratischen Staat zu kommen! Diese Hoffnungen sind alle den Bach runtergegangen! Die Stasi hat uns voll im Griff! Wir sind alle auf Geheiß der Politik „Rechte Nazis“! Was ist in diesem Land eigentlich FAUL?“, schrieb ein weiterer Nutzer.

    „Das, was nun vom Staat, der Bundesregierung befohlen wird, die Erzieher sollen die Kinder und Eltern auf ihre Gesinnung kontrollieren!? So etwas gab es nur bei der STASI in der DDR!“

    Auch auf Twitter hagelte es Kritik:

    Der Jugendstadtrat in Berlin-Neukölln hat von der Nutzung der Broschüre abgeraten. Falko Liecke (CDU) bemängelte der „Berliner Zeitung“ zufolge: „In Neukölln sehen wir eher ein Problem mit religiösem Extremismus, wenn Kinder beispielsweise zum Tragen des Kopftuches genötigt oder Zwangsehen schon im Kindesalter arrangiert werden. Auch die Indoktrination durch Linksextremisten ist eine Gefahr.“

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