10:10 11 Dezember 2018
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    High-Tech-Messe in Hannover (Archiv)

    Zieht CeBIT von Hannover nach Moskau um?

    © AFP 2018 / Tobias SCHWARZ
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    Natalia Pawlowa
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    Im kommenden Jahr wird es in Hannover keine CeBIT mehr geben. Die einst weltgrößte High-Tech-Messe wird Geschichte. 800 000 Besucher zählte sie in Hochzeiten. 2018 haben nur rund 120.000 Gäste Interesse gezeigt. Russland war als Partnerland bei der CeBIT 2007.

    Es war das erste Mal, dass ein deutscher Branchenverband einem ausländischen Partner einen solchen Status einräumte: Russland war Gastland auf der Computermesse Cebit im März 2007 in Hannover. Seitdem  hatte CeBIT jedes Jahr ein Gastland gewählt.

    Erröffnung der CeBIT in Hannover (Archiv)
    © AFP 2018 / Tobias SCHWARZ
    Das Interesse war gegenseitig. Nach Angaben des deutschen Branchenverbandes Bitkom hängen mittlerweile mehr als 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland vom Exportgeschäft mit Russland ab. Der russische IT-Markt wuchs seit dem Jahr 2000 jährlich um knapp 20 Prozent. Die deutsche Informations- und Telekommunikationswirtschaft profitiere immer stärker vom boomenden Markt in Russland, hieß es zur Begründung der Partnerschaftsvereinbarung zwischen der CeBIT und Russland. 2005 habe Deutschland Hardware im Wert von 1,8 Milliarden Euro nach Russland exportiert — mehr als drei Mal so viel wie fünf Jahre zuvor.

    In Russland hatten sich zu jener Zeit erhebliche Veränderungen ergeben. Die dramatische Abwanderung von bestens ausgebildeten Entwicklern der 90er Jahre war gestoppt. Viele russische Programmierer kehrten in ihre Heimat zurück. Vor allem bei Sicherheitstechnologien seien die Russen längst weltweit akzeptiert — man denke nur an Kaspersky-Programme, schrieb damals die deutsche Presse.

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    Valentin Makarow, Präsidiumsmitglied des russischen IT-Verbandes APKIT, betonte 2007:  "Deutschland und Russland ergänzen sich wunderbar. Die Stabilität und Systematik der deutschen Geschäftswelt und die Spontaneität und Kreativität des russischen Marktes passen hervorragend zueinander."

    Laut dem Kooperationsabkommen zwischen Vertretern der deutschen und der russischen IT-Branche sollte die russische IT-Vereinigung APKIT Partner des deutschen Branchenverbandes BITKOM sein.

    Russland präsentierte sich bei der CeBIT 2007 als „die innovative Nation“. Ich war als Korrespondentin von Stimme Russlands auch dabei. 150 Firmen des Partnerlandes nahmen damals an der Messe in der niedersächsischen Hauptstadt teil – 70 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zusammen mit dem damaligen Vize-Premier der russischen Regierung Sergej Naryschkin den russischen Pavillon 12 eröffnet.  Merkel sprach das Publikum auf Russisch an, was viele überraschte.

    Nur wenige wussten, dass die Bundeskanzlerin Russisch in einer DDR-Schule gelernt hatte und einmal bei einer Olympiade eine Reise nach Moskau gewann. Über die Jahre hinweg hatte Merkel die Sprache nicht vergessen, was sie bei der Eröffnung des russischen Pavillons brillant demonstrierte. Am Kulturprogramm waren Kindergruppen aus Russland beteiligt: Sänger, Tänzer. Merkel sagte, dass sie die Aufführung des Mädchen-Duos, mit dem die Veranstaltung begann, sehr genossen habe.

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    Zu den besonderen Schwerpunkten der Ausstellung gehörte immer die Entwicklung von Sicherheitssoftware. Ein bekannter Anbieter war Kaspersky Lab. „Wir haben das Potenzial, wir haben die Technik und wir haben gut ausgebildete Leute“, sagte damals Kaspersky-Manager Daniel Kapzan. Gerade in Deutschland gebe es eine sehr positive Reaktion auf russische Technik, fügte er hinzu.

    In den nachfolgenden Jahren gewann Russland sowohl als Produzent als auch als Absatzmarkt an Bedeutung. Eines der aktuellen Produkte, das Kaspersky bei CeBIT vorgestellt hat, trug den Namen Anti Targeted Attack Platform. Wie Stefan Rojacher, Kaspersky-Lab-Repräsentant in Deutschland, im Gespräch mit Sputnik sagte, hat es sich dabei um eine adäquate Antwort auf die Cyber-Attacken gehandelt:

    „Das Thema Erpressungs- und Verschlüsselungstrojaner ist ein sehr akutes Problem für Unternehmer als auch für die Privatanwender. Die Produkte von Kaspersky Lab schützen gegen die aktuellen Versionen von Locky oder Teslacrypt. Wir sind im Fachhandel die Nummer Eins in Deutschland für Privatanwender. Und im Unternehmensbereich ist Deutschland für uns auch ein sehr wichtiger Markt — da sind wir auch unter den Top 4.“

    Laut Rojacher war die CeBIT für Kaspersky eine ganz wichtige Plattform, um mit Kunden und Partnern in Kontakt zu kommen, die aktuellen Themen zu Sicherheit zu diskutieren und auch neue Produkte und Lösungen vorzustellen.

    Nach über 30 Jahren wird nun die einst weltgrößte Computershow eingestellt. Grund für diese Entscheidung war laut Veranstalter ein nachlassendes Interesse sowohl der ausstellenden Firmen als auch der Besucher. Trotzdem sei Digitalisierung der Megatrend der meisten Branchen und der meisten Messen.

    Auf der CeBIT 2018 wurde vereinbart, erstmals eine neue IT-Ausstellung „CeBIT Russia“ im Technopark Skolkovo bei Moskau zu gestalten. Die Hauptbereiche sind das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, Blockchain, mobile Lösungen und die Mobilität der Zukunft, Sicherheitsentwicklungen, Drohnen und andere unbemannte Systeme.

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    Tags:
    Entwicklung, IT, Umzug, Technologien, Messe, CeBIT, Russland, Deutschland