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    Döbelner Pferdebahn (Archiv)

    „Wie vor 100 Jahren“: Verein aus Sachsen macht Zeitreisen möglich

    CC BY-SA 2.0 / Oxensepp / Döbelner Pferdebahn
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    Alexander Boos
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    Mit dem Pferd unterwegs so wie im 19. Jahrhundert. Doch nicht reitend, sondern mit der Pferde-Straßenbahn. Dafür wirbt der preisgekrönte Verein „Döbelner Pferdebahn“ aus einer Kleinstadt in Sachsen. „Wir haben in einem Mammutprojekt unsere historische Pferdebahn wieder aktiviert“, erklärt der Vereinsvorsitzende Jörg Lippert im Sputnik-Interview.

    Heutzutage werden Straßenbahnen mittels Lokomotiven oder Triebwagen gezogen. Doch früher gab es stattdessen Pferdebahnen. Eine Pferdebahn ist ein auf Schienen fahrendes Verkehrsmittel – meist ein Wagen – bei dem ein Pferd als Zugtier dient und den Wagen zieht. Solch eine historische Pferdestraßenbahn hat der Traditionsverein „Döbelner Pferdebahn“ in der Kleinstadt Döbeln (Sachsen) restauriert und reaktiviert. Für dieses Engagement gewann der Verein den „Unternehmer-Preis 2018“. Den Preis für herausragende Leistungen in Ostdeutschland vergibt alljährlich das Magazin „Super Illu“ gemeinsam mit den ostdeutschen Sparkassen.

    „Nach 16 Jahren Traditionspflege ist jemand auf uns aufmerksam geworden“, sagte Jörg Lippert, Vorstandsvorsitzender des Vereins, gegenüber Sputnik. „In dem Fall die Sparkasse Döbeln, die gemeint hatte, es wäre zu würdigen, dass wir faktisch etwas wiederbelebt haben, was tatsächlich vor über 100 Jahren existiert hat. Wir wollten einfach nur das, was in Döbeln als echtes Nahverkehrsmittel in Betrieb war, wiederbeleben. Das haben wir geschafft, auch wenn es eine Mammutaufgabe war.“

    Pferde-Bahn in Döbeln: Tradition seit 1892

    „Am 10. Juli 1892 wurde die erste Teilstrecke Obermarkt – Bahnhof der Döbelner Pferdebahn feierlich eröffnet“, berichtet der „Verkehrsbund Mittelsachsen“. „Betrieben durch den Traditionsverein Döbelner Pferdebahn fährt die Bahn heute wieder durch die Innenstadt.“ Der Traditionsverein wurde 2002 aus der Taufe gehoben. Seit 2007 fährt die Pferdebahn wieder durch die 23.000 Einwohner zählende Kleinstadt in Mittelsachsen.

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    Es sei eine mutige Aufgabe und große Herausforderung gewesen, die Bahn aus dem 19. Jahrhundert zu restaurieren, so Vereinschef Lippert. „Bei uns in Döbeln hat es tatsächlich noch Schienenreste der damaligen Original-Bahn gegeben. Die lagen vor dem Rathaus. Und das hat uns 2001 zu der Idee geführt, die Pferdebahn wiederzubeleben.“ 

    Wie vor 100 Jahren: Mit dem Pferd durch die Stadt

    „Zunächst wurden in der Innenstadt 750 Meter Gleise verlegt“, schreibt die „Super Illu“. Dann suchten die Vereinsmitglieder einen Wagen. Gesucht, gefunden, restauriert. „Der Wagen, Baujahr 1935, diente als Hühnerstall. Entsprechend aufwendig war seine Restaurierung.“ Inzwischen sei die Pferdebahn eine beliebte Attraktion im Ort und in der Region.

    „Wir haben einen alten Wagen restaurieren lassen und wieder so wie früher aufgebaut“, erklärte Lippert im Interview. „Der Wagen wird von einem Pferd gezogen. Man kann tatsächlich wie vor 100 Jahren mit einer Pferde-Straßenbahn durch die Kleinstadt Döbeln fahren. Das ist sehr gemütlich. Und eben echt Original: So etwas gibt es nicht gleich wieder. Wir sind die Einzigen, die in einer Kleinstadt auf Original-Schienenstrecke mit einem Original-Wagen fahren.“

    „Wir schalten die Pferde-Ampel“

    „Die Strecke geht durch die Innenstadt“, berichtete der Vereinsvorsitzende. „Das ist verkehrsberuhigte Zone. An den Stellen, wo wir Straßen queren, gibt es Ampeln. Auch die einzige Ampel speziell für die Pferdebahn gibt es hier. Die schalten wir. Da müssen die Verkehrsteilnehmer warten, bis wir vorbeigefahren sind. Aber die Autofahrer müssen schon Rücksicht nehmen, was sie auch machen.“

    Heute hat der Traditionsverein „Döbelner Pferdebahn“ mehr als 80 aktive Mitglieder. Diese begleiten oft die Fahrten, um dann den Fahrgästen Interessantes, Wissenswertes und Historisches über Döbeln mitzuteilen.

    Internationale Touristen kommen

    „Wir haben ein täglich geöffnetes Museum, das Deutsche Pferdebahn-Museum“, sagte Lippert. „Das präsentiert auf ungefähr 50 Tafeln die Geschichte der Pferdebahnen weltweit. Man muss dazu wissen, dass es 1.700 solcher Bahnen weltweit gegeben hat. Dazu gibt es weitere schöne Exponate.“ Allein in Deutschland habe es früher 96 Städte gegeben, in denen Straßen-Pferdebahnen gefahren seien.

    Die Pferdebahn in Döbeln locke Gäste aus dem Bundesgebiet und weltweit an. Etliche Besucher aus Japan habe der Ort schon gesehen. „Überwiegend kommen natürlich deutsche Besucher, aus Hamburg, Berlin. Aber: Wir sind dadurch schon ganz schön international bekannt geworden“, betonte der Vereinschef.

    Das komplette Radio-Interview mit Jörg Lippert (Döbelner Pferdebahn) zum Nachhören:

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    Tags:
    Verkehr, Tradition, Mammut, Bahn, Pferde, Deutschland