21:01 17 November 2019
SNA Radio
    Weihnachtsmarkt auf dem Roten Platz in Moskau

    Sterne im Himmel: So schön wird Moskau zum Neujahr

    © Sputnik / Maxim Blinow
    Panorama
    Zum Kurzlink
    3510
    Abonnieren

    Das Neujahrsfest ist in Russland traditionell ein Familienfest, das gerne zu Hause an der Festtafel gefeiert wird. In den letzten fünf Jahren gehen viele Moskauer und Gäste der russischen Hauptstadt in der Silvesternacht gerne nach draußen. Kein Wunder, denn die ganze Stadt wird an diesen Tagen märchenhaft geschmückt.

    Jahrhundertealte Traditionen

    Das Neujahrsfest ist einer der größten Feiertage in Russland, der bereits seit jeher begangen wird. Allerdings wurde er vom 15. Jahrhundert bis 1700 am 1. September und dann im März zelebriert. Der erste russische Kaiser, Peter I., führte eine neue Zeitrechnung ein, sodass das Jahr 7208, „seitdem die Welt steht“, in das Jahr 1699 verwandelt wurde. Darüber hinaus ordnete der Zar an, das Neue Jahr, wie in Europa, am 1. Januar zu feiern und an diesem Tag Tannenbäume sowie die wichtigsten Straßen Moskaus zu schmücken. Damit wurde der Tannenbaum in Russland zum Symbol von gleich zwei Festen – dem Weihnachts- und Neujahrsfest.

    Den Einwohnern wurde gesagt, dass sie an diesem Tag einander gratulieren, Raketen abfeuern und aus Gewehren schießen sollten – alles aus dem festlichen Anlass. Auf dem Roten Platz wurden große Feuerwerke organisiert. Damals entstand zudem die Tradition der Maskenbälle.

    Nach der Oktober-Revolution 1917 wurde das Weihnachtsfest gestrichen, weil es „die alte Gesellschaftsordnung“ verkörperte. Auch das Neujahrsfest wurde verboten, wodurch die Straßen Moskaus und anderer Städte keine festlichen Tannenbäume schmückten. Erst in der Zeit Stalins, nämlich im Jahr 1935, kehrte die beliebte Tradition zurück. Seit 1947 ist der 1. Januar ein Ruhetag. Seit 1970 findet im Fernsehen eine festliche Ansprache des Staatsoberhauptes statt, das seinen Mitbürgern zum Neuen Jahr gratuliert. 

    Neujahr in der Sowjetunion, ca. 1939 (Archivbild)
    © Sputnik / Anatolij Garanin
    Neujahr in der Sowjetunion, ca. 1939 (Archivbild)

    In den Sowjetzeiten wurden im Dezember auf Moskaus Straßen geschmückte Neujahrsbäume aufgestellt. Auch riesige Figuren des „Väterchens Frost“, seines Enkelkindes „Schneewittchen“ und etliche Schneemänner wurden installiert. Zudem werden die Straßen mit bunten Girlanden und festlichen Wandsprüchen versehen. In der ganzen Stadt öffnen etliche Neujahrsmessen und Weihnachtsbaummärkte ihre Tore.

    Diese Tradition wurde auch nach Zerfall der Sowjetunion aufrechterhalten – die Stadt wird nach wie vor zum Neuen Jahr dekoriert. In den vergangenen Jahren lief dies stets nach einem speziellen Szenario ab.

    Silvestertanne in Moskau, ca. 1976
    © Sputnik / L. Nossow
    Silvestertanne in Moskau, ca. 1976

    Seit 2012 legen die Moskauer Behörden besonders viel Wert auf besonders komfortable „öffentliche Räume“ für die Einwohner und Gäste der Hauptstadt. Es werden neue Fußgängerzonen eröffnet, wo es Läden und Cafés mit günstigen Preisen gibt. Immer öfter sagen ausländische Touristen, dass Moskau immer schöner und komfortabler werde.

    Die Straßenbeleuchtung wird extra arrangiert, wobei Häuser, Brücken und Denkmäler besonders hübsch in Szene gesetzt werden.

    Großstadt-Design

    Seit 2012 gibt es in der russischen Hauptstadt mehrere neue Fußgängerzonen: die Kamergerski- und die Stoleschnikow-Seitengasse sowie die Straßen Kusnezki-Most und Roschdestwenka. Seit Silvester 2014 gibt es eine einheitliche Konzeption für die Straßenbeleuchtung.

    Zur Entwicklung der Konzeption wurde das Studio des bekannten Designers Artemi Lebedew eingeladen. Es arbeitete ein Neujahrslogo, spezielle Vignetten und Piktogramme aus. Auch ein neuer Slogan wurde kreiert: „Die schönste Winterstadt“.

    Neujahr-Veranstaltung in Moskau (Archivbild)
    © Sputnik / Ewgenija Nowoschenina
    Neujahr-Veranstaltung in Moskau (Archivbild)

    Die neuen Fußgängerzonen sowie Boulevards und Parkanlagen wurden mit schönen Lichtfiguren verschönert. Insgesamt wurden in Moskau etwa 12.000 derartige Objekte mit gesenktem Energieverbrauch aufgestellt. Auf den Straßen wurden Lichtkonstruktionen, die wie Sterne im Himmel anmuten, sowie beleuchtete Kunstbäume aufgestellt.

    Damals fand auch das erste Festival „Reise in die Weihnachten“ aus der Serie „Moskauer Saisons“ statt.

    Lichterschlangen

    Ein Jahr später, zum Silvesterfest 2015, wurde für die Dekoration der russischen Hauptstadt die thematische Konzeption unter dem Namen „Lichterschlange“ entwickelt. In den Fußgängerstraßen wurden originelle Beleuchtungskonstruktionen montiert.

    Lichtinstallation in Moskau
    © Sputnik / Ewgenija Nowoschenina
    Lichtinstallation in Moskau

    In der Stadt wurden 1000 Neujahrsbäume aufgestellt – sowohl übliche Tannenbäume als auch kreative „Bäume“ aus Kunststoffen.

    Auf den wichtigsten Plätzen in Moskau – dem Smolenskaja, dem Subowskaja, dem Pawelezkaja, dem Serpuchowskaja, dem Taganskaja-Platz usw. – wurden ähnliche, gleich hohe Neujahrsbäume aufgestellt, die aber unterschiedlich dekoriert wurden. Übrigens konnten die Moskauer die Schmuckgestaltung selbst bestimmen – auf der Website „Aktiver Bürger“.

    Bolschoi-Theater in Moskau
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Bolschoi-Theater in Moskau

    Zum traditionellen Neujahrs- und Weihnachtsschmuck kamen Gestalten im Sinne des 2015 ausgerufenen „Jahres der russischen Literatur“ hinzu.

    Postmarke

    Beim Neujahr 2016 war eine Briefmarke das Hauptsymbol der Festlichkeiten, da die Menschen einander zum Neujahr und Weihnachten gratulieren und viel Glück und alles Gute wünschen.

    Außerdem wurden überall in der Stadt große Dekorationen in Form von Tannenbaumkugeln, „Lichtspringbrunnen“ in Blumenform usw. aufgestellt. Die Postmarke sollte die „Neujahrsstimmung“ symbolisieren.

    Warenhaus GUM in Moskau
    © Sputnik / Sergej Piatakow
    Warenhaus GUM in Moskau

    Im selben Stil wurde auch eines der bekanntesten Kaufhäuser Moskaus  geschmückt – das GUM auf dem Roten Platz.

    Freundschaft mit Italien

    Zum Neujahrsfest 2017 wurde Moskau im italienischen Stil dekoriert. Zum Hauptmotiv wurden italienische traditionelle Ornamente, aus denen das Logo des kommenden Jahres bestand. Die Moskauer Behörden führten ihre Entscheidung darauf zurück, dass die Kulturen Russlands und Italiens traditionell ähnlich waren beziehungsweise sind.

    Eine wichtige Rolle bei der Dekorierung der russischen Hauptstadt spielten Konstruktionen mit Beleuchtung, beispielsweise große Kugeln und „Lichtspringbrunnen“.

    Neujahr in Moskau
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Neujahr in Moskau

    Die Neujahrsbeleuchtung während des Festivals „Reise in die Weihnachten“ war besonders schön. Selbst Moskauer, die sich allmählich an die Schönheit der Neujahrsdekoration gewöhnt haben, spazierten mit Vergnügen durch die Straßen und fotografierten sich vor dem Hintergrund der prächtigen „Dekorationen“.

    Unser ganzes Leben ist ein Theater

    Für die Neujahrsfesttage 2018 wurde das Thema Theater gewählt. Deshalb wurden hier und dort Bühnen, Figuren in Masken, Licht-„Vorhänge“ und so fort aufgestellt. Die Stadt verwandelte sich quasi in eine riesige Theaterbühne unter freiem Himmel.

    Im Rahmen des Festivals „Reise in die Weihnachten“ wurden in Moskau vom 31. Dezember bis 3. Januar die Twerskaja-Straße, die Mochowaja-Straße und die Ochotny-Rjad-Straße für Autos gesperrt.

    Neujahr in Moskau
    © Sputnik / Ilja Pitaljow
    Neujahr in Moskau

    Im Rahmen des Festivals wurden zahlreiche Aufführungen und Schauspiele gezeigt. Gästen wurden dabei eigenartige Streetfood-Gerichte geboten. Sie konnten sich vor Installationen fotografieren, singen und tanzen.

    Universale Reserve

    Nicht alle Dekorationen werden extra für dieses oder jenes Neujahrsfest hergestellt. „Die Stadt verfügt über ausreichend Reserven von Schmuckelementen, mit denen die Stadt bei relativ geringem Aufwand schick ausgestattet werden kann“, verriet ein Sprecher der Moskauer Vereinigten Energiegesellschaft.

    So werden beispielsweise „Lichtbögen“ mehrmals verwendet, die üblicherweise auf dem Twerskaja- und dem Puschkin-Platz, auf dem Platz der Revolution, in der Kamergerski- und der Gasetny-Seitengasse sowie im Nowopuschkinski-Park aufgestellt werden. Besonders schön finden die Moskauer und die Gäste der Hauptstadt die Lichtkonstruktionen „Sterne im Himmel“ in der Bolschaja-Dmitrowka- und der Nikolskaja-Straße, wie auch „Lichtbäume“.

    Lichtinstallation in Moskau
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Lichtinstallation in Moskau

    „Generell können die meisten Dekorationen, mit denen die Stadt zum Neuen Jahr aufwartet, entweder neu aufgestellt oder leicht verändert werden, sodass sie anders anmuten“, erklärte der Sprecher der Vereinigten Energiegesellschaft.

    Für jeden Geschmack etwas dabei

    Weihnachtsmarkt auf dem Roten Platz in Moskau
    © Sputnik / Ilja Pitaljow
    Weihnachtsmarkt auf dem Roten Platz in Moskau

    An den Neujahrs- und Weihnachtstagen werden in Moskau etliche Messen eröffnet. Zwei befinden sich traditionell auf dem Roten und dem Manege-Platz.

    Dort kann man nicht nur etwas kaufen – Besuchern werden viele Erholungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten geboten, beispielsweise Karusselle. Auf dem Roten Platz wird zudem eine Eisbahn errichtet.

    Eisbahn auf dem Roten Platz in Moskau
    © Sputnik / Grigorij Syssojew
    Eisbahn auf dem Roten Platz in Moskau

    Weihnachtsmessen gibt es auch in verschiedenen Fußgängerzonen, beispielsweise unweit der Kusnezki-Most-Straße. In Moskauer Parks (Maxim-Gorki-Park, Sokolniki-Park usw.) werden ebenfalls Eisbahnen eingerichtet – übrigens die größten in Europa.

    Dass Moskau im Vorfeld des Neujahrs schön dekoriert wird, hat die Stadt unter Touristen – egal ob aus anderen Regionen Russlands oder aus anderen Ländern – besonders populär gemacht. Viele von ihnen stellen fest, dass die Hauptstadt viel schöner und angenehmer als früher geworden ist. Deshalb besuchen sie Moskau sehr gerne.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Neujahr, Neujahrsfest, Sowjetunion, UdSSR, Moskau, Russland