10:02 23 April 2019
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    Eberswalder Goldschatz im Puschkin-Museum (Symbolbild)

    Deutschland will seine Kulturgüter aus Russland zurück – Kulturstaatsministerin

    © Foto: Andreas Praefcke
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    Liudmila Kotlyarova
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    Die deutsche Regierung hat vor, sich weiter für die Rückgabe kriegsbedingt verbrachter Kulturgüter durch Russland einzusetzen. Dies meldet die Deutsche Botschaft in Moskau unter Berufung auf die Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Der russische Kunsthistoriker und Ex-Kulturminister Michail Schwydkoj sieht das als problematisch.

    „Seit Ende des Zweiten Weltkrieges werden sowohl in der Russischen Föderation als auch in der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Kulturgüter, darunter Kunstgegenstände, Bücher und Archivalien, vermisst“, heißt es im offiziellen Text, den die Botschaft an Sputnik übermittelte. Die deutsche Bundesregierung sei weiterhin bestrebt, zur Frage der Kulturgüterrückführung eine einvernehmliche Lösung mit der Russischen Föderation zu erreichen und würde das Thema auch in Zukunft in die gemeinsamen Gespräche mit Vertretern der russischen Regierung einbringen, so das Bundeskulturministerium.

    Die Bundesregierung verwies darauf, seit Ende des 19. Jahrhunderts für die gefestigte allgemeine Überzeugung zu stehen, dass Kulturgüter von nationaler Identität wegen ihrer herausragenden Bedeutung nicht als Kompensation für eigene Kriegsverluste dienen dürften.

    Es wurde auch betont, dass allein im Jahr 2017 vier Rückgaben aus Deutschland an Russland erfolgt wären. Diese seien nicht zuletzt auch Initiativen von deutschen Privatpersonen, die im Besitz der Kulturgüter waren, zu verdanken.

    Um welche kriegsbedingt verbrachten Kulturgüter geht es?

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbrachte die UdSSR mehr als 1,6 Millionen Stück Kunstgüter nach Deutschland zurück, darunter die berühmtesten Meisterwerke der Dresdner Kunstgalerie und die Marmorfliese des Pergamonaltars, kommentierte der Sonderbeauftragte des Präsidenten und ehemaliger Kulturminister Russlands, Michail Schwydkoj, gegenüber der Zeitung „Iswestja“.

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    Aktuell soll es unter anderem um die Funde des Archäologen Heinrich Schliemann und den Eberswalder Goldschatz gehen, der aus Tausenden von einzigartigen Gold- und Schmuckstücken aus dem neunten Jahrhundert v. Chr. besteht. Die legendäre trojanischen Sammlung von Heinrich Schliemann wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in zwei Museen untergebracht – im Puschkin-Museum in Moskau und in der Eremitage im damaligen Leningrad.

    • Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      © Sputnik / Sergej Subbotin
    • Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      © RIA Novosti . Sergej Subbotin
    • Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      © RIA Novosti . Sergej Subbotin
    • Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin
      © RIA Novosti . Sergej Subbotin
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    Ausstellung „Schätze Trojas aus den Ausgrabungen von Heinrich Schliemann“. Museum der Schönen Künste. A.S. Pushkin

    Moskau beabsichtige nicht, dieses Thema zu diskutieren, bis sich der politische Dialog mit Berlin normalisiere, betonte Schwydkoj dazu. Zugleich, so der Kunsthistoriker, sollte man nicht vergessen, dass die Nazis Hunderttausende Kunstwerke und Kulturdenkmäler aus der UdSSR transportiert, zerstört und geplündert hätten. Bis jetzt seien nur ein paar Dutzend zurückgegeben worden, so Schwydkoj. Zu den geheimnisvollsten Kunstwerken mit dem gleichen Schicksal soll auch das berühmte Bernsteinzimmer des Katharinenpalastes in Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg gehören.

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    1992 hatten die Russischen Föderation und die Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit unterzeichnet. In diesem wurde auch der übereinstimmende Wille beider Vertragsparteien festgehalten, dass verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter, die sich im Hoheitsgebiet des jeweils anderen Staates befinden, an deren Eigentümer oder ihre Rechtsnachfolger zurückgegeben werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die unveränderte Rechtsauffassung der Bundesregierung bei ihrem gemeinsamen Besuch mit Wladimir Putin am 21. Juni 2013 in der Eremitage in Sankt Petersburg nochmals öffentlich bekräftigt.

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    Tags:
    Kulturgüter, Kunstwerke, Trojaner, Kunst, Krieg, Zweiter Weltkrieg, Kulturministerium, Bundesregierung, Eremitage, Michail Schwydkoj, Monika Grütters, UdSSR, Berlin, Deutschland, Moskau, Russland