03:31 16 Dezember 2019
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    Deutsche Bahn als „Katastrophenveranstaltung“: Aufsichtsrat übt harte Kritik

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    Mangelnde Pünktlichkeit, technische Probleme: Der Zustand der Deutschen Bahn ist laut dem Bahn-Aufsichtsratsmitglied Klaus-Dieter Hommel desolat. Die Linken im Bundestag fordern, die Bahn wieder zu verstaatlichen.

    „Wenn die Deutsche Bahn ein Autohersteller wäre, wären die Lenkräder hinten montiert und die Räder oben" — ein vernichtendes Urteil, besonders wenn es von den eigenen Mitarbeitern kommt. Bahn-Aufsichtsrat Klaus-Dieter Hommel hatte seinem Ärger über die Deutsche Bahn mit diesen Worten in der "Welt am Sonntag" ("WamS") Luft gemacht. "Das ist hier inzwischen eine einzige Katastrophenveranstaltung", schimpfte Hommel, der auch Vizechef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist.

    Zuletzt war die Pünktlichkeitsquote bei Fernzügen wieder gesunken, hinzu kommen technische Probleme und hoher Finanzierungsbedarf. Zudem sehen sich Mitarbeiter von Bahnunternehmen weiterhin oft gewalttätigen Angriffen ausgesetzt. In diesem Jahr wurden nach Angaben der Bahn allein in den ersten neun Monaten bereits 1981 Körperverletzungen gemeldet und damit mehr als im gesamten Jahr 2015.

    „Die Kollegen in den Zügen und auf den Bahnhöfen sind mit der Wut der Reisenden über Verspätungen direkt konfrontiert. Sie müssen sich permanent für Probleme rechtfertigen, die sie weder verursacht haben noch verhindern können“, so der Vize-Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG, Alexander Kirchner.

    Zuvor  hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angemahnt, die Qualität beim Bahnfahren müsse schnellstens wieder steigen. Der Bund sitzt als Eigentümer auch mit Vertretern im Aufsichtsrat und kontrolliert somit das Management.

    Bei der Linken im Bundestag wird der Ruf nach einer Wiederverstaatlichung laut. "Was der hoch bezahlte Vorstand, die Manager und der Aufsichtsrat leisten, können Behördenleiter schon lange. Und die kassieren dafür keine Millionengehälter", schrieb der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte in einem Vorschlag an seine Fraktion.

    Die Bahn ist seit 1994 eine Aktiengesellschaft, die Aktien gehören alle dem Bund. "Niemand kann uns erzählen, dass die Bahn als staatliche Behörde schlechter als jetzt laufen würde", so Korte.

     Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Marco Buschmann, wies die Forderung als "grotesk" zurück. „Ursache für die Probleme sind schlechtes Management und unzureichende Aufsicht. Deshalb sind jetzt Verkehrsminister Scheuer und der Vorstand gefordert und keine Rezepte aus der Mottenkiste“.

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    Bahn, CSU, Bundestag, Deutschland