14:22 21 Januar 2019
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    Das Moskauer Gefängnis Butyrka

    Berühmtes Moskauer Gefängnis Butyrka kann Museum werden

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    Natalia Pawlowa
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    Ewgeni Gerassimow, Vorsitzender der Kulturkommission der Moskauer Stadtduma, hat die Möglichkeit, dass das Moskauer Gefängnis Butyrka ein Museum werden kann, nicht ausgeschlossen. Das wollen zumindest die Anwohner des Gefängnisses, die sich über den Lärm und die unangenehme Nachbarschaft ärgern.

    Das Gefängnis Butyrka gehört zu den historischen Baudenkmälern Moskaus und steht unter Denkmalschutz. Und das ungeachtet dessen, dass es bis heute seine Hauptfunktion erfüllt, und zwar Gefangene beherbergt. Das Gefängnis befindet sich im Moskauer Stadtkern, nahe der U-Bahn-Station Belorusskaja.

    “Unter den Inhaftierten von Butyrka waren so viele interessante, prägende Persönlichkeiten, dass man das alles interessant gestalten und das Gefängnis zu einem sichtbaren Investitions-Kulturzentrum machen könnte. Es wird vielleicht andere Vorschläge geben, aber das wird bestimmt ein Investitionsprojekt werden, da bin ich mir ganz sicher. Wenn Angebote kommen, werde ich mich gerne daran beteiligen”, so Gerassimow.

    Der Hauptstadtbeamte ergänzte, dass Butyrka nach dem Vorbild von Sankt Petersburg neben dem historischen Teil auch Messen und Cafés im Innenhof unterbringen könnte. „Man kann jede Zelle besichtigen“, so der Kommissionsvorsitzende. Er verwies darauf, dass Butyrka im 18. Jahrhundert errichtet worden sei und als Kulturerbe gelte.

    Das Moskauer Gefängnis Butyrka (Archivbild)
    © Sputnik / Alexander Lyskin
    Das Moskauer Gefängnis Butyrka (Archivbild)

    Die Geschichte von Butyrka begann während der Regentschaft Katharinas der Großen. Das Jahr 1784 kann als das Baujahr angenommen werden. Damals erhielt der Generalgouverneur von Moskau Sakhar Tschernyschow einen Brief der Zarin, in dem sie die Errichtung einer steinernen Festung genehmigt hat.

    Seit 1881 wurden in Butyrka politische Häftlinge eingesperrt und von hieraus weiter in ihre Verbannungsorte abgeschoben. Trotz der strengen Haftbedingungen gab es hier auch bemerkenswerte Vorfälle. So wurde hier 1873 eine Bande von Geldfälschern ertappt.

    In der Zeit des Großen Stalin-Terrors — von 1937/1938 — befanden sich in dem Gefängnis so viele Gefangene, dass in manchen Zellen bis zu 170 Untersuchungshäftlinge gehalten wurden und die Gesamtzahl der Gefangenen bis zu 20.000 betrug. Tausende von ihnen wurden zum Tod durch Erschießen verurteilt.

    • Das Moskauer Gefängnis Butyrka (Beim Klicken auf das Bild wird das Vollformat zugänglich)
      Das Moskauer Gefängnis Butyrka (Beim Klicken auf das Bild wird das Vollformat zugänglich)
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    • Überwachungszentrale im Gefängnis Butyrka
      Überwachungszentrale im Gefängnis Butyrka
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    • Innenräume des Moskauer Gefängnisses Butyrka
      Innenräume des Moskauer Gefängnisses Butyrka
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    • Mitarbeiterin des Gefängnisses Butyrka
      Mitarbeiterin des Gefängnisses Butyrka
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    „Gegen Bettelsack und Gefängnis ist keiner gefeit“, besagt ein russisches Sprichwort, und das nicht ohne Grund. Unter den berühmten Häftlingen von Butyrka waren der Chef des ersten russischen Geheimdienstes Tscheka, Felix Dserschinsky, der Neffe Adolf Hitlers – Heinz (Heinrich) Hitler, der 1942 in Kriegsgefangenschaft geraten war, sowie der Revolutionsdichter Wladimir Majakowski und der Dichter und Dissident Ossip Mandelstam. Auch der Autor des weltberühmten Romans “Krieg und Frieden”, Leo Tolstoi, war einmal im Butyrka-Gefängnis, aber nur als Gast. Er besuchte den politischen Häftling Egor Lasarew, den er sich späterhin als Vorbild für einen Revolutionär im Roman “Auferstehung” nahm.

    Die Ausstellung „Sozialistischer Surrealismus“
    © Foto : Jüdisches Museum und Toleranzzentrum in Moskau/Sascha Genzis

    Eigentlich gibt es schon heute ein Museum in Butyrka. Besichtigen kann man es aber nur in einer Gruppe auf Antrag einer juristischen Person. Heute dient Butyrka als Untersuchungshaftanstalt. Zu dem Komplex gehören etwa 20 dreistöckige Gebäude. Insgesamt gibt es hier 434 Zellen, die für 3.500 Gefangene ausgelegt sind. Tatsächlich befinden sich hier jedoch höchstens 2.700 Häftlinge.

    Butyrka gilt als privilegierte Haftanstalt. Ihre Berühmtheit ist nicht nur auf die Persönlichkeiten zurückzuführen, die “das Glück hatten”, dort ihre Haftstrafe abzusitzen, sondern auch auf  häufige Erwähnungen in Literatur, Musik und Filmen.

    Zelle im Gefängnis Butyrka
    © Sputnik / Wladimir Pesnya
    Zelle im Gefängnis Butyrka

    Die Moskauer haben die Idee, das Butyrka-Gefängnis in ein Freizeitzentrum umzugestalten, unterschiedlich aufgenommen.

    Ein junger Mann: „Ich bin dafür. Ich wollte es schon lange besichtigen. Da gehen wir mit der ganzen Familie hin, um zu schauen, wie die Menschen dort in Haft gehalten wurden.“

    Eine Seniorin: „Wie soll man denn mit Assoziationen umgehen? Da hat man doch Gefangene in Haft gehalten. Ich bin dagegen.“

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    Tags:
    Restaurierungsarbeiten, Repressalien, Umbau, Terror, Schließung, Gefängnis, Museum, Butyrka, Innenministerium Russlands, Josef Stalin, St. Petersburg, Moskau, Russland