15:03 21 Januar 2019
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    Faltbares Smartphone: Will Apple uns veräppeln?

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    Liudmila Kotlyarova
    285211

    Der Technologieriese Apple hat Pläne für ein faltbares iPhone offenbart, das sich in beide Richtungen biegen lässt, berichten die Medien. Ich frage mich: Braucht das wirklich jemand, solange die wesentlichen Funktionen weiter versagen? Im technologischen Wettwahn scheinen manche Firmen jedes Maßgefühl verloren zu haben. Eine Glosse.

    Apple ließ ein Smartphone-Modell patentieren, das im Gegensatz zu ähnlichen Entwicklungen von Samsung und Huawei in beide Richtungen gebogen werden kann, berichtete am Samstag das Portal 91mobiles. Faltbare Displays sind tatsächlich eine Innovation, allerdings muss die Nützlichkeit von solchen Smartphones noch bewiesen werden. Am 24. Dezember wurde berichtet, dass das langersehnte iOS-Update vielen iPhone-Nutzern die wesentlichsten Funktionen wie Mobilfunknetz und Internetverbindung genommen hat. Immer noch klagen die User über massive Störungen. 

    ​Im Familienfilm meiner Jugend „Spy Kids“ gibt es eine Szene, wo Onkel Machete seinen Neffen eine „supercoole“ Armbanduhr präsentiert. Diese soll über alle fassbaren Optionen verfügen, außer einer: Sie zeigt gar keine Zeit an. Also Apple, ich brauche gar kein biegbares Smartphone. Ich nutze es zum Telefonieren und Internetsurfen. Und manchmal zum Fotografieren und Filmen. Punkt.

    Eigentlich soll es bei neuen Entwicklungen um Optimierung, Verbesserung und Nutzerfreundlichkeit gehen. Vielleicht auch um Ergonomie und Schönheit. Aber manchmal reißt der Wettbewerbskampf Produzenten in den Ideenwahn, der den Preis zwar hochtreibt, die Nützlichkeit dadurch aber kaum erhöht. Es scheint am Ende nur darum zu gehen, der Konkurrenz um jeden Preis einen Schritt voraus zu sein. Ob die Qualität damit besser wird?

    ​Viele Studien belegen, dass zum Beispiel extrem teure Displays mit verrückter Auflösung wie QHD oder sogar 4K gar keinen Sinn machen. 90 Prozent aller mit einem Smartphone aufgenommenen Videos werden auf dem Gerät abgerufen oder in sozialen Netzwerken gepostet, die diese Videos schamlos an die üblichen Standardauflösungen anpassen. Dabei fehlt beim Aufnehmen mit 4K-Auflösung eine echt wichtige Funktion wie die optische Stabilisierung. Im Speicher benötigen solche Videos ungeheuer viel Platz. Wozu braucht man das? Sicher, um unserer Eitelkeit Genüge zu tun.

    Die russische Koordinierungsstelle für Cybervorfälle berichtete zuvor, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche durch das Bestreben der Marktteilnehmer gekennzeichnet ist, neue Produkte und Dienstleistungen so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen. Deshalb fehlt es an Zeit, die Sicherheit dieser Produkte und Dienstleistungen gründlich zu testen. Infolgedessen werden Fehler in Hardware sowie Software nicht erkannt und verwandeln sich in versteckte Schwachstellen. Infolge sind die Geräte schlechter vor Cyberangriffen geschützt. Es stellt sich also heraus, dass die Sicherheit nicht mehr zu selbstverständlichen Basis-, sondern zu Extraoptionen zählt, die gesondert bezahlt werden müssen. Oder das Thema Sicherheit wird für  Marketingzwecke instrumentalisiert. Der Messenger Telegram lässt sich von Anfang an als „sicherster Messenger“ vermarkten und wird gerade dafür scharf kritisiert. Er sei nur bis zum ersten Angriff sicher, toben Konkurrenten.

    ​Nicht mehr sicher genug sind heute wohl auch die Autos. Der durchschnittliche Autokäufer weiß kaum, dass die Dominanz elektronischer Geräte die Zuverlässigkeit von Pkws ebenso beeinträchtigt. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) belegte längst in einem Test zum  Einbruchschutz von mit modernen schlüssellosen Zugangssystemen ausgestatteten Fahrzeugen, dass diese viel anfälliger für Autodiebe als jene mit herkömmlichen Schließsystemen sind. Das Problem wird seitdem nur von wenigen Autobauern gelöst. Stattdessen werden lieber soziale Netzwerke in Infotainmentsysteme integrieret (der User hat sicher kein Smartphone) oder Funktionen wie die dubiose Start-Stopp-Automatik und autonomes Parken eingebaut – was weder ich noch mein Vater noch mein Opa brauchen, denn es funktioniert nur unter perfekten Bedingungen.

    ***

    Apple soll eine spezielle Polymerbeschichtung entwickelt haben, die das Display flexibel und dauerhaft machen soll. Dadurch können Sprünge und andere Beschädigungen vermieden werden, lese ich heute. In einem Jahr heißt es dann vielleicht schon: „Hat jemand einen Sprung auf dem Bildschirm? Was zum Teufel, Apple?!“ Wirklich, was zur Hölle.

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    Tags:
    Flexibilität, Display, Leak, iPhone, Apple, Tim Cook, Kalifornien, Deutschland, USA