04:25 22 April 2019
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    Eine Besucherin des Weihnachtsmarktes in Moskau

    Reise zu Weihnachten: Das Glück liegt in Kleinigkeiten

    © Sputnik / Maxim Blinow
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    Natalia Pawlowa
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    Der Tradition zufolge findet in Moskau von Mitte Dezember bis Mitte Januar eines der schönsten Festivals statt - "Reise zu Weihnachten". Straßenaufführungen, Eisshows und Feuerwerke schaffen eine festliche Atmosphäre. Auf Weihnachtsmärkten kaufen die Besucher Souvenirs und probieren Getränke und Süßigkeiten.

    Im Unterschied zu den Weihnachtsmärkten, die traditionell in vielen europäischen Städten veranstaltet werden, sind die Weihnachtsmärkte im Zentrum und in vielen Parks von Moskau 30 Tage ab Mitte Dezember bis Mitte Januar geöffnet. Auch auf dem Gelände des Allrussischen Ausstellungszentrums WDNH gibt es traditionelle Märkte.

    In Häuschen, die mit Tannenzweigen und Lametta verziert sind, liegen auf Ladentischen ausgefallene Nippsachen und allerlei nützliche Hausartikel: Christbaumschmuck, Erzeugnisse aus Holz, gestrickte Handschuhe, bequeme Pantoffeln, Glasperlenschmuck.

    In einem Häuschen werden Holzartikel angeboten. Die Verkäuferinnen bieten verschiedene Waren an: Vorhänge, Bretter – alles Buche, Massivholz, kein Sperrholz. Löffel, Spaten aus Zedernholz, Tassen, Schüsseln. Untersätze aus Wacholder, die wunderschön riechen. Besonders, wenn man Heißes auf sie stellt. 

    „Das ist alles Handarbeit. Das Holz wird im natürlichen Zustand getrocknet, geschliffen, in Öl gekocht. Die Holzbretter, aber auch die Türvorhänge werden aus Buche hergestellt. Das sind Holzlöffel, mit ihnen kann man essen, kochen, sie sind aus Zedernholz geschnitten und in Wachs gekocht“, sagt die Verkäuferin.

    Die Aufschrift am Giebel eines anderen Häuschens lautet: „Das Glück liegt in Kleinigkeiten“. Die Verkäuferinnen kommen aus St. Petersburg. Alle Erzeugnisse sind originell konzipiert: Gegenstände aus Pappmaché, verschiedene Figurinen aus Bolzen und selbstschneidenden Schrauben, Uhren, kleine Bilder und Kaffeetiere – das sind Figürchen, die mit Kaffee-Aroma durchtränkt sind, sie werden gewöhnlich in Autos aufgehängt.

    Festbeleuchtung in einer Fußgängerzone am Roten Platz.
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Festbeleuchtung in einer Fußgängerzone am Roten Platz.

    „Guter Absatz ist hier am Wochenende“, sagt die Frau. „Die Menschen kommen mit ihren Familien, es spielt Musik. Wir bekommen hier alle Stimmungen zu spüren: sowohl die vorweihnachtliche als auch die Neujahrsstimmung, wenn alle mit großen Augen herumlaufen und in der letzten Minute Geschenke kaufen.“

    Daneben befindet sich ein  Häuschen mit warmen Stricksachen: Handschuhe, Socken, Strickschuhe. Es ist ja Winter, 10 Grad Celsius unter Null, und es soll noch kälter werden, laut Wetterbericht bis minus 15 Grad.

    Die Verkäuferin kommt aus Naltschik, der Hauptstadt von Kabardino-Balkarien. Alle Sachen aus Schafswolle sind von Einwohnerinnen der Stadt hergestellt. Die Frauen weben und stricken zu Hause und geben dann die Sachen denjenigen zum Verkauf, die dann die zweitausend Kilometer nach Moskau fahren.

    Aus dem nächsten Häuschen verbreiten sich köstliche Aromen. Hier steht ein Ladentisch mit Backwaren und unterschiedlich gefärbten Heißgetränken in drei Teekannen aus Glas.

    „Wir haben ein Moosbeerengetränk mit Honig, den Sbitenj mit Honig nach einem altrussischen Rezept, ein Milchgetränk mit Gewürzen und ein Getränk aus Ingwer und Zitronen“, bietet ein junger Mann an und fügt hinzu: „Sbitenj macht man aus der Brühe von 40 verschiedenen Kräutern, die von der Krim stammen. Zu dem Sbitenj nach dem herkömmlichen russischen Rezept gehören unbedingt Nelkenpfeffer und Lorbeerblätter. Und Honig. Man kann auch Alkohol zugeben, aber bei uns sind alle Getränke zwar wärmend, aber ohne Alkohol.

    Nikolaus-Lauf im Ausstellungszentrum WDNH
    © Sputnik / Witalij Beloussow
    Nikolaus-Lauf im Ausstellungszentrum WDNH

    „Wir erforschen Volksrezepte“, steigt seine Kollegin in das Gespräch ein. „Darin war Vieles für verschiedene Menschentypen harmonisiert, damit man sie im Winter erwärmen  und im Sommer erfrischen  konnte. Von diesem Wissen profitierend stellen wir spezielle Zutaten für Tee her. Insbesondere ist es jetzt sehr gesund, den Tee mit grünem und schwarzem Kardamom zu versetzen. Außer dem Tee, der dann besser zieht, kann man mit dem Kardamom, nachdem man ihn gemahlen hat, Speisen abschmecken: von Backwaren bis zur Suppe. Das ist sehr gesund in der kalten Jahreszeit, vor allem für die Nieren. Die antike Medizin birgt allerlei Geheimnisse, insbesondere, dass man das eine oder andere Körperorgan einmal im Jahre speisen muss, indem man dem Essen verschiedene Gewürze beimischt. Im Frühling und im Sommer soll man das Herz speisen. Dementsprechend kann man sich einfach mit einer Mahlzeit oder mit einem Getränk kurieren. So erwärmen wir uns mit einem Ingwertee, und kein Frost kann uns etwas anhaben“, lacht die Frau.

    Weihnachtsmarkt auf dem Roten Platz in Moskau
    © Sputnik / Hans-Georg Schnaak

    Hier gibt es auch Süßigkeiten nach altrussischen Rezepten: Karamell auf der Grundlage von Grieß, mit Rosinen und ganz ohne Zucker – jedes Kind fällt darüber nur so her. Zum Neujahrsfest ist insbesondere runde Halva aktuell — aus Datteln und Feigen, umwickelt mit durchsichtiger Folie, so dass man sie an den Weihnachtsbaum als Schmuck hängen kann. Anschließend kann man das auch essen, dieser Christbaumschmuck ist lange haltbar.

    Ich kaufe ihn und fahre nach Hause. Ich werde Tee nach dem neuen Rezept zubereiten, die warmen Socken anziehen und die dampfende Tasse auf den Untersatz aus Wacholder stellen. Na ja, das Glück liegt in Kleinigkeiten. Das lässt sich nicht bestreiten.

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    Tags:
    Feierlichkeiten, Reportage, WDNH, Weihnachten, Moskau, Russland