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01:22 19 Juli 2019
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    Mond (Symbolbild)

    Neuer Wettlauf zum Mond: Wer wird das Weltall beherrschen?

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    Panorama
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    Iswestija
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    Seit dem US-Mondprogramm Apollo, in dessen Verlauf sechs Landungen auf dem Mond vollzogen worden waren, sind bereits fast 50 Jahre vergangen. Wann die neue Eroberung des Mondes stattfinden und welches Land als erstes seine Raumflieger dorthin schicken könnte – mit diesen Fragen befasst sich die Zeitung „Iswestija“ in ihrem Artikel.

    Seit Apollo-Zeiten hat sich in der bemannten Raumfahrt nämlich kaum etwas Bemerkenswertes getan.

    Neuer Wettlauf zum Mond

    „Wir haben beschlossen, in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen und andere Dinge zu tun, nicht, weil es leicht ist, sondern weil es schwierig ist, weil dieses Ziel uns dazu zwingen wird, die eigenen Kräfte und Fähigkeiten zu bündeln, weil dies eine Herausforderung ist, der wir uns stellen wollen, eine Aufgabe, die wir nicht verschieben wollen und die wir ebenso wie andere bewältigen wollen“, sagte John Kennedy am 12. September 1962 vor Studenten in Texas.

    14 Monate später wurde er ermordet, doch sein Tod bedeutete nicht das Ende des Rennens um den Erdtrabanten, eines der größten Wettstreite des 20. Jahrhunderts. Dieser Wettlauf wurde von den USA gewonnen. US-Astronauten flogen dreimal um den Mond und absolvierten sechs Missionen, die mit einer Mondlandung endeten. Die Sowjetunion hatte nur Sonde-5, die den ersten unbemannten Flug um den Mond mit zwei zentralasiatischen Schildkröten als Besatzung absolvierte.

    Damals war vieles einfacher – zwei Staaten, ein Ziel. Der vor kurzem erst wieder begonnene Wettlauf zum Mond ist weitaus komplizierter. Viele Länder sind daran beteiligt, ihre Ziele sind nebulös, die entsprechenden Fristen sind ungewiss. Wer von diesen Beteiligten dem Ziel am nächsten ist, ist auch schwer zu sagen, denn jedes Land hat eine eigene Vision von ihrem Mondprogramm und richtet sich nach vorhandenen technologischen und finanziellen Möglichkeiten.

    In den kommenden Jahren erwartet uns ein sehr interessanter Wettstreit. An dieser Stelle wollen wir die Beteiligten zunächst kurz vorstellen.

    USA

    Was sucht ein Land auf dem Mond, das den ersten Wettlauf dorthin bereits gewonnen hat? Ein halbes Jahrhundert später muss offenbar erneut der Beweis angetreten werden, wer das Sagen im Weltraum hat. Dieses Mal ist die Situation nicht ganz klar. Das Problem besteht darin, dass traditionell jeder neue US-Präsident eigene Ziele für die Nasa und die US-Raumfahrt definiert. Nicht selten unterscheiden sich diese Ziele maßgeblich von den Vorgängern im Präsidentenamt.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Reif für Kolonisation? Mond besitzt ausreichend Wasser — Nasa<<<

    So geschehen beim US-Programm zur bemannten Erforschung des Sonnensystems. In diesem Programm waren Flüge zum Mond, die Errichtung eines ständigen Stützpunktes auf dem Mond und auch Marsflüge in weiterer Zukunft geplant. Dieses Vorhaben wurde Anfang der 2000er Jahre von George W. Bush angekündigt. Doch die Finanzkrise und sein Nachfolger Barack Obama stoppten es. Von diesen Plänen sind nur die überschwere Rakete SLS und das Weltraumschiff Orion übriggeblieben.

    Diese Projekte bilden nun das Fundament des aktuellen Mondprogramms der USA. Auf der Tagesordnung steht nicht die Mondlandung, sondern der Versuch, die Raumstation LOP-G im tiefen Weltraum zu installieren.

    Obwohl der Orbit der künftigen Station LOP-G ein Kompromiss ist, wird sie in der Zukunft Landungen auf dem Mond ermöglichen. Lockheed Martin zeigte vor wenigen Wochen ein Modell des künftigen Landemoduls, das für vier Astronauten bestimmt und viel größer als das Apollo-Modul ist. In einem 14 Meter hohen und 22 Tonnen schweren Modul könnten die Astronauten mindestens zwei Wochen auf dem Mond tätig sein.

    Aber es gibt noch keine festen Fristen. Bekannt ist nur, dass die Nasa erst 2024 festlegen wird, wer das Modul bauen wird. Erst danach werden die Bauarbeiten beginnen, die mindestens fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen werden. Damit könnte die Nasa-Mission bestenfalls um 2030 auf dem Mond landen und auch nur dann, wenn der Nachfolger Trumps das Mondprogramm nicht ändert. Eine Herausforderung ist auch das Mondprogramm Chinas – für die Amerikaner würde es sehr schmerzhaft sein, gegen die Chinesen den Kürzeren zu ziehen.

    Russland

    Die russische Führung hat große Pläne in Bezug auf den Mond – vorgesehen sind die Landung und der Bau einer Siedlung auf dem Mond. Russlands finanzielle Möglichkeiten schränken die volle Umsetzung dieser Pläne jedoch ein.

    Betrachtet man die Vorbereitungen wie den Start der unbemannten Weltraumapparate der „Luna“-Serie, ist zu erkennen, dass die Fristen verschoben werden müssen.

    Laut dem Programm soll die Mondlandung 2033-2035 erfolgen, doch bislang sind keine Voraussetzungen zu erkennen, dass das Mondprogramm vollständig umgesetzt wird. Als wichtigstes Anzeichen gilt der Bau einer überschweren Rakete auf Basis der Sojus-5-Raketen und des Landemoduls. Beim Thema Landefähre hat Russland zudem Schwierigkeiten, weil es im Unterschied zu den USA keine praktischen Erfahrungen in diesem Bereich hat. Die Entwicklung des Mondschiffs L3 (Projekt 11F94) erfolgte im Koroljow-Konstruktionsbüro, das Modul flog sogar dreimal im Testbetrieb ins All, für den Start wurde die Sojus-L-Rakete genutzt. Diese Entwicklungen werden wohl als Grundlage für das künftige Landemodul dienen.

    In der Theorie verfügt Russland über Möglichkeiten zur Umsetzung des Mondprogramms, es wurden auch entsprechende Pläne angekündigt. Das Problem besteht nur darin, dass der politische Willen und die Finanzmittel fehlen. Ob die angekündigten Fristen realistisch sind, wird erst in einigen Jahren klar.

    China

    Das jetzige Tempo der chinesischen Expansion im Weltraum ist beeindruckend. Allerdings wurden nicht einmal ungefähre Fristen für die Mond-Erschließung genannt.

    In China wird derzeit ein Programm zur Erforschung des Mondes mithilfe automatischer Stationen umgesetzt. 2013 absolvierte China eine sanfte Landung auf dem Mond und arbeitete mithilfe eines Rovers an den Forschungen. Momentan ist die zweite Mission Chang’e 4 im vollen Gange. Die Sonde landete am 3. Januar 2019 erfolgreich im Südpol-Becken auf der Mondrückseite.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Russland-USA: Wettlauf ins All geht in nächste Runde<<<

    Die nächste Mission heißt Chang’e 2020. Dabei sollen bis zu 2 Kilo Mondboden zur Erde gebracht werden. Anschließend wollen sich die Chinesen auf eine bemannte Landung vorbereiten.

    Beim Bau einer überschweren Rakete hat China einige Erfolge verzeichnet. Seit 2013 wird die Rakete Long March 9 entwickelt, die 2030 gestartet werden soll. Parallel tauchen in China Informationen über die Schaffung eines Landemoduls für ein bemanntes Weltraumschiff auf. China hat ausreichend Entwicklungen, notfalls kauft bzw. beschafft es sich fehlende Technologien.

    Deswegen kann China beim Kampf um die Vorherrschaft im Weltraum sowohl an den USA als auch an Russland vorbeiziehen. Den Wettlauf zum Mond gewinnen ist der beste Weg, zu zeigen, dass eine neue Weltraum-Supermacht nun das Sagen im All hat.

    Wer ist die Nummer eins?

    Jeder Teilnehmer dieses Rennens verfügt über eine gute technologische Basis und Erfahrung, um selbstständig auf dem Mond zu landen, weshalb Bündnisse in diesem Wettstreit wohl nicht zustande kommen werden.

    Wer die Nummer eins wird, ist schwer zu sagen. Momentan hat China, das in den vergangenen Jahren ein hohes Tempo vorgelegt hat, offenbar die besten Chancen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die von Elon Musk geplante „Big Falcon”-Rakete die Situation verändern könnte, doch mittlerweile scheint dieses Vorhaben eher unrealistisch.

    Auf der anderen Seite sollte man sich darüber freuen, dass in den nächsten 15-20 Jahren zumindest ein Land eine bemannte Mondlandung absolvieren und man mit eigenen Augen einen weiteren kleinen Schritt sehen kann, der so wichtig für die ganze Menschheit ist.

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    Tags:
    Wettbewerb, Flug, Apollo-Raumschiff, Sojus-5, NASA, China, Russland, USA, Mond, Weltraum