09:49 22 Januar 2019
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    Ein Lämmchen in der Farm bei Utting in Süddeutschland (Archivbild)

    Rituelles Schlachten: „Schächten erzeugt überflüssiges Leid“ – Expertin

    © AFP 2018 / Christof Stache
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    Seit Januar 2019 dürfen Metzger in der belgischen Region Flandern Tiere nicht mehr schächten. Muslimische und jüdische Religionsvertreter sprechen von einem „Affront von rechts“. Dieser Argumentation widerspricht die Tierärztin und Referentin des Deutschen Tierschutzbundes, Frigga Wirths.

    „Das hat nichts mit Judenhass oder der Verurteilung von Moslems zu tun. Es geht einfach darum, dass die Tiere leiden“, kommentiert die Tierärztin Frigga Wirths das Schächtverbot im Sputnik-Interview.

    Ausbluten ohne Betäubung

    Mittlerweile sei wissenschaftlich ausreichend belegt, dass die Tiere sehr leiden. „Dieses Leiden ist nicht notwendig. Es mag sein, dass es auch rechte Stimmen gibt, die solche Schächtverbote natürlich begrüßen und die das für ihre politische Zielsetzung einsetzen, aber wenn ich jetzt nur den Tierschutz betrachte, dann muss es mir als Tierschützer in dem Fall egal sein, aus welcher Ecke das kommt. Wenn es um das Schächtverbot geht – um das Verbot, Tiere ohne Betäubung zu töten – dann ist das einfach eine richtige Forderung, egal wer sie stellt.“

    Seit Januar 2019 dürfen Metzger in der belgischen Region Flandern Tiere nicht mehr schächten. Moshe Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, sagte der „Jüdischen Allgemeinen“, er halte das Gesetz für skandalös: „Dieser Entschluss im Herzen Westeuropas schickt eine furchtbare Botschaft an jüdische Gemeinden auf dem Kontinent: dass Juden nicht erwünscht sind.“

    Aus Tierschutzsicht begrüßt Wirths ein Schächtverbot. Gerade bei Rindern dauere es einige Minuten, bis sie wirklich bewusstlos sind und so viel Blut ausgetreten ist, dass sie gestorben sind, „und in dieser Zeit leiden sie“. Häufig sei es auch so, dass die Schächtschnitte nicht korrekt gemacht würden oder dass die Messer nicht scharf genug seien, dann verlängere sich die Entblutezeit – die Zeit, bis die Tiere sterben – entsprechend.

    Schächtfleisch undeklariert im Supermarkt

    In Frankreich und Belgien sei es bisher üblich gewesen, dass Tiere auf ganz normalen Schlachthöfen geschächtet werden. Dieses Fleisch komme aber nicht nur unbedingt als halal oder koscher in den Handel, sondern auch völlig ohne Kennzeichnung. Wirth erklärt:

    „Jeder Mensch, der im Geschäft Fleisch kauft, kann Fleisch von diesen Tieren erwischen, und dieses Fleisch wird auch nach Deutschland importiert, und es ist nicht gekennzeichnet. Es gibt viele Leute, die dieses Fleisch nicht essen wollen, aber sie haben gar keine Chance, es zu erkennen.“

    Unter diesem Aspekt fordert die Referentin des Deutschen Tierschutzbundes eine europaweite Regelung zum Schächten nach deutschem Vorbild.

    Halal mit Betäubung

    Wirth berichtet aber auch von einem anderen Trend: Immer mehr Moslems seien bereit, Tiere als halal zu betrachten und zu essen, die zuvor betäubt wurden. „Die Regelungen zum Schächten, die im Koran stehen, stammen aus einer Zeit, als es noch keine Betäubungsgeräte gab“, so die Tierärztin. „Ursprünglich dienten diese Vorschriften dazu, die Tiere zu schonen und sie möglichst ohne viel Leid zu schlachten. Das Werk ist ja nun ziemlich alt, und wir haben bessere Methoden, die Tiere zu töten, ohne dass sie zuvor leiden müssen. Mittlerweile gibt es sehr viele muslimische Vereinigungen, die bereit sind, Tiere als halal zu verzehren, die zuvor betäubt worden sind.“

    Ein Verfahren, das aus Tierschutzsicht und auch für diese Moslems akzeptabel sei, ist die Elektrokurzzeitbetäubung. Dabei bekommen Schafe oder Rinder einen elektrischen Stromschlag, der sie kurzzeitig bewusstlos macht. Aus dieser Bewusstlosigkeit würden sie aber wieder erwachen, wenn ihnen nicht die Halsschlagadern durchtrennt würden.

    Das komplette Interview mit Dr. Frigga Wirths zum Nachhören:

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    Tags:
    Schlachtung, Ritualmord, Verbot, Religionsfreiheit, Juden, Judentum, Muslime, Islam, Tierschutz, Flandern, Belgien