23:44 18 Juni 2019
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    Springer-Verlagsgebäude in Berlin (Archivbild)

    „Bild“ entfernt stillschweigend Nazi-Definition zu RT aus seinem Artikel

    © AP Photo / Miguel Villagran
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    Nach einer Welle der Empörung hat die „Bild“-Zeitung in ihrem jüngsten Artikel über den russischen Fernsehsender RT den im Dritten Reich üblichen Begriff „Feindsender“ ohne Erklärung „richtiggestellt“. Das sei eine „redaktionelle Entscheidung“ gewesen, hieß es beim Medienkonzern Axel Springer, zu dem „Bild“ gehört.

    Zuvor hatte die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti Axel Springer ersucht, die Anwendung dieses Nazi-Terminus in Bezug auf den Sender RT Deutsch zu erläutern. Zwei Tage später teilte der Konzern mit, er werde den Redaktionsbeschluss nicht kommentieren. „Wir bitten um Verständnis“, hieß es.

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    Am 10. Januar hatte die „Bild“-Zeitung von einem immer stärker werdenden Druck in Deutschland berichtet, den „Feindsender zu sperren“. Zugleich erinnerte das Blatt daran, dass RT in den USA bereits als „ausländischer Agent“ eingestuft wurde.

    Als Feindsender wurden in Nazi-Deutschland in der Regel Rundfunksender anderer Staaten bezeichnet, die das Dritte Reich nicht unterstützten beziehungsweise gegen es kämpften. Wer im Dritten Reich „Feindsender“ hörte und wer dabei erwischt oder deswegen verraten wurde, dem drohte die Todesstrafe. Das Bundesarchiv bewahrt Schilder und Plakate jener dunklen Tage in Deutschland auf, die unmissverständlich verkünden, was Deutschen drohte, sollten sie es wagen, „Feindsender“ zu hören:

    „Du bist ein Verräter!

    Wenn Du Feindsender hörst.

    Wenn Du Feindparolen glaubst.

    Wenn Du Feindnachrichten verbreitest.

    Wenn Du Anweisungen des Feindes befolgst.

    Wenn Du mit dem Feind paktierst.

    Trägst Du auch die Maske des Biedermannes, des Menschenfreundes, Du entgehst uns nicht. Wir packen zu, schnell und sicher und…?

    Verräter gehören an den Galgen!“

    Nachdem der Skandal um das Hetzen des russischen Senders mit Nazijargon ins Netz durchgesickert war, redigierte die „Bild“-Zeitung die Bezeichnung „feindlich“ in ihrem Artikel heraus. RIA Novosti liegen aber Screenshots des Originaltextes vor.

    Zudem rief der Deutsche Journalistenverband die Behörden auf, RT Deutsch die Sendelizenz zu entziehen. RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan bezeichnete diese Situation als „kollektiven Anfall von Hass gegen RT“: „Die einen ersuchen die Bundesbehörden um den Entzug der Sendelizenz für RT, die anderen – die populäre ‚Bild‘-Zeitung – bezeichnen RT als ‚Feindsender‘“, schrieb Simonjan auf Telegram.

    Nebenbei erinnerte sie daran, dass während der massiven Proteste in Chemnitz vom vergangenen September „ganz zufällig ausgerechnet RT-Videos bei Youtube am meisten angeschaut wurden“.

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    Tags:
    Parolen, Nazi-Deutschland, Nazis, Lügenpresse, Skandal, Axel-Springer-Verlag, RT, Bild-Zeitung, NSDAP, Joseph Goebbels, Julian Reichelt, Margarita Simonjan, Drittes Reich, Deutschland, Russland