17:42 18 Februar 2019
SNA Radio
    Aliens (Symbolbild)

    Wird Kontakt mit Aliens Menschheit zerrütten? Soziologen entwerfen Szenarien

    CC0
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    203122

    Was passiert, wenn wir auf Aliens treffen? Welche Auswirkungen wird ein solches Treffen auf die Menschheit haben? Und wie können wir uns darauf vorbereiten? Mit solchen Fragen beschäftigen sich zwei Soziologen im neuen Buch „Die Gesellschaft der Außerirdischen“. Sputnik hat mit einem der Forscher gesprochen.

    Gibt es Leben da draußen? Diese Frage stellen sich viele, nur was die Wahrscheinlichkeit eines solchen Lebens betrifft, scheiden sich die Geister. Eine wichtige Frage, die sich an diese Frage anschließt, lautet auch: Wenn es Leben da draußen gibt und es zum Kontakt kommt – wie wird diese Begegnung ablaufen? Womit hat die Menschheit zu rechnen? Wie können wir uns darauf vorbereiten? Mit solchen Fragen haben sich die Soziologen Michael Schetsche und Andreas Anton im bald im Springer-Verlag erscheinenden Buch „Die Gesellschaft der Außerirdischen. Einführung in die Exosoziologie“ beschäftigt. Sputnik hat mit Michael Schetsche gesprochen.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Unserer Galaxie droht Crash<<<

    Die Exosoziologie sei eine russische Erfindung, betont der Autor. „Ein damals sowjetischer Radioastronom, Samuel Aaronowitsch Kaplan, hat Ende der 60er-Jahre ein Buch herausgegeben, eigentlich ein epochales Werk namens ‚Außerirdische Zivilisationen. Probleme interstellarer Kommunikation‘. Er hat mit einigen Kollegen alle diese Fragen analysiert und das Programm als erster Exosoziologie genannt.“ Bei der Exosoziologie gehe es darum, sich aus einer irdischen Perspektive mit den außerirdischen Gesellschaften zu beschäftigen. Damit wird die Soziologie über die Menschheit heraus als Gegenstand ausgedehnt und öffnet sich auch für das Weltall.

    Von bewohnbaren Planeten und hartnäckigem Leben – Gründe für Exosoziologie

    Aliens oder Neutronensterne? Teleskop entdeckt rätselhaftes Signal aus dem All
    © Foto : Bill Saxton, NRAO/AUI/NSF; Hubble Legacy Archive, ESA, NASA
    Die Frage nach außerirdischen Zivilisationen ist aus Schetsches Sicht in den letzten Jahrzehnten aus zwei Gründen wichtiger geworden. Zum einen sei das Wissen um bewohnbare Planeten förmlich explodiert: „Wir wissen seit ungefähr 20 Jahren, dass Planeten im Universum unglaublich weit verbreitet sind. Aktuelle Schätzungen sagen: Wir haben in unserer Galaxie 200 bis 300 Milliarden Planeten.“ Etwa ein Prozent dieser Planeten umkreise den Stern in einer Zone, in der Leben möglich sei (Goldilocks-Zone). Daraus folge, dass eine bis drei Milliarden Planeten lebensfähig sind.

    Zum andern habe die Forschung gezeigt, dass das Leben ein „extrem robustes“ Phänomen sei. „Überall auf der Erde, wo ansatzweise passende Bedingungen da sind, entwickeln sich Lebensformen.“ Daraus könnte der Astrobiologe schließen, dass auch im Weltall Leben bei recht unwirtlichen Bedingungen existieren könnte. Aus diesen Gründen folgt die Überzeugung des Soziologen: „Zum jetzigen Zeitpunkt sagt uns unser naturwissenschaftliches Bild vom Universum: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es neben dem Menschen noch andere Intelligenzen gibt, und das heißt, die könnten wir dann auch treffen – oder sie uns.“

    Signale, Artefakte, Direktkontakt – die möglichen Begegnungen

    Für solche Fälle haben der Soziologe mit der Methode der Zukunftsforschung Szenarioanalysen durchgespielt, das heißt: Grundparameter festgelegt und verschiedene wahrscheinliche Entwicklungen verfolgt. Das Ergebnis sind drei mögliche Szenarien:

    1. Das Fernkontaktszenario: In diesem Szenario geht es um Botschaften von außerirdischen Zivilisationen, die auf der Erde empfangen oder von der Menschheit erfolgreich übermittelt werden. Das ist derzeit das einzige Szenario der SETI-Forschung, was Schetsche bemängelnswert findet, da der Kontakt auch auf andere Weise erfolgen kann. (SETI steht für „Search for Extraterrestrial Intelligence“, zu Deutsch: Suche nach extraterrestrischer Intelligenz.)
    2. Das Artefakt-Szenario: In diesem Szenario wird in der Nähe der Erde eine Hinterlassenschaft einer außerirdischen Intelligenz in Form einer alten Sonde oder Raummülls gefunden. Diese kann dann von einer außerirdischen Intelligenz zeugen, die früher einmal im Sonnensystem war.
    3. Das Direktkontakt-Szenario: In diesem Szenario kommt es zur direkten Konfrontation mit einem „interaktionsfähigen Raumflugkörper“. An Bord können Aliens sein, es reicht aber auch, wenn künstliche Intelligenz oder andere Maschinen das Raumschiff lenken, Hauptsache ist, dass über diese Konfrontation die Kommunikation mit der Zivilisation aufgenommen werden kann.

    Eine Begegnung wird höchstwahrscheinlich gefährlich

    Zwar liegen der Wissenschaft keine Außerirdischen für ihre Forschung vor, aber über historische Analogien, die sich auf der Erde ereignet haben, kann man sich einer Begegnung nähern. Zum Vergleich kann der Soziologe „irdische Zivilisationen aus der Epoche der Eroberungen“ heranziehen, bemerkt Schetsche. Dabei habe es sich um sogenannten „asymmetrischen Kulturkontakt“ gehandelt. Die Eroberer seien die „technologisch überlegene Zivilisation“ gewesen und die unterlegene Zivilisation habe das Nachsehen gehabt.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Leben auf dem Mars? Alienjäger entdeckt „Fossil“ auf dem Roten Planeten<<<

    So haben solche Begegnungen immer ökonomische, politische und religiöse Zerrüttung bei den Entdeckten zur Folge gehabt, „die das neue Wissen gar nicht in das eigene Weltbild einbauen“ konnten. Das habe zu Auflösungen von Gesellschaften geführt. Von diesen Beispielen wagt Schetsche die These, dass ein Kontakt mit technologisch überlegenen Außerirdischen auch für die Menschheit „schwerwiegende Auswirkungen“ haben wird.

    Auch im Artefakt-Szenario gebe es Grund zur Sorge: Der Fund einer außerirdischen Technologie im Asteroidengürtel etwa würde wahrscheinlich einen Wettlauf der Staaten und Konzerne in Gang setzen, die die Technologie an sich reißen wollen würden. Die Auseinandersetzungen könnten sich hier bis hin zu Kriegen entwickeln. Aus all dem folgern die Exosoziologen: „Wir befürchten, dass die Auswirkungen eher negativ sein werden.“

    Das Interesse für diese Art für Forschung rührt bei Michael Schetsche aus zwei Gründen her. Zum einen sei er selbst fast Astrophysiker geworden, habe sich aber „in politisch bewegter Zeit dagegen entschieden“ und sei Soziologe geworden. Zum anderen zählt er zu den Schülern des russischstämmigen Ossip Flechtheim, der die Zukunftsforschung in Deutschland begründet haben soll. „Zukunftsforschung ist bei mir immer ein Schwerpunktthema gewesen. Deswegen frage ich nicht nur: Was ist jetzt? Das wäre die klassische Frage der Soziologie. Sondern ich frage auch: Was ist in zehn, zwanzig, fünfzig Jahren? Da geraten unterschiedliche Aspekte in den Fokus. Und einer dieser Aspekte ist die Frage: Was wäre, wenn wir mit einer außerirdischen Intelligenz konfrontiert werden würden?“, so der Forscher.

    Michael Schetsche
    © Foto : IGPP
    Michael Schetsche

    Das komplette Interview mit Michael Schetsche zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Szenario, Phänomen, Treffen, Auswirkungen, Aliens, Menschheit, Weltraum