17:42 20 November 2019
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    Ein Dieselauto in Essen (Archivbild)

    Dieselkrise in der Krise: „Die Grenzwerte sind wissenschaftlich unbegründet“

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    Die Grenzwerte für Stickoxide und damit auch die Dieselverbote haben laut dem Chefarzt Martin Hetzel keine wissenschaftliche Grundlage. Faktoren wie das Rauchen wurden ausgeblendet, aus einer Korrelation wurde schnell mal eine Kausalität – es sei ein „ideologischer Populismus“ ausgeübt worden, von dem es jetzt Abstand zu nehmen gelte.

    Sind die Studien, auf denen Grenzwerte und Dieselverbote fußen, doch nicht so wissenschaftlich gewesen, wie dargestellt? Diese Frage spaltet gerade die Fachwelt der Mediziner. Stimmen werden laut hinsichtlich mangelnder wissenschaftlicher Methodik, übereilter Schlüsse und einer Politik, die in erster Linie dem Populismus als der Wissenschaft huldigt.

    Dass jetzt plötzlich Kritik an den Grenzwerten laut wird, überrascht Martin Hetzel, Chefarzt der Krankenhauses vom Roten Kreuz in Stuttgart, nicht, denn jetzt begännen die festgelegten Grenzwerte „auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen“ zu zeitigen. Die Kritik selbst sei aber schon seit langem bekannt gewesen, sie sei nur nicht beachtet worden.

    Im Kern bemängeln die Kritiker, dass der Grenzwert für Stickstoffdioxid „keinerlei wissenschaftliche Grundlage hat“, so Hetzel gegenüber Sputnik. Seinen Ursprung habe der Grenzwert in einer Schätzung bei Familien, die über Gasherde verfügen. Dort seien Stickstoffdioxid-Konzentration gemessen worden, die um 40 Mikrogramm höher gewesen seien, als bei Haushalten ohne Gasherde.

    „Dass von dieser Konzentration irgendeine krankmachende oder todesursächliche Wirkung ausgeht, war damals völlig unklar“, merkt der Chefarzt an.

    Auch die nachfolgenden Untersuchungen, auf die sich die Gesetzeslage stütze, hätten „krasse methodische Mängel“. Es sei darin die Lebenszeit der Landbevölkerung mit der Bevölkerung an Hauptstraßen von Städten verglichen worden. Gleichzeitig seien die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Konzentration an den jeweiligen Orten gemessen worden und „geringe Unterschiede“ festgestellt worden. „Aus dieser Korrelation wurde auf eine Kausalität geschlossen und das ist wissenschaftsmethodologisch in keiner Weise zulässig“, betont der Mediziner.

    Zwar hätten die Studienmacher versichert, dass in den „komplexen statistischen Modellen auch Störfaktoren berücksichtigt“ worden seien. Aber diese Störfaktoren haben nach Hetzel einen Knackpunkt: „Wenn die Störfaktoren um ein Vielfaches stärker wirken als die untersuchte Variable – hier Stickstoffdioxid oder Feinstaub – dann ist es methodologisch unzulässig eine solche Verbindung vorzunehmen.“ Stattdessen hätte man die Störfaktoren messen sollen, was nicht erfolgt sei. Dann könnten die Studien aber auch keine Grenzwerte begründen und daraus folge eben:

    „Es gibt keine wissenschaftliche Begründung des geltenden Grenzwerts für Stickstoffdioxid.“ Und daraus folgt wiederum die Frage, wieso die „großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen“ von Grenzwerten und Dieselverboten hinzunehmen seien.

    Die Störfaktoren sind nichts Geringeres als etwa Aktivrauchen und Passivrauchen. Diese beeinträchtigen die Gesundheit in weit beachtlicherem Maße. Das Aktivrauchen habe ein „tausendfach stärkere Wirkung als selbst extreme Feinstaubbelastungen“ auf die Gesundheit, betont der Experte. Ein Raucher atme „die millionenfach höhere Dosis an Feinstaub ein, als wir am Stuttgarter Neckartor an schlechten Tagen antreffen“.

    Aber auch ein anderer Faktor wurde nach Hetzel nicht berücksichtigt, denn die Lebensdauer eines Menschen hänge auch von seinem Lebensstil, von seiner sozialen Lage ab. „Wer an der Hauptstraße wohnen muss, der ist im Regelfall ökonomisch nicht so gut situiert wie der, der im städtischen oder ländlichen Hintergrund leben kann.“ Auch das sei nicht berücksichtigt worden.

    Stattdessen sei ein „ideologischer Populismus“ von Wissenschaftlern und Politikern betrieben worden. „Die Ideologie, die dahinter steht ist, dass Stickstoffdioxid und Feinstaub immer Gifte sind und es keine Untergrenze für Unschädlichkeit gibt und diese Umweltgifte direkt todesursächlich sind“, erklärt Hetzel den Hintergrund. Aber in seiner Klinik habe er keine Toten infolge von Stickstoffdioxid gehabt. Weder Feinstaub noch Stickstoffdioxid seien direkt giftig. Dennoch habe die Bundesregierung die Darstellung der Stoffe als gefährlicher Gifte gewählt und etwa geschrieben, dass Feinstaub jährlich 47.000 Todesfälle verursache. Und das sei Populismus.

    Aus alledem folgert der Arzt, dass es konsequent wäre, die Rechtsnorm wieder auszusetzen. „Dann könnten die Wissenschaftler sachbezogen, ideologiebefreit ihre Erkenntnisse bewerten und nicht vorhandene Erkenntnisse herbeiforschen, um dann einen neuen Grenzwert festzulegen.“

    Das Interview mit Prof. Martin Hetzel zum Nachhören:

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    Täuschung, Stickstoff, Fahrverbot, Herzerkrankungen, Feinstaubbelastung, Grenzwert, Diesel, Objektivität, Ärzte, Populismus, Lungenkrebs, Studie, Zweifel, Rauchen, Krise, Wissenschaft, Ideologie, Medizin, Stuttgart, Deutschland