00:24 22 April 2019
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    Angriff der deutschen U-Boote auf US-Konvoi im Atlantischen Ozean 1943

    Gifttonne aus Zweitem Weltkrieg: Wie kommt deutsches Quecksilber in die Arktis?

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    In die Geschichte eingegangen ist U-864 als das erste U-Boot, das mithilfe des Sonars unter Wasser erfasst und von einem anderen getauchten U-Boot vernichtet wurde. Seit 2003 weiß man, dass das ehemalige U-Boot der Kriegsmarine auch eine tickende Zeitbombe ist. Die Zeitung „Iswestija“ berichtet.

    Über zwei Dutzend Fern-U-Boote vom Typ IXD2 hatte Deutschland vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut. Die 90 Meter langen Stahlhaie hatten die größte Reichweite aller Boote der Kriegsmarine: 31.000 Seemeilen schafften sie bei einer Unterwasserfahrt von zehn Knoten – bewaffnet mit 24 Torpedos, bedient und gesteuert von 57 Mann Besatzung.

    Eines dieser Fern-U-Boote war U-864, befehligt vom Korvettenkapitän Ralf-Reimar Wolfram. Bis November 1944 war das Boot Teil eines Ausbildungsgeschwaders, dann wurde es der „Gruppe Monsun“ zugeordnet. Bis nach Südostasien operierte dieser Verband.

    Den Vorschlag, deutsche U-Boote auf japanischen Stützpunkten in Indonesien zu stationieren, hatte Japan schon 1942 gemacht. Doch Admiral Karl Dönitz, „Befehlshaber der U-Boote“, ließ sich viel Zeit damit, die U-Boote der deutschen Kriegsmarine in den Fernen Osten zu entsenden. Erst als der U-Bootkrieg im Atlantik im Juni 1943 eine für die Kriegsmarine kritische Phase erreichte, machten sich Einheiten der „Gruppe Monsun“ dorthin auf.

    Im Winter 1945 war auch U-864 an der Reihe. Erst führte Wolfram das U-Boot nach Norwegen. Von dort aus sollte es in den Atlantik aufbrechen. Um möglichst lange unter Wasser bleiben zu können, wurde U-864 mit einem Schnorchel ausgerüstet. Damit sollten im Tauchzustand einerseits Luft für die Dieselmotoren eingesogen und andererseits die Verbrennungsgase ausgestoßen werden.

    Ein erbeutetes deutsches U-Boot vom Typ IX
    Ein erbeutetes deutsches U-Boot vom Typ IX

    Zwei Monate lang wurde die Vorrichtung getestet. Immer wieder verursachte die Konstruktion große Schwierigkeiten. Erst Anfang 1945 kriegten die Techniker der Kriegsmarine die Probleme einigermaßen in den Griff. Am 6. Februar 1945 brach das Boot von Bergen aus zu seiner ersten Fernfahrt auf.

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    Doch die verlief von Anfang an unter keinem guten Stern. Schon am 8. Februar meldet Kommandant Wolfram an die Einsatzzentrale einen Schnorchel-Schaden. Das Boot muss die Fahrt abbrechen und umkehren. Doch in Bergen wird es nicht mehr ankommen.

    Lange vorher schon hatten Japan und Deutschland angefangen, strategisch wichtige Güter und technisches Knowhow auszutauschen. Transportiert wurde die Fracht auf Handelsschiffen über den Atlantik – trotz der Seeblockade der Alliierten. Deshalb wimmelte es an den Zufahrtsrouten zu den Marinebasen in Norwegen nur so vor U-Booten der britischen Royal Navy: Sie jagten die Frachter der Achsenmächte, die versuchten, die Blockade zu durchbrechen.

    Eines dieser britischen U-Boote war „HMS Venturer“, das bereits wenige Monate zuvor ein deutsches U-Boot versenkt hatte. Am Morgen des 9. Februar 1945 legten sich die Briten unweit vor Bergen auf die Lauer.

    Es dauerte nicht lange, da meldete der Sonaroffizier ein schwaches ankommendes Geräusch an den Kommandeur. Nach einer halben Stunde wieder. Im Periskop erkannte der Kommandeur der „Venturer“ einen dünnen über die Wasseroberfläche hinausragenden Mast: das ausgefahrene Sichtrohr von U-864.

    Aber der Abstand zum deutschen U-Boot war noch zu groß: Die Briten beschlossen, es mithilfe des Sonars weiter zu verfolgen. U-864 wechselte oftmals die Richtung, die „HMS Venturer“ folgte ihr über eine Stunde lang.

    Wolfram war unvorsichtig genug, in dieser Zeit nochmal das Periskop auszufahren. Überhaupt verhielt sich die deutsche Mannschaft laut der Zeitung so, als würde sie nicht mal ahnen, dass sich ein feindliches U-Boot in der Nähe befinden könnte.

    Das britische U-Boote „HMS Venturer“ (Archivbild)
    Das britische U-Boote „HMS Venturer“ (Archivbild)

    Bis Mittag war es der „Venturer“ gelungen, den Abstand zu U-864 auf zwei Kilometer zu verringern. Um 12 Uhr 12 feuerte das britische Boot anhand der Sonardaten vier Torpedos auf den Gegner ab. Nach einer heftigen Explosion meldete der Sonaroffizier, kein Geräusch mehr vom deutschen U-Boot zu vernehmen.

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    Durch das Periskop konnte der Kommandeur der „Venturer“ einen auf dem Wasser treibenden dicken Ölteppich erkennen: Offenbar waren die 400 Tonnen Treibstoff von U-864 ausgelaufen. Wolfram und seine Besatzung waren tot.

    Das Wrack liegt seitdem in 150 Metern Tiefe vor der Insel Fedje unweit von Bergen. Erst 2003 wurden die Reste von U 864 entdeckt. Darunter war laut der Zeitung eine Fracht, die die Fachleute staunen ließ: Baupläne der Düsenjäger Me-163 und Me-262 samt einer Lizenzvereinbarung für die Produktion der Flugzeuge in Japan, technische Zeichnungen für U-Boote und eine Radarstation der Firma Siemens, sowie … 1875 Fässer mit Quecksilber. Unter den Passagieren der U-864 waren einige deutsche und japanische Flugzeugkonstrukteure.

    Die Reichsführung hatte U-864 offenbar als einen Frachter in den Einsatz geschickt. Die Hoffnung war gewesen, auf diese Weise die Seeblockade der Alliierten unbemerkt zu durchbrechen, um eine strategisch wertvolle Fracht nach Japan zu bringen.

    Fachleute schätzen, dass sich rund 65 Tonnen Quecksilber in den Fässern an Bord des U-Bootwracks befinden. Sollte das giftige Schwermetall auslaufen, wäre die gesamte Fischerei vor der norwegischen und russischen Küste gefährdet. Davor warnen laut der Zeitung auch Umweltschutzverbände aus Moskau.

    Das Wrack zu bergen, ist indes praktisch unmöglich, weil der Rumpf von U-864 auseinandergebrochen ist.  Es wird nun erwogen, das Wrack und den umliegenden Meeresboden mit einem Sarkophag zu versiegeln.

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    Düsenflugzeug, Umweltbelastung, Düsentriebwerke, Geheimnis, Gift, Bombe, U-Boot, Zweiter Weltkrieg, Adolf Hitler, Drittes Reich, Nordsee, Norwegen, Atlantik, Japan, Großbritannien, Arktis, Deutschland