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20:38 22 Juli 2019
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    Bienen (Archivbild)

    „Rettet die Bienen!“ – Eine Million Unterschriften für den Naturschutz

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    Bolle Selke
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    Die Zahl der Insekten hat sich in den vergangenen Jahren stark verringert. Dieser Entwicklung will die Initiative „Rettet die Bienen“ in Bayern entgegenwirken und setzt sich für ein geändertes Naturschutzgesetz im Freistaat ein. Dafür muss sie als nächste Hürde eine Millionen Bürger für ihre Aktion gewinnen – innerhalb zwei Wochen.

    Spätestens seit der Studie des Entomologischen Vereins Krefeld aus dem Jahre 2017 ist bekannt, dass der Insektenbestand in Deutschland in den letzten 30 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen ist. Das hat drastische Folgen für Vögel und letztendlich auch für die gesamte Artenvielfalt. In Bayern will nun eine Bürgerinitiative die Bienen retten und so den Artenrückgang eindämmen.

    „Es geht um den Schutz der bayerischen Heimat“

    „Unserer Umwelt geht es nicht gut“, klagt der Biologe Norbert Schäffer von der Initiative „Rettet die Bienen“ im Sputnik-Interview. „Wir brauchen für eine stabile Umwelt Tier- und Pflanzenarten. Wir brauchen gesunde Ökosysteme und es ist auch ein Stück Lebensqualität verloren gegangen, das wir jetzt zurückholen wollen. Es geht uns um Ökosystemfunktionen, Bestäubungsleistung und so weiter, es geht aber auch um das Wohlfühlen, es geht um Lebensqualität und es geht letztendlich um den Schutz unserer bayerischen Heimat.“

    Dabei gehe es nicht nur um die Honigbiene, sondern um die biologische Vielfalt insgesamt, bis hin zu allen Tieren und Pflanzen. Da sehe es in Teilen nicht gut aus, meint Schäffer. Der Vorsitzende des Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern warnt:

    „Wir verlieren nach wie vor biologische Vielfalt, insbesondere in der Agrarlandschaft. Beispielsweise haben wir in den letzten 40 Jahren die Hälfte der Feldvögel, wie Feldlerchen, Rebhühner oder Kiebitze, verloren. Der Trend ist ungebrochen.“

    „Landwirte sind Opfer und nicht Täter“

    Völlig unbestritten sei, dass die intensive Landwirtschaft für diesen Rückgang hauptverantwortlich sei. Schäffer legt aber Wert auf die Feststellung, dass Landwirte oftmals Opfer und nicht  Täter seien. Die Rahmenbedingungen für die hiesige Landwirtschaft würden viele Landwirte zwingen, sehr intensiv zu bewirtschaften, „mit allen negativen Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt insgesamt, auf die Landschaft aber auch auf unser Trinkwasser.“

    Dr. Norbert Schäffer
    © Foto : Landesbund für Vogelschutz e.V
    Dr. Norbert Schäffer

    Deswegen betont der LBV-Vorsitzende: „Unser Volksbegehren richtet sich nicht gegen die Landwirtschaft. Wir wollen der Landwirtschaft ermöglichen, dass sie nachhaltig bewirtschaften und qualitativ hochwertige Lebensmittel herstellen, aber gleichzeitig eine attraktive Landschaft, Tiere und Pflanzen erhalten.“   

    Neues Naturschutzgesetz für Bayern

    Um das zu erreichen, schlägt das Volksbegehren ein geändertes Naturschutzgesetz vor. Die wichtigsten Forderungen sind für Schäffer eine Sicherung von ökologisch wertvollen Strukturen in der Landschaft und ein Biotopverbund. Außerdem eine Strukturanreicherung und eine naturverträglichere Bewirtschaftung von Grünland. Für den LBV ganz wichtig sei die Forderung, dass Gewässerrandstreifen nicht ackerbaulich genutzt werden dürfen, damit kein Substrat und keine Chemikalien in die Gewässer eingewaschen werden. Neben weiteren Forderungen will das Volksbegehren auch den Ökolandbau stärken und Streuobstwiesen schützen.

    Eine Million Unterschriften in zwei Wochen

    Die erste Hürde für ein Volksbegehren nahm die Initiative im vergangenen Herbst, als ihre Mitglieder bayernweit an die 100.000 Unterschriften sammelten – und damit etwa viermal so viele Unterstützer, wie benötigt werden, um landesweit zur Abstimmung gestellt zu werden.

    Jetzt geht es darum, dass eine Million Menschen – zehn Prozent der wahlberechtigen Bayerischen Bevölkerung – in die Rathäuser gehen. „Das ist ein gewaltiger Aufwand“, weiß auch Schäffer. „Und es geht nicht um Facebook-Likes, sondern darum, dass sie persönlich in die Rathäuser gehen.“

    ​Zentral seien hier die Aktionskreise, die es in jeder Stadt und vielen Gemeinden in ganz Bayern gebe. Der Rückenwind, den die Initiative aus allen Regionen Bayerns bekomme, lässt ihn zur Einschätzung kommen:

    „Ich denke, wir haben die Chance, zu gewinnen und diese historische Gelegenheit für Naturschutz und Artenschutz in Bayern wirklich zu nutzen. Trotzdem, eine Million Menschen sind sehr viel und ich kann alle nur aufrufen: Wenn Sie ein Interesse am Natur- und Artenschutz haben, tragen Sie sich in diese Listen ein und fordern Sie, dass es dann zu einem Volksentscheid kommt.“

    Die Möglichkeit dazu haben alle wahlberechtigten Bayern. Vom 31. Januar bis zum 13. Februar können sie sich in ihren Rathäusern mit Ausweisdokument vorstellen und eintragen.

    Das komplette Interview mit Dr. Norbert Schäffer zum Nachhören:

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    Tags:
    Aussterben, Naturschutz, Wissenschaftler, Insekten, Umweltschutz, Bienen, Bayern, Deutschland