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    Litfaßsäule ohne Werbung in Berlin (Archiv)

    Was für ein Irrsinn: Warum Berlin tausende Litfaßsäulen zerstört

    CC BY 2.0 / Till Krech / naked column and a tree
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    Marcel Joppa
    388201

    Es klingt wie ein Schildbürgerstreich: In Berlin werden 2500 Litfaßsäulen abgerissen, obwohl sie noch völlig intakt sind. Tausende kleine Baustellen sind deshalb in der Hauptstadt entstanden. Damit nicht genug: Wenig später sollen über 1500 Säulen neu entstehen. Hintergrund ist eine Entscheidung des Berliner Senats.

    Die Litfaßsäule ist eine Berliner Institution: Sie geht zurück auf Ernst Theodor Litfaß, der sich 1855 an die Berliner Behörden wandte, um diese von seiner neuen Idee einer runden Werbefläche zu überzeugen. Die Litfaßsäule war damals ein großer Erfolg, sie war Zeitung, Infozentrale und öffentlicher Treffpunkt. Nun werden in der Hauptstadt fast alle demontiert. Wie abgestorbene Baumstümpfe werden sie umständlich aus dem Boden gerissen.

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    Berliner Säulen aus dem Schwabenland?

    Der Hintergrund: Die Berliner Wall GmbH hatte die Plakatsäulen 2006 von einem Tochterunternehmen der Berliner Verkehrsbetriebe übernommen. Nun wurde die Außenwerbung der Stadt durch den Berliner Senat neu ausgeschrieben und die Wall GmbH zog den Kürzeren. Gewinner ist die ILG-Außenwerbung aus Stuttgart. Anstatt dass die Litfaßsäulen nun von dem neuen Unternehmen betrieben werden, hat der Senat entschieden, dass nahezu alle 2500 Säulen abgerissen und ersetzt werden sollen. Nur 50 Litfaßsäulen, die unter Denkmalschutz stehen, dürfen bleiben.

    Nachverhandlung nicht ausgeschlossen

    Die schwäbische ILG soll nun laut Senatsverwaltung bis Ende Juni diesen Jahres 2500 neue Litfaßsäulen errichten. Laut eigenen Aussagen ist die Stuttgarter Firma aber noch nicht vollends mit den Standorten der Säulen zufrieden, in Einzelfällen soll nachverhandelt werden. Die neuen Werbesäulen sollen breiter und teilweise beleuchtet werden. Für jede Säulen-Aufstellung kalkuliert ILG 2500 bis 3500 Euro, der Stromanschluss koste extra. Das A-1-Format für Werbeplakate kostet Veranstalter dann pro Tag und Säule einen Euro.

    Nicht von Dauer?

    Rund 15 Jahre lang wird ILG die Berliner Litfaß-Konzession innehaben. Die Säulen würden deutlich länger halten, vielleicht 60 oder 70 Jahre wie die alten. Ob sie so lange stehen bleiben, ist aber äußerst fragwürdig: Gibt es bei der nächsten Ausschreibung nach 15 Jahren wieder einen neuen Gewinner, müssten sich die Unternehmen arrangieren. Bei der großen Konkurrenz in der Branche ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Säulen dann wieder abgerissen und von einem neuen Betreiber aufgebaut werden.

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    Tags:
    Zerstörung, Werbung, Deutschland