17:04 26 September 2020
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    Als Blogger nimmt er kein Blatt vor den Mund, auf Twitter provoziert er gern. Nun ist bekannt geworden, dass Rainer Meyer alias „Don Alphonso“ in die Jury des Medienpreises des Deutschen Bundestages berufen wurde. Die Nominierung sorgt für Kritik seitens Politik und Medien.

    Noch hat sich der Staub um die Verleihung des Reporterpreises an Claas Relotius nicht gelegt, schon gibt es neue Aufregung um eine Preisverleihung. Diesmal geht es allerdings nicht um die Nominierten, sondern um ein Mitglied der Jury. Für den Medienpreis des Bundestages ist der umstrittene Blogger Rainer Meyer, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Don Alphonso“, als neues Jury-Mitglied berufen worden.

    Der Deutsche Bundestag vergibt seit 1993 jährlich den Medienpreis für „herausragende publizistische Arbeiten“. Gewürdigt werden Beiträge in Tages- oder Wochenzeitungen, regionalen oder überregionalen Medien, Printmedien, Online-Medien, Rundfunk oder Fernsehen, „die zur Beschäftigung mit Fragen des Parlamentarismus anregen und zu einem vertieften Verständnis parlamentarischer Abläufe, Arbeitsweisen und Themen beitragen“. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wird vom Präsidenten des Bundestages verliehen.

    Die Jury, die unter den Bewerbungen den diesjährigen Gewinner küren soll, ist hochkarätig besetzt: Anita Fünffinger (ARD-Hauptstadtstudio/Bayerischer Rundfunk), Daniel Goffart (Magazin Focus), Torsten Kleditzsch (Freie Presse Chemnitz), Prof. Dr. Claudia Nothelle (Hochschule Magdeburg-Stendal), Bettina Schausten (ZDF-Hauptstadtstudio), Marc Felix Serrao (Neue Zürcher Zeitung). Und dann eben „Don Alphonso“. Dahinter steht einfach: Die Welt. Doch die Geschichte um den bayerischen Blogger ist etwas komplizierter.

    FAZ-Rausschmiss 2018

    Ein knappes Jahr ist es her, da musste “Don Alphonso” bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er seit 2009 mit dem Blog „Stützen der Gesellschaft“ und seit 2010 mit „Deus ex Machina“ vertreten war, seinen Hut nehmen. Zur Begründung verkündete die Zeitung am 6. März 2018 auf Twitter, man wolle die Blogplattform als Experimentierfeld wiederbeleben, neue Blogs hinzufügen und sich von einigen trennen, darunter von den Blogs von Don Alphonso.

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    Was folgte war ein Online-Shitstorm gegen die FAZ, die mit der Trennung von dem Blogger „den letzten Rest bürgerlicher Fassade“ aufgegeben habe und zu einem Abbild der „taz“ geworden sei.  Dass der rechte Einschlag Don Alphonsos Blogs oder zumindest seiner Leserschaft anhaftete und mit der Entscheidung etwas zu tun hatte, lässt dieser Tweet von FAZ-Redakteur Andreas Krobok vermuten:

    ​Er sei  “schon lange zu kontrovers, zu unlinks und wahrscheinlich auch zu erfolgreich” gewesen, argumentierte hingegen die”Junge Freiheit” in einem Artikel am 7. April 2018.

    „So bitter der mutmaßliche Rausschmiss für Don Alphonso und seine Fans ist, ein Gutes hat die Entfernung des konservativen Feigenblattes der FAZ dann doch. Man erkennt die nackte Wahrheit und die blanke linksgrüne Ideologie, die sich mittlerweile eben ganz offensichtlich auch bei der FAZ ihren Raum gebannt hat“, so Autor Boris T. Kaiser.

    Provokation scheint bei dem Blogger seit langem einkalkuliert zu sein. Über seine Art des Bloggens sagte Don Alphonso gegenüber www.golem.de Anfang 2007:

    „Eine Form, die sich vom Journalismus dadurch abhebt, dass sie sehr eigenbetont ist und bei der man – offen gesagt – die Sau rauslassen kann. Man hat nicht mehr die Grenzen des journalistischen Schreibens, kann kreativ all das ausprobieren, was man als Redakteur jedem Praktikanten sofort rausstreichen würde. Denn der Journalist muss sich ja zurücknehmen, er berichtet, bleibt dabei aber in der Regel selbst unsichtbar.“

    Er möge Krawall, so der Blogger. In einem Interview mit dem Portal „Meedia“ kurz nach seiner Entlassung bei der FAZ antwortete er auf die Frage, ob er aus purer Lust an der Provokation schreibe:

    „Nein, es geht mir zuerst immer um die Geschichte. Und man kann heute keine Geschichte mehr erzählen, ohne dass sich jemand betroffen fühlt. Provokation geht ganz leicht, man muss nur sagen, dass Fett krank und nicht schön macht, und einen Transgeschichten nicht interessieren.“

    Von der heutigen Medienlandschaft, dem Mainstream, sei er gelangweilt. „Ich würde mehr flamboyante Thesen, schillernd und auch gerne mal lustvoll abwegig, und mit Leidenschaft vorgetragen, lesen.“

    Nach einem neuen Arbeitgeber musste der umstrittene Blogger nicht lange suchen. Nach eigenen Angaben erreichten ihn binnen Stunden zahlreiche Angebote. Don Alphonso entschied sich für die „Welt“, wo er seit dem 1. April 2018 seine beiden Blogs weiterführt.

    Kritik nach der Berufung in die Jury

    Nach der Bekanntgabe der Berufung von Rainer Meyer alias Don Alphonso in die Jury des Medienpreises hagelt es Kritik. So zitiert der Deutschlandfunk Grünen-Abgeordnete Claudia Roth mit den Worten:

    „Für mich hat die Meinungsfreiheit dann Grenzen, wenn sie zur Verhetzung führt, wenn Hass gepredigt wird, und wenn soziale Gruppen ausgegrenzt und verhetzt werden. Das passiert regelmäßig, wenn er Geflüchtete pauschal abwerten will, wenn er – Zitat – von der ‚Gaudi-Migration‘ spricht.“

    Und der Entertainer Jan Böhmermann bezeichnet den Blogger in einem Tweet als „durchgeknallten Salonrassisten“.

    ​Laut dem Bericht des Deutschlandfunks hätten sich auch ehemalige Jury-Mitglieder über Don Alphonso kritisch geäußert und gesagt “ mit der Entscheidung für ihn und damit für seine Sprache werde einer gesellschaftlichen Verrohung Vorschub geleistet“. Öffentlich dazu äußern wollten sie sich aber nicht.

    Und was sagt Don Alphonso selbst? In einem Tweet vom Dienstag meint er spöttisch, für die Aufregung sei es  schon zu spät:

    ​Was den Medienpreis des Deutschen Bundestages angeht, wirft der IT-Blogger Fefe in seinem Eintrag vom Mittwoch noch eine ganz andere Frage auf: Wofür werden die Journalisten denn eigentlich ausgezeichnet?

    „Jedenfalls vergibt auch der Bundestag einen Medienpreis. Ich hatte von dem noch nie was gehört, aber angeblich gehört der zu den ‚renommierten Auszeichnungen für Journalisten‘. Ich als Journalist würde mich ja schämen, von einem staatlichen Organ gefeiert zu werden. Wie sieht das denn aus? ‚Du warst immer schön artig und unkritisch‘, so sieht das aus!“

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