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11:58 22 Juli 2019
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    „Der nachhaltigste Artikel“: Neues Label will den Ruf von Pelz verbessern

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    Bolle Selke
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    Die EU verpflichtet ihre Mitgliedsländer, invasive Tierarten zu jagen. Dazu gehören auch Marderhund und Waschbär. Bisher wurden die meisten Pelze der abgeschossenen Tiere entsorgt. Das Label „We Prefur“ will dies ändern und verspricht Felle aus europäischer Jagd, von Tieren die ohnehin auf dem Abschussplan stehen.

    In Deutschland fällt durch die Jagd jährlich eine große Menge an Fellen an, welche bisher nicht verwendet, sondern entsorgt werden. Die meisten Felle werden entweder im Revier vergraben oder landen mit dem Tierkadaver in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt. Die Tiere müssen aber aus umweltschutztechnischen Gründen geschossen werden.

    Invasive Tierarten müssen geschossen werden

    Rotwild ist beispielsweise problematisch beim Aufwuchs von Wäldern. Um hier Abhilfe zu schaffen, ist der von den Behörden erstellte Abschussplan von den Jägern zu erfüllen. Die meisten Wildtierarten sowie Seehunde dürfen in Deutschland nur auf Grund und im Rahmen eines solchen Abschussplanes erlegt werden.  Dies wird von den zuständigen Jagdbehörden kontrolliert. Hinzu kommt, dass im Jahre 2017 die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 in Deutschland in Kraft getreten ist, welche den Umgang mit invasiven Tier- und Pflanzenarten regelt.

    Das deutsche Gesetz sieht vor, dass invasive Tierarten zum Wohle der Artenvielfalt in den deutschen Wäldern zu dezimieren sind. Zu diesen invasiven Arten gehört unter anderem der Marderhund, der sich in ostdeutschen Bundesländern ausgebreitet hat, der Waschbär, welcher sich enorm deutschlandweit ausbreitet, die Nutria, auch Biberratte, die Dämme unterwühlt und der Bisam, auch Bisamratte genannt.

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    Garantiert Felle aus europäischer Jagd

    Dies will nun das junge Label „We Prefur“ (to prefer ist englisch für etwas mögen, fur ist englisch für Pelz oder Fell) ändern. Der „We Prefur“-Beauftragte des Zentralverbandes des deutschen Kürschnerhandwerks, Reinhard Bösch, erklärt im Sputnik-Interview:

    „‚We Prefur‘ bedeutet, dass die Felle von den Pelzen aus deutscher oder europäischer Jagd sind. Es sind Felle von Tieren, die in der Jagd erlegt werden, egal ob sie danach verwendet werden oder nicht, nur um in den Wäldern eine artenreiche Vielfalt zu bewahren. Da liegt es ja nahe, die Felle zu verwenden.“

    Der Kürschner Bösch berichtet wie er in seinem Job vielfach mit irgendwelchen Quälereien konfrontiert würde, die zum Beispiel an Tieren in China begangen würden. Die Felle von diesen Tieren würden aber von Kürschnern nicht verarbeitet, sondern würden auf Kapuzen von großen Modemarken und Handelsketten landen. Bösch betont:

    „Wir bürgen mit dem Label ‚We Prefur‘ dafür, dass das  Fell erstens aus der Jagd ist, und dass es zweitens von einem lizensierten deutschen Kürschnervertrieb verarbeitet wurde, der nicht mogelt.“

    Die Betriebe würden sich allesamt empfindlichen Vertragsstrafen unterwerfen, für den Fall, dass sie nicht korrekt handeln würden.

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    Eine junge Idee mit Zukunft

    Der schlechte Ruf von Pelz sei auf eine Stigmatisierung dieser natürlichen Ressource durch verschiedene Tierschutzvereinigungen zurückzuführen. Das sei deren Geschäftsmodell, meint Bösch. Er habe aber gemerkt, dass diese Leute auf das Label „We Prefur“ keine Antwort haben. Denn:

    „Pelz ist ja der nachhaltigste Artikel, den man sich vorstellen kann. Er ist biologisch und hält jahrelang, im Gegensatz zu Plastik.“

    Die Liste der Kürschner welche bei „We Prefur“ mitmachen, findet man im Internet. Sie wächst weiter, denn die Idee für das Label ist noch jung. Die Firma „Rolf Schulte“ aus Frankfurt ist gerade mit einer ersten Kollektion an die Öffentlichkeit getreten. Der Handwerksverband der Kürschner muss ohne finanzielle Mittel für eine große Kampagne, um das Label bekannt zu machen, auskommen, berichtet Bösch. Man vertraue aber auf die Sinnhaftigkeit der Idee, denn:

    „Wenn ich als Kürschner so einen Kunstpelz anfasse, dann habe ich immer das Gefühl, ich fasse ins Feuchte-Schmuddelige. Das liegt daran, dass dieser Kunststoff die natürliche Feuchtigkeit der Haut zurückwirft. Das machen Pelz und Fell nicht. Wenn jemand so etwas Mal anfassen will, dann soll er mal einen Kürschner besuchen. Man merkt den Unterschied sofort.“

    Das komplette Interview mit Reinhard Bösch zum Nachhören:

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    Tags:
    Fell, Jagd, Abschuss, Kleidung, Pelz, Tiere, EU, Deutschland