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11:27 24 Juli 2019
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    Dackel (Archivbild)

    1000 Euro oder dein Hund ist weg – Berlinerin wird mit ihrem Dackel erpresst

    © Sputnik / Alexej Danitschew
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    Ilona Pfeffer
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    Wenn das geliebte Haustier verloren geht, ist es für seine Besitzer eine Tragödie. Doch als wäre das nicht schon schlimm genug, nutzen Betrüger das Leid der Halter aus, um Geld zu erpressen. So auch im Fall der in Berlin entlaufenen Dackeldame Schnipsel.

    Seit zwei Monaten vermisst die Berlinerin Gabriele Schwebig (70) ihren Rauhaardackel Schnipsel. Bei einem Spaziergang am Havelufer ist die Hündin nur einen Augenblick ins Schilf gelaufen, um Wasser zu trinken – und dann war sie verschwunden.  Seither versucht die Tochter der älteren Dame, Maxi Schwebig, das Tier zu finden. Suchhunde, Zeitungsanzeigen, Suchzettel und ein Finderlohn von 500 Euro – die Familie Schwebig lässt nichts unversucht, um Schnipsel wiederzufinden.

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    Zwei Monate der Ungewissheit sind an Gabriele Schwebig nicht spurlos vorbeigegangen. „Sie hat schon zehn Kilo abgenommen, kann kaum noch essen und schlafen. Schnipsel war für sie wie ein zweites Kind”, erzählte ihre Tochter der DPA. Doch statt Mitgefühl mit der älteren Dame zu haben, wittern manche Menschen offenbar ein einträgliches Geschäft: Bereits vier Mal ist die Familie von Betrügern aufgefordert worden, Geld zu zahlen, um Schnipsel zurückzubekommen. In einem Schreiben wurden 1000 Euro gefordert mit den Worten: „Wenn Du dich an die Bedingungen nicht hältst, ist dein Hund bald weg“. Ein anderer Erpresser gab laut DPA an, mit dem Hund bereits in Österreich zu sein und den Transport nach Berlin nur nach Überweisung einer größeren Summe machen zu können.

    Die Masche der Betrüger ist auch beim Verein Tasso, bei dem Tierhalter ihre Tiere für den Verlustfall registrieren können, bekannt. Vereinssprecherin Laura Simon erklärt:

    „Die Betrüger durchsuchen im Internet systematisch Suchmeldungen zu vermissten Tieren, in denen private Kontaktdaten, insbesondere Telefonnummern der Halter angegeben sind. Unter gefälschten Telefonnummern rufen sie bei den Betroffenen an und geben vor, unter anderem im Auftrag von Tierkliniken, Tierheimen oder Rechtsanwälten anzurufen, zu denen das Tier gebracht worden sei. Der Halter könne es dort gegen eine Gebühr abholen.”

    Schwebigs sind nicht auf die Erpressungsversuche eingegangen. Sie gehen aber davon aus, dass der sieben Jahre alte Dackel gestohlen wurde. „Wir haben Anzeige bei der Polizei erstattet, doch dort hat man uns keine Hoffnung gemacht“, so die Tochter der Hundebesitzerin. Tierdiebstähle würden laut Polizei immer wieder vorkommen, konkrete Zahlen dazu gebe es jedoch nicht. „Man hört hin und wieder von Hunden, die verschwinden, während sie vor Supermärkten angebunden sind. Manche werden tatsächlich auch aus den Wohnungen oder Gärten entwendet“, zitiert die DPA Tasso Griep vom Deutschen Tierschutzbund. Auch dass Hunde und Katzen entlaufen, ist keine Seltenheit. 2018 wurden allein 107.000 entlaufene Tiere beim Verein Tasso registriert.

    Polizei in Deutschland (Archiv)
    © AFP 2019 / Sebastian Willnow / dpa

    Für Familie Schwebig geht die Suche nach Dackeldame Schnipsel weiter. Auf der eigens eingerichteten Facebook-Seite „Schnipsel Vermisst“ schreiben Schwebigs am 6. Februar:

    „Liebe Schnipsel- Freunde, vor etwa 4 Wochen gab es eine Sichtung. Die Joggerin, die Schnipsel gesehen haben will, war vollkommen glaubwürdig. Sie sah einen verängstigten, abgemagerten Rauhaardackel, der sofort floh, als sie ihn genauer ansehen wollte“. Auch ein Jäger will von seinem Hochsitz aus Gebell gehört haben, wahrscheinlich von Schnipsel, vermutet die Familie.  „Wir bleiben dran, wir hoffen und beten, dass Schnipsel lebt, es ihr gut geht und dass wir sie finden.“

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    Tags:
    Dackel, Erpressung, Vorfall, Geiselnahme, Hund, Kriminalität, Berlin, Deutschland