22:51 20 April 2019
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    Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt in dem Bundestag (Archiv)

    Göring-Eckardt hält Nord Stream 2 für „Provokation“ und schimpft gegen Altmaier

    © AFP 2019 / Odd ANDERSEN
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    Die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt hat in einem Interview für „Die Welt“ das Pipelineprojekt Nord Stream 2 scharf angegriffen und gefordert, „erdgasunabhängig von Russland“ zu werden. LNG-Terminals für US-Gas will sie aber auch nicht.

    Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, hat sich in einem Interview für „Die Welt“ extrem scharf gegen die Ostseepipeline Nord Stream 2 gestellt und das Projekt als „von Anfang an falsch“ bezeichnet.

    Deutschland werde so jahrzehntelang zur Abnahme russischen Gases gezwungen. Stattdessen müsse man „bis 2030 gänzlich erdgasunabhängig von Russland“ werden. Möglich soll das sein, „wenn wir nur jedes Jahr drei Prozent unserer Gebäude energetisch sanieren und die Energiewende konsequent umsetzen“.

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    Dies sei auch notwendig, um „unsere Verbündeten in Osteuropa, in Polen, in den baltischen Staaten“ nicht zu „vergrätzen“.

    In diesem Zusammenhang sei das Projekt „eine Provokation für unsere europäischen Partner“, behauptet die Grünenpolitikerin.

    „Auf ihre Frage zum Verhältnis zu Russland und den USA sage ich als Transatlantikerin: Wir können unmöglich unsere Verbündeten in Osteuropa, in Polen, in den baltischen Staaten vergrätzen. Die haben riesige Sorge”, sagte Göring-Eckardt.

    LNG-Terminals für Flüssiggas wolle man aber auch nicht.

    „Es gibt keine Notwendigkeit, russisches Gas durch amerikanisches Fracking-Gas zu ersetzen. Wir brauchen es nicht”, so die Politikerin.

    Scharf kritisierte sie in diesem Zusammenhang Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der vergangene Woche angekündigt hatte, LNG-Terminals für Flüssiggas aus den USA zu planen.

    „Wir steigen aus der Kohle aus und subventionieren den Import einer fossilen Energie, deren CO2-Bilanz nicht besser ist als die von Kohle? Das ist doch absurd“, meinte sie.

    „Altmaier gehörte mal zu den fortschrittlichsten Konservativen, die wir hatten, aber im Moment ist er dabei, ein Retropolitiker zu werden, und steckt Steuersubventionen in die Vergangenheit”, kritisierte sie den Minister extrem scharf.

    Stattdessen solle Europa „bis 2050 sogar zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt sein“, so die Grüne. Gas als solches werde nur als Übergangstechnologie benötigt.

    Der Weg zu dieser Unabhängigkeit sei massiver Ausbau von erneuerbaren Energiequellen. Zudem äußerte die Grünenpolitikerin klar ihre Unterstützung für Elektroautos.

    Zudem gehe es um „um Intelligenz und Digitalisierung in der Energieversorgung”.

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    Die Bundesregierung hatte in der Vergangenheit dagegen wiederholt erklärt, dass sie am internationalen Projekt Nord Stream 2 festhalten wird, da es die Energiesicherheit Europas dauerhaft erhöhen würde.

    Besonders wichtig für Deutschland ist das Pipeline-Projekt, weil von der Bundesregierung der Ausstieg aus Atom- und Kohlekraftwerken bis spätestens 2038 beschlossen wurde und der Gasverbrauch laut Experten eher steigen wird.

    Auch der Kreml hat wiederholt betont, dass die Pipeline keine politische Komponente in sich trägt, sondern ein rein wirtschaftliches beidseitig vorteilhaftes Projekt sei, das die Energiesicherheit Europas erheblich erhöhen würde.

    Die USA kritisierten die Pipeline dagegen mehrfach heftig und forderten von Berlin sowie von der EU, das Projekt abzubrechen.

    Stattdessen solle Europa mehr amerikanisches Flüssigerdgas über sogenannte LNG-Terminals importieren.

    Nord Stream 2 ist das Projekt für eine weitere Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, die auf dem Grund der Ostsee verlegt wird. Ihre Gesamtkapazität soll etwa 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erreichen. Der Betriebsstart ist für Ende 2019 geplant. Am 18. Februar hatte der russische Energieminister Alexander Nowak erklärt, etwa 700 Kilometer der Pipeline verlegt zu haben.

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    Tags:
    LNG-Terminal, Gas, Pipeline, Nord Stream 2, Peter Altmaier, Katrin Göring-Eckardt, Osteuropa, Deutschland, USA, Russland