16:38 19 März 2019
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    Rohrproduktion für Gaspipeline Nord Stream 2 (Archivbild)

    Gegner von Nord Stream 2 so verzweifelt, dass sie Verschwörungstheorien brauchen?

    © Sputnik / Sergey Guneew
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    Andreas Peter
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    In Berlin wurde ein Buch des dänischen Autors Jens Høvsgaard vorgestellt, das angeblich belegen soll, „Wie Deutschland mit Nord Stream Europas Zukunft riskiert“. Leider riskieren Autor und Verlag mit diesem Buch ihre Reputation. Denn das Buch mit dem etwas reißerischen Titel „Gier, Gas und Geld“ ist leider mehr Verschwörungstheorie als Sachbuch.

    Der Pressetermin zum Buch war interessanter als das Buch selbst. Wer das Buchcover gesehen, die finsteren Titel und Untertitel registriert und den Klappentext gelesen hat, der mit antirussischer Hetze primitivster Art glänzt, und wer schließlich auch die Presseinformation des Verlages studiert hat, weiß, wohin die Reise auf den 327 Seiten geht, wenn man sich auf das Buch „Gier, Gas und Geld – Wie Deutschland mit Nord Stream Europas Zukunft riskiert“ einlässt. In der Presseinformation wird in 22 Zeilen der Name Putin sechsmal erwähnt, lediglich zweimal mit dessen Vornamen und kein einziges Mal mit dem Hinweis, welche Funktion innerhalb des russischen Staates dieser „Putin“ bekleidet. Aber das nur am Rande.

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    Auf dem Buchumschlag sind von links nach rechts der ehemalige schwedische Ministerpräsident Carl Bildt, der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der russische Präsident Wladimir Putin und der deutsche Manager Matthias Warnig abgebildet. Es ist nicht ganz klar, warum Carl Bildt mit auf dem Titelbildarrangement ist, ob der Verlag eigentlich den für die Handlung des Buches sehr viel wichtigeren ehemaligen finnischen Regierungschef Paavo Lipponen oder den früheren schwedischen Premier Göran Persson abbilden wollte, beide aber mit Bildt verwechselt hat. Letztlich ist das egal, denn entscheidend ist, dass die vier Köpfe in einem Stil angeordnet worden sind, in dem früher die Genossen Marx, Engels, Lenin und Stalin dem Volk präsentiert wurden.

    „Bild“ berichtete vorab intensiv über das Buch, aber Propaganda ist das natürlich nicht

    Das ist natürlich kein Zufall. Nichts in und an diesem Buch und im Umfeld seiner Veröffentlichung ist Zufall, sondern wohl komponierte Gehässigkeit bzw. wohlkalkulierte Propaganda gegen Russland und seinen Präsidenten. Denn natürlich ist es kein Zufall, dass noch vor der Präsentation in Berlin, die für ihren Qualitätsjournalismus und ihre ausgewogene Russlandberichterstattung berühmte Bild-Zeitung am 13. Februar 2019 ein Interview mit Jens Høvsgaard unter dem markigen Titel „Die geheimen Machenschaften hinter der Putin-Pipeline“ veröffentlichte. Autor Peter Tiede zeichnete auch für einen bereits am 8. Februar veröffentlichten Artikel mit nicht weniger sensationsgeiler Überschrift „Putins Pipeline-Paten“ verantwortlich, der einem tags zuvor vom Autorenduo „röp/pet“ unterzeichneten Artikel  „Polit-Krimi um Putins Ostsee-Pipeline“ folgte, der ebenfalls die Werbetrommel für Høvsgaards Buch schlug.

    Offenbar aber nicht laut genug. Denn irgendwie will sich bislang kein Sturm der Entrüstung durch die hiesigen Medien ausbreiten. Wie gut, dass Peter Tiede seine Tagesspiegel-Kollegin Claudia von Salzen aus seiner Zeit als Redakteur bei dieser wichtigen hauptstädtischen Zeitung kennt, die denn auch einen Artikel veröffentlicht, der dem Buch „gerade in Deutschland viele Leser wünscht“. Doch obwohl sich Peter Tiede in der Pressekonferenz alle Mühe gab, aus Jens Høvsgaard herauszukitzeln, „habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie unser Staatsoberhaupt mit zu dem Netzwerk um Gerhard Schröder und Herrn Putin und Nord Stream 2 zählen“, und Høvsgaard dies bejahte, verzichtete Claudia von Salzen, diese schlagzeilenträchtige Beschuldigung gegen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in ihrem Artikel zu wiederholen.

    Nachdem alle „Argumente“ wirkungslos verpufften, muss nun eine Verschwörungstheorie ran

    Aber das kann ja noch kommen, obwohl im Moment noch eine bemerkenswerte Zurückhaltung der Medien außerhalb des Dunstkreises des Springer-Konzerns zu beobachten ist. Das eilige Vorziehen der eigentlich im März geplanten Buchveröffentlichung – wie der Verlag mitteilen ließ, wegen „der aktuellen Diskussion um die Gas-Pipeline Nord Stream2“ – zeigt jedenfalls, dass die gut vernetzte Fraktion der Gegner dieses Projektes sich noch nicht geschlagen gegeben hat. Nachdem Erpressungen und Drohungen, nachdem diplomatische Sabotageversuche und andere Ränkespiele, nachdem massive multimediale Propaganda, auch mit Hilfe diverser bundesdeutscher Politiker nicht zum Ziel geführt haben, muss nun eben eine Verschwörungstheorie als Hauptargument herhalten. Bislang war sie eher schmückendes Beiwerk, weil zunächst versucht wurde, Umweltaspekte, einen bedrohten Vogel, ökonomische Kollateralschäden für osteuropäische Länder, diverse Unwirtschaftlichkeitsrechnungen und sogar den Schutz von Schiffswracks entlang der Trasse der Pipeline in der Ostsee in Stellung zu bringen, um das Projekt zu stoppen.

    Nun, nachdem auch der spektakuläre Sabotageakt des französischen Staatspräsidenten nicht zum ersehnten Ziel führte, wird voll aufgedreht und ein Buch in Deutsch veröffentlicht, das mit seinen angeblich sensationellen Enthüllungen schon vor zwei Jahren in Dänemark auf den Markt kam, aber seither irgendwie dennoch nicht die erhoffte Wirkung erzielte. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der deutsche Verleger von Jens Høvsgaard, Europa-Verlagschef Christian Strasser, behauptet:

    „Es ist eine schier unglaubliche Geschichte über einen hochintelligenten, strategischen Plan, der diese Pipeline benutzt, Europa in den Griff zu kriegen, und alles, was daran hinderlich ist, wird aufgekauft, aus dem Weg geräumt, durch Methoden des KGB und der Stasi.“

    Jens Høvsgaard gibt zu, vieles nicht beweisen zu können

    Aber der Autor Jens Høvsgaard muss mehrfach einräumen, dass er im Buch aufgestellte Behauptungen über einen solchen „strategischen Plan“ nicht beweisen könne. Es gäbe aus seiner Sicht Hinweise darauf, vieles spräche dafür, er sei sich sicher, es müsse so gewesen sein und wie dann in solchen Momenten mangelnder Beweise die relativierenden Formulierungen so lauten. Das, was Jens Høvsgaard im Buch belegt, ist klassischer Lobbyismus des russischen Energieriesen Gazprom. Auch überseeische Flüssiggas-Anbieter nutzen knallharten Lobbyismus, um ihre Absatzinteressen durchzusetzen und die von Konkurrenten zu minimieren oder gar zu ruinieren. Das mag man toll finden oder nicht, aber das ist vor allem anderen noch kein Beweis für ein angebliches, von langer Hand geplantes Komplott Russlands. Also lässt Jens Høvsgaard notgedrungen den KGB und das MfS mit ihren Skeletten klappern.

    Tatsache ist, dass Wladimir Putin mal hauptamtlicher Mitarbeiter des KGB gewesen ist und der Manager Matthias Warnig hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS. Aber obwohl Putin in Dresden und Warnig in Düsseldorf und Ost-Berlin aktiv waren und Jens Høvsgaard es nicht belegen kann, hält er es trotzdem für erwiesen, dass sich Putin und Warnig möglicherweise schon in der DDR gekannt und später angefreundet haben könnten. Finnlands Ex-Regierungschef Paavo Lipponen wird von Jens Høvsgaard mit zu den wichtigsten Lobbyisten von Nord Stream 2 gezählt. Lipponen sieht sich in Finnland bislang ebenfalls unbewiesenen Verdächtigungen ausgesetzt, angeblich für die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des MfS der DDR gearbeitet zu haben. Jens Høvsgaard kann auch nichts zur Beweislage beitragen, aber für ihn gilt alles dennoch nicht nur als Faktum, für ihn ist das von ihm konstruierte Dreigestirn aus Wladimir Putin, Matthias Warnig und Paavo Lipponen die Basis seiner Verschwörungstheorie.

    Was nicht passt, wird von Jens Høvsgaard passend gemacht

    Doch dabei belässt er es nicht. Wer bislang angenommen hat, der mysteriöse Fall Skripal würde nicht auch taugen, um gegen Nord Stream 2 und generell gegen Russland zu hetzen, sieht sich im Kapitel 1 von Jens Høvsgaards Buch eines Besseren belehrt. Immerhin aber kann man so gleich am Anfang nachvollziehen, wie selektiv er Fakten aussucht, umgruppiert, ausschmückt und dann Bewertungen vornimmt, damit am Schluss die schöne Verschwörungstheorie nicht gefährdet ist. Nur deshalb begeben wir uns hier mit Jens Høvsgaard überhaupt auf diesen absurden, von Nord Stream 2 wegführenden Weg.

    Was hat der Fall Skripal mit Nord Stream zu tun?

    Eigentlich hätte Jens Høvsgaard es kurz machen und schreiben können, dass Polen im Zuge der westlichen Sanktionen gegen Russland wegen der „Affäre Skripal“ vier russische Diplomaten ausgewiesen habe. Die Regierung in Warschau konnte nicht bestätigen, ob sich darunter auch ein Diplomat befand, der Kontakt zu einem Marek W. gehabt haben soll. Dieser Mitarbeiter des Polnischen Wirtschaftsministeriums war wenige Tage zuvor wegen Spionageverdacht für Russland verhaftet worden. Er sei, so schreibt Jens Høvsgaard, zuständig gewesen für die Pläne der polnischen Energieversorgung und für Projekte, die Abhängigkeit Polens von russischen Gaslieferungen zu verringern.

    Viktorija Skripal (Archiv)
    © Sputnik / Wladimir Pesnja

    Daraus konstruiert Jens Høvsgaard natürlich umgehend eine Verbindung zu Nord Stream 2, die er nicht belegen kann. Vor allem aber schreibt er seltsamerweise, ohne jeden Bezug zu den Nord Stream-Projekten, seitenlang über den Fall Skripal in einer Tonalität, als würde er nun auch gleich noch diesen bis heute ungeklärten Fall auflösen können. Stattdessen scheint es für ihn „nur“ eine willkommene Gelegenheit, abseits von Nord Stream 2 die Generalthese vom bösen Russen, der überall schlimme Dinge tue, auszubreiten, vielleicht musste er aber auch die dünne Story etwas aufbauschen.

    Jens Høvsgaard beherrscht die Kunst der Faktenselektion

    Wie auch immer, Høvsgaard zitiert beispielsweise die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa wörtlich, die am 17. März 2018 erklärte: „Zu keinem Zeitpunkt, weder in der Sowjetunion noch in der Russischen Föderation, wurde ein Nervengift mit dem Namen Nowitschok hergestellt – weder als offizielle Bezeichnung noch als heimlicher Deckname.“ Sodann schreibt Høvsgaard, dass die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti „ein paar Tage“ später Sacharowa widersprochen habe. Und zwar durch einen Artikel, in dem Leonid Rink zu Wort kommt.

    Rink war leitender Mitarbeiter eines Forschungsprogramms, aus dem jenes Gift stammt, das als Nowitschok bekannt wurde und von dem die britische Regierung bis heute ohne Belege behauptet, es stamme aus Russland. In einem Artikel für RIA Novosti vom 20. März 2018 gab Leonid Rink über sein Wissen Auskunft. Høvsgaard erklärt in seinem Buch, Rink hätte in dem Artikel behauptet: „Nowitschok bezeichne nicht nur ein einzelnes Nervengift, sondern ein ganzes Programm, bei dem die einzelnen Typen nummeriert werden. Die Art, die in Salisbury angeblich gegen die Skripal-Familie eingesetzt wurde, sei zum Beispiel Nowitschok-5.“

    Høvsgaard behauptet weiter, der RIA-Novosti-Artikel im russischen Original sei nachträglich geändert worden, „und zwar so stark, dass die Geschichte einen ganz anderen Blickwinkel bekommt. So stand zum Beispiel in der ersten Ausgabe: 'Das chemische Waffenprogramm, das in der Sowjetunion entwickelt wurde, heißt Nowitschok 5'. In der neuen Version ist diese Aussage folgendermaßen verändert worden: 'Die Sowjetunion und Russland hatten kein Programm zur Entwicklung chemischer Waffen mit der Bezeichnung Nowitschok.“

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    Tatsächlich könnte der RIA-Novosti-Artikel an dieser Stelle redigiert worden sein, denn Sputniknews Deutschland berichtet in einem Artikel vom 20. März 2018, der sich auf den Artikel von RIA-Novosti vom gleichen Tag bezieht: „Das Nervengift sei übrigens keine Substanz, sondern ein ganzes Einsatzsystem, fügt der Professor hinzu. Jedenfalls seien letztlich sehr gute Ergebnisse erzielt worden. 'Das in der UdSSR in Dienst gestellte System hieß ‚Nowitschok-5‘. Ohne Zahlen wurde die Bezeichnung nicht angewandt. '“

    Was daran ein „ganz anderer Blickwinkel“ sein soll, wie Høvsgaard behauptet, muss er selbst klarstellen. Zumal Rink die Kernaussage Sacharowas im Weiteren ausdrücklich bestätigt, wonach es kein „Nowitschowk-Programm“ in der UdSSR gegeben habe. Vor allem aber, weil Høvsgaard zuvor behauptet hat, Rink hätte davon gesprochen, wir erinnern uns: „die Art, die in Salisbury angeblich gegen die Skripal-Familie eingesetzt wurde, sei zum Beispiel Nowitschok-5“. Diese Behauptung von Høvsgaard wäre tatsächlich ein ganz anderer Blickwinkel, hätte Rink sie so gesagt. Hat er aber nicht. Würde es doch die britische Behauptung bestätigen, wonach ein russisches Gift in Salisbury zum Einsatz kam. Genau das aber bestreitet die russische Regierung und fordert Zugang zu den in Salisbury sichergestellten Proben der toxischen Substanz, denn nur so lasse sich schlüssig beweisen, ob diese Substanz in Russland hergestellt wurde oder nicht.

    Und exakt das hat Leonid Rink auch in dem RIA-Novosti-Artikel gesagt, was sich auch in dem bereits erwähnten deutschsprachigen Sputniknews-Artikel wiederfindet. Genau diese Passage aber zitiert Jens Høvsgaard natürlich aus gutem Grund nicht. Rink sagte nämlich:

    „Warum die Briten keine Probe an Moskau herausgeben? Weil, egal, wie hart die Experten es auch versuchen, die Technologie variiert immer ein wenig. Das ist eine Art Handschrift. Augenblicklich würde herauskommen, dass es keine russische Technologie ist. (…) Deshalb, eine Probe aus Salisbury ist ein forensischer Fingerabdruck. Wir könnten sofort sagen, dass dies nicht in Russland 'gekocht' wurde.“

    Hauptsache gegen Putin

    Noch einmal, was dieser langatmige Ausflug von Jens Høvsgaard weg vom Thema Nord Stream ganz grundsätzlich für einen Sinn erfüllen sollte, außer dem einen, nämlich die Verschwörungstheorie von einem russischen Geheimdienstplan zu illustrieren und ganz allgemein gegen Russland und Wladimir Putin zu hetzen, kann nur Jens Høvsgaard erklären.

    Dieser sehr subtilen Methode der selektiven Faktenwahrnehmung und —darstellung begegnet man durchgehend in diesem Buch. Im Kapitel 2 schildert Jens Høvsgaard beispielsweise detailliert die bekannten Lebensstationen von Wladimir Putin und des schon erwähnten Matthias Wargin. Aus seiner Interpretation von Stasi-Akten und der Tatsache, dass beide bei einer Zeremonie im MfS 1988 anwesend waren, konstruiert Høvsgaard dann aber „dass sich die Wege der beiden Männer in der Zeit Putins in Dresden mehrmals gekreuzt haben müssen“. Etwas ironisch formuliert und Høvsgaards Logik anwendend, haben sie zu jenem Zeitpunkt wahrscheinlich auch schon das Nord Stream 2-Projekt ausgeheckt.

    In diesem Stil des fröhlichen Interpretierens von Fakten, die eigentlich nicht zusammenpassen, sondern von Jens Høvsgaard passend gemacht werden, kann man sich durch das Buch lesen, wenn man will und wenn man die zum Schluss hin immer offen feindseligere Propagandasprache aushält. Denn natürlich wird am Ende alles miteinander vermengt, was Russland in den zurückliegenden Jahren so unterstellt wurde und wird, egal, ob es mit den beiden Nord Stream Leitungen zu tun hat oder nicht, von der Wahrheit ganz zu schweigen.

    Da wird von Høvsgaard mal wieder behauptet, Russland habe sich in ausländische Wahlen eingemischt, obwohl dies bislang nur von der US-amerikanisch-britischen Firma Cambridge Analytica nachgewiesen ist. Es wird wieder und wieder, ohne jeden Beleg, vom geheimen Milliardenvermögen Wladimir Putins salbadert, der sich zusammen mit anderen Oligarchen an der Pipeline bereichere (natürlich sind die schlechten Oligarchen wie etwa die Rotenberg-Brüder gemeint, nicht die „guten“, „edlen“ Oligarchen wie etwa Petro Poroschenko oder Michail Chodorkowski). Warum auch immer, als Beweis für was auch immer wird der Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch herangezogen, von dem immer noch nicht geklärt ist, warum beispielsweise die ukrainischen Schiffe soweit von der internationalen Fahrtroute abgekommen sind, warum bewaffnete ukrainische Geheimdienstmitarbeiter auf zivilen Schiffen sein mussten usw. usf.

    Verlogenes Dauerargument Nord Stream 2 als Waffe Russlands

    Und natürlich zieht Jens Høvsgaard das verlogene Dauerargument heran, Russland würde Nord Stream 2 nutzen, um Westeuropa abhängig zu machen und zu erpressen, indem es im Krisenfall den Gashahn zudrehe, also das Gas als Waffe benutze. Dass weder die Sowjetunion in den schlimmsten Zeiten des Kalten Krieges noch Russland jemals Westeuropa den Gashahn zudrehten, sondern dass stattdessen vor wenigen Tagen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vollkommen ungerührt erklärte, zukünftig wollen Deutschland und Westeuropa im Konfliktfall den Gashahn zudrehen, was kümmert diese unverfrorene Doppelmoral Jens Høvsgaard?

    Bleibt die Frage, warum dieses Buch, in dieser Form, jetzt, zu diesem Thema in Deutschland, zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung in Dänemark? Jens Høvsgaard erklärt es ganz am Schluss der Pressekonferenz in Berlin sehr offenherzig: „Nur Deutschland kann noch sagen, wir machen nicht weiter.“ Und sein Verleger, Christian Strasser, ergänzt mit dem bemerkenswerten Satz: „ Und das hängt ein bisschen davon ab, was sie alle hier über dieses Buch denken und in ihren Medien daraus machen, erlaube ich mir zu bemerken.“

    Der Autor dieses Artikels erlaubt sich zu bemerken, dass es uns Leid tut, wenn wir vielleicht nicht das aus diesem Buch „gemacht“ haben, was Autor und Verlag und vielleicht noch andere damit verbundene Zeitgenossen erwartet haben.

    Das Buch „Gier, Gas und Geld – Wie Deutschland mit Nord Stream Europas Zukunft riskiert“ von Jens Høvsgaard ist im Europa Verlag erschienen und kostet 22 Euro in Deutschland und 22,70 Euro in Österreich. ISBN 978-3-95890-263-3

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    Baustopp, Gegner, Verschwörungstheorie, Medienattacke, Lügenpresse, Gaspipeline, Nord Stream 2, MfS, Stasi, Tagesspiegel, Nord Stream AG, Bild-Zeitung, KGB, Außenministerium Russlands, Gazprom, Sergej Skripal, Julian Röpcke, Maria Sacharowa, Wladimir Putin, Dänemark, Ostsee, Deutschland, Russland