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14:56 12 November 2019
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    Politischer Irrsinn: Regierungsflieger heben ohne Passagiere ab

    © AFP 2019 / Jörg Carstensen / dpa
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    Im Jahr 1999 wurde der Regierungssitz von Bonn nach Berlin verlegt. Die Flugbereitschaft der Bundeswehr, die für die Regierungsflieger verantwortlich ist, blieb allerdings am Flughafen Köln/Bonn. Nun wird bekannt: Allein im vergangenen Jahr waren die Maschinen über 800 Mal ohne Passagiere unterwegs. Ökonomisch und ökologisch ist das ein Desaster.

    Die Flugbereitschaft der Bundeswehr macht aktuell keine gute Figur. Für große Aufmerksamkeit sorgten zuletzt der Abbruch des Fluges von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Buenos Aires zum G20-Gipfel, oder das Festsitzen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Äthiopien. Während diese Vorfälle auf technische Pannen zurückzuführen waren, sorgt nun eine neue Meldung für weitere Aufregung.

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    Erst jetzt veröffentlicht…

    Die Flugbereitschaft hat ihren Stützpunkt am Flughafen Köln/Bonn, doch die Regierungspassagiere befinden sich meistens in Berlin. Das verursacht anscheinend größere Belastungen als bisher öffentlich bekannt war. Wie die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen jetzt mitteilt, sind allein im vergangenen Jahr Regierungsflugzeuge über 800 Mal ohne Passagiere abgehoben. Entweder mussten sie ihre Fluggäste erst in Berlin abholen oder von dort nach Missionsende ohne Passagiere zum Stützpunkt in Bonn zurückkehren.

    Katastrophe für Umwelt und Finanzen

    Laut dem Grünen-Politiker Tobias Lindner seien hierbei verursachten Kosten und der Schadstoffausstoß enorm. Allein die Leerflüge hätten über die vergangenen drei Jahre im Schnitt 4000 Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich verursacht. Um diese jährliche Belastung zu kompensieren, müsste man über 340.000 Bäume neu pflanzen. Ökonomisch bedenklich sind zudem die Übernachtungskosten der Besatzungen, die bei der Flugroute Bonn-Berlin-Bonn anfallen. Seit Mai 2017 betragen diese nach Angaben der Bundesregierung insgesamt 458.710,03 Euro, das sind rund 22.000 Euro im Monat. Im Jahr 2018 lagen die Hotelkosten im Monat durchschnittlich sogar bei 26.820 Euro.

    Vorerst keine Lösung

    Diese finanziell und ökologisch missliche Situation wird voraussichtlich noch mindestens bis zum Jahr 2026 anhalten, vielleicht sogar länger. Schließlich hängt es von der oft verschobenen Eröffnung des Hauptstadtflughafens ab, ob der Großteil der Flugbereitschaft dorthin wie geplant umziehen kann. Zwar wird bereits ein Teil des Regierungsflugbetriebes vom Berliner Flughafen Tegel durchgeführt, für die Komplettverlegung dorthin fehlt es an Infrastruktur, Personal und Platz. Dieser so genannte „Interimsbetrieb Tegel-Nord“ hat den Steuerzahler dennoch knapp bisher 1,4 Millionen Euro gekostet.

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    Tags:
    Klima, Regierung, Flugzeug, Die Grünen, Angela Merkel, Deutschland