07:46 26 April 2019
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    Modeschöpfer Karl Lagerfeld (Archivbild)

    Letzter Feind der politischen Korrektheit – so hart sprach Karl „Kaiser“ Lagerfeld

    © REUTERS / Benoit Tessier
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    Der langjährige Chanel-Chef Karl Lagerfeld ist am Dienstag in Paris gestorben. In die Geschichte wird er aber nicht nur als deutsche Mode-Ikone eingehen, sondern auch als Mensch mit einer skurrilen zivilen Position, der Politiker hart kritisierte und im allgemeinen kein Blatt vor den Mund nahm.

    So hatte er im Mai 2018 Bundeskanzlerin Angela Merkel beschuldigt, dass gerade 100 „Neonazis“ im Parlament sitzen. Wenn die Bundeskanzlerin ihre Politik nicht ändere, „gebe ich die deutsche Staatsangehörigkeit auf“, drohte er im Gespräch mit dem französischen Magazin „Le Point“.

    „Ich hasse Merkel“

    „Musste sie sagen, dass man eine Million Migranten willkommen heißen muss? Man muss sich der Vergangenheit, die wir in Deutschland haben, erinnern. Ich hasse Merkel dafür, dass sie das vergessen hat“, war Lagerfelds Position. Mit „100 Neonazis“ soll er die Erfolge der AfD bei den Bundestagswahlen gemeint haben, für die er ebenso Merkel verantwortlich machte.

    Im November 2017 hatte er in der Öffentlichkeit mit seiner Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik ebenso viel Aufsehen erregt. „Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen“, sagte Lagerfeld dem französischen Sender C8. Er wies auf eine seiner Bekannten hin, die einen jungen syrischen Asylbewerber bei sich aufgenommen hatte. Dieser soll nach ein paar Tagen den Holocaust als „die beste Erfindung Deutschlands“ bezeichnet haben.

    Die Bundeskanzlerin hatte es Lagerfeld zufolge nicht nötig, eine Million zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, „um sich ein charmantes Image zu geben – nach dem Bild der Schwiegermutter, das sie sich in der Geschichte der Griechenland-Krise gegeben hat“, meinte Lagerfeld. Einen Monat später versuchte der Modezar im Gespräch mit dem „Zeitmagazin“ und der „Vogue“, seine Kritik an Merkel zu rechtfertigen. „Die Leute haben das nicht verstanden. Das war eine Metapher“, so Lagerfeld.

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    „Die Deutschen haben Millionen von Juden umgebracht, und da schämen wir uns doch heute noch für. Und jetzt lässt Angela Merkel eine Million ihrer Erzfeinde ins Land“. Dass alle Flüchtlinge Antisemiten seien, wolle er damit zwar nicht behaupten, aber er habe auch wenige Araber getroffen, die sagen: „Ich liebe die Juden.“ Den Ruf Merkels als „einer bösen Mutter“ hatte er mit ihrem Umgang mit Griechenland während der Finanzkrise verbunden.

    Verabscheuung von dicken Frauen und Harvey „Schweinekopf“

    Auch bei anderen Themen legte Lagerfeld keinen Wert auf mögliche Folgen seiner Äußerungen, die sich die westliche Gesellschaft zumeist zu sehr zu Herzen nahm. 2012 nannte er die Sängerin Adele schön, aber „zu dick“. Auf die Aufrufe, Plus-Size-Models auf die Catwalks zu lassen, sagte er, dass schlanke Models nur von dicken Frauen kritisiert werden, die mit Chips vor dem Fernseher sitzen. „Das Leben ist kein Schönheitswettbewerb, manche hässlichen Menschen sind doch wunderbar. Was ich hasse, sind garstige, hässliche Menschen… Die von kleinem Wuchs sind am schlimmsten. Frauen dürfen zwar nicht groß sein, aber für Männer ist dies nicht akzeptabel. Das ist etwas, womit sie sich nie abfinden können…sie sind böse und wollen dich töten“, sagte Lagerfeld zum Äußeren des Menschen.

    2017 kam es zu einem Skandal, als Lagerfeld Harvey Weinstein mit einem Schweinekopf gezeichnet (und die „FAZ“ es abgedruckt) hatte. Lagerfeld titelte seine Zeichnung „Harvey Schweinstein“. Später bestätigte er in einem Interview, er verabscheue Harvey Weinstein, mit dem er einmal ein „eher berufliches“ Problem gehabt habe. Jedoch habe er auch „die Schnauze voll“ gehabt von der Bewegung „BalanceTonPorc“ („Schwärz’ dein Schwein an“) – der französischen Variante von „MeToo“.

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    Gegenüber dem Modemagazin „Numero“ sagte er, ihn schockiere es, dass „all diese Sternchen 20 Jahre gebraucht haben, um sich an die Ereignisse zu erinnern, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es überhaupt keinen Belastungszeugen gibt“. Zur Meinungsfreiheit sagte Lagerfeld: „Seien Sie politisch korrekt, aber bitte ermüden Sie die anderen nicht mit Gesprächen über politische Korrektheit, denn dies ist das Ende von allem. Wollen Sie Langeweile schaffen? Seien Sie politisch korrekt während eines Gesprächs.“

    Karl Lagerfeld wurde in Hamburg in der wohlhabenden Familie des Bankangestellten Otto Lagerfeld geboren. 1952 zog er nach Paris. 1974 gründete Lagerfeld seine eigene Linie — Karl Lagerfeld Impression. 1983 wurde er künstlerischer Leiter des Hauses Chanel.

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    Tags:
    Antisemitismus, Flüchtlinge, Griechenland, Bundestagswahl, Schwiegermutter, Finanzkrise, Juden, Schönheitswettbewerb, MeToo, Holocaust, Flüchtlingspolitik, Neonazis, FAZ, Chanel, Adele, Harvey Weinstein, Karl Lagerfeld, Angela Merkel, Griechenland, Hamburg, Frankreich, Paris, Deutschland