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    Regierung wollte offenbar Amris Helfer per Abschiebung vor Strafverfolgung schützen

    © AFP 2019 / John MACDOUGALL
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    Im Fall des Berliner Weihnachts-Attentäters Anis Amri sind neue brisante Details ans Tagelicht gekommen: Die deutschen Sicherheitsbehörden haben offenbar einen engen Vertrauten von Amri abschieben lassen, um dessen Verwicklung in den Terroranschlag im Dezember 2016 zu vertuschen.

    Dies berichtet das Nachrichtenmagazin Focus unter Berufung auf mehrere der Redaktion vorliegende geheime Ermittlungsdokumente.

    Der radikale Islamist Bilel Ben Ammar sei offensichtlich ein Agent des marokkanischen Geheimdienstes, der per Abschiebung vor einer Strafverfolgung in Deutschland geschützt werden sollte, so das Magazin unter Berufung auf die Dossiers.

    Bilel Ben Ammar hatte sich demnach noch am Abend vor dem Attentat mit Amri getroffen. Eine auf einem Hochhaus am Breitscheidplatz montierte Kamera filmte laut Focus, wie Amri nach dem Anschlag aus dem Lkw ausstieg und floh.

    In diesem Moment soll der bislang unter Verschluss gehaltene Film auch zeigen, wie eine wie Ben Ammar aussehende Person einem Mann mit einem Kantholz seitlich an den Kopf schlägt, um dem flüchtenden Amri den Weg freizumachen. Der attackierte Mann soll bis heute im Koma liegen.

    Neun Tage nach dem Anschlag sei auf politischer Ebene die Entscheidung getroffen worden, Amris mutmaßlichen Helfer abzuschieben.

    „Seitens der Sicherheitsbehörden und des Bundesinnenministeriums besteht ein erhebliches Interesse daran, dass die Abschiebung erfolgreich verlaufen soll“, soll es in einer dem Focus vorliegenden E-Mail vom 28. Dezember 2016 an die Bundespolizei heißen.

    Der am Tag danach festgenommene Ben Ammar sei dann am 1. Februar 2017, zwei Stunden nach Mitternacht, von der Landespolizei aus seiner Zelle in der JVA Moabit geholt und über Frankfurt nach Tunesien geflogen worden sein.

    Der nordafrikanische Nachrichtendienst DGST hatte das Bundeskriminalamt und den Bundesnachrichtendienst mehrfach über die Radikalisierung von Anis Amri und dessen Anschlagsplänen gewarnt.

    Die Fraktionen der Grünen und der Linkspartei verlangen jetzt laut Focus die Vernehmung von Ben Ammar im Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Der Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Konstantin von Notz, geht davon aus, dass es sich bei Ben Ammar um eine „Schlüsselfigur“ handle:

    „Bei Bilel Ben Ammar handelt es sich offensichtlich um eine Schlüsselfigur in der Causa Amri und damit auch beim Anschlag auf den Breitscheidplatz. Dass man ihn so Hals über Kopf abschiebt, bevor der schwerste salafistische Anschlag in Deutschland sauber ausermittelt war, ist maximal irritierend“, führte Von Notz gegenüber Focus aus.

    Martina Renner, die für die Linkspartei im Amri-Untersuchungsausschuss sitzt, sagte: „Die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion erfolgte Abschiebung eines möglichen Mittäters von Amri ist ein großes Rätsel, das politisch nicht aufgeklärt ist. Falls Ben Ammar mit Kenntnis deutscher Behörden für einen ausländischen Geheimdienst spioniert hat, wäre das ein weiterer Beleg für den fatalen Zustand unseres Inlandsgeheimdienstes.“

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    Tags:
    Weihnachtsmarkt, Terroranschlag, Anis Amri, Berlin