18:37 17 November 2019
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    Kabarettistin Idil Baydar beim Friedensmarsch NichtMitUns (Archivbild)

    „Hatte Großmutter im KZ auch den Schalter?“: Deutschtürkin unter Kritik nach Talkshow

    CC BY-SA 4.0 / © Superbass / Wikimedia Commons
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    Mit einem provokanten Titel zum Thema Heimat hat die „Hart aber fair“-Talkshow für viel Wirbel im Netz gesorgt – besondere Kritik erntete dabei ein KZ-Vergleich von der Kabarettistin Idil Baydar, die Gast im Studio war.

    „Heimat Deutschland — nur für Deutsche oder offen für alle?“ – so lautete die Frage, die Moderator Frank Plasberg seinen Gästen bei „Hart aber fair“ am Montagabend in der ARD stellte.

    Einer der Gäste, Bild-Vize-Chefredakteur Nikolaus Blome, wollte einfach wissen, wie türkische Community in Deutschland ticke: Er unterstellte der Kabarettistin Idil Baydar, deren Eltern aus der Türkei stammen, sie könne bestimmte Prozesse in der Türkei besser erklären als Menschen, die keine türkischen Wurzeln haben. Für seine Frage bekam er jedoch keine normale Antwort, sondern eine verbale Ohrfeige.

    „Warum setzen Sie voraus, dass ich eine Türkei-Expertin bin?“, empörte sich Baydar. „Ich frage Sie doch auch nicht: Wie war das damals, hat Ihre Großmutter im KZ auch den Schalter…?“

    Für diesen Vergleich haben einige Twitter-User die Kabarettistin kritisiert:

    „Ich mag Erdogan auch nicht. Aber diesen indirekten Hitler-Erdogan-Vergleich in Bezug auf den Holocaust finde ich trotzdem ausgesprochen unangebracht. Vorsichtig formuliert“, schreibt ein Twitter-Nutzer.

    ​Bei Twitter rieben sich schon vor der Sendung zahlreiche Nutzer an der Formulierung der Frage und der Themensetzung.

    So beschwerte sich SPD-Politikerin Sawsan Chebli:

    „Heimat Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle? Diese Sprache ist der Grund, warum auch mir gesagt wird, ich soll in meine Heimat zurück, ein Grund für Drohungen, die ich bekomme, für den Hass, ein Grund dafür, dass Rechte denken, sie sind stärker.“

    ​Wenig später postete sie außerdem eine Nachricht ihrer Nichte und schrieb dazu: „Meine Nichte, in Berlin geboren, dritte Generation. So geht es zu vielen jungen Menschen hierzulande. Werde nicht aufhören, auf diese Missstände hinzuweisen. In der Hoffnung, etwas zu verändern.“

    „Ergebnis dieser „Hart aber fair#“-Sendung: Wir Migranten, Migrantenkinder, Migrantenkindeskinder, Migrantenkindeskindeskinder, Migrantenkindeskindeskindeskinder etc. bleiben. Ob ihr wollt oder nicht. Also gewöhnt euch dran“, schrieb Hasnain Kazim, Korrespondent von SPIEGEL ONLINE und DER SPIEGEL in Wien, auf seinem Twitter-Account.

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    Auch der Moderator Frank Plasberg wird im Zusammenhang mit diesem Thema kritisiert:

    „Warum lässt der Moderator diesen Schwachsinn zu“, fragt ein Twitter-Nutzer.

    ​„Fazit: Plasberg als Moderator eine Fehlbesetzung. Jedes Mal, wenn es ans Eingemachte ging, hat er die Diskussion abgewürgt, anstatt den Gästen zu helfen, ihre widerstreitenden Sichtweisen zu pointiert gegenüberzustellen.“, so ein weiterer User.

    ​Auf der „Hart aber Fair“-Twitter-Seite hat sich der Sender mittlerweile zur Kritik am Titel der Sendung geäußert:

    „Dieser heißt nicht „Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle?“, schreibt die ARD. „Vielmehr gehe es explizit um den Begriff und das Gefühl von Heimat. Der TV-Talk drehe sich etwa um die Frage, für wen hier Heimat sei: für alle, die hier leben, oder nur für die, die von hier stammen. „Es geht nicht um die Frage offener oder geschlossener Grenzen“, betont der Sender.

    ​Bemerkenswert ist, dass die Eingangsfrage letztlich unbeantwortet blieb: Was ist Heimat? Ist das nun ein ausgrenzender Begriff oder versteht ihn die Mehrheit als einen Ort, wo auch Zugezogene aufgenommen werden können?

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    Tags:
    Heimat, Vergleich, Konzentrationslager, Türkei, Deutschland