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20:16 12 November 2019
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    Passanten lesen Zeitungen an einer Litfaßsäule in Berlin kurz nach dem Kriegsende (Archivbild)

    Todesstoß für den Qualitätsjournalismus? – Leser wollen nicht zahlen

    © Sputnik / Georgij Lipskerow
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    Was ist uns Journalismus wert? Und sind wir bereit, für Informationen zu bezahlen? Im digitalen Zeitalter, wo Internetnutzer zu fast allen Themen selbständig, kostenlos und von Zuhause aus Informationen im Netz abfragen können, wird es für Medienhäuser und Verlage immer schwieriger, ihren Content für Geld zu veräußern.

    Immer weniger Menschen wollen für journalistische Inhalte Geld ausgeben. Angefangen bei den Abgaben für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, die immer mehr Bundesbürger als Zwang empfinden. Sie argumentieren: Wir informieren uns aus anderen Quellen (im Internet) und verzichten längst auf Fernsehen und Radio, weshalb sollten wir also zahlen?

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    Während die Finanzierung des ÖR (noch) nicht bedroht ist, bekommen vor allem die Verlagshäuser die Zahlunlust der Konsumenten zu spüren. Im Februar wurde bekannt, dass der Traditionsverlag DuMont nach herben Verlusten sein Zeitungsgeschäft abstoßen will. Wie das Portal „Meedia“ schreibt, verkauften sich DuMonts Regionalzeitungen vor zehn Jahren noch über eine Million Mal pro Tag. Heute seien es gerade einmal 605.633 Exemplare, was ein Minus von 43,5 Prozent bedeute. Während DuMonts Kölner Abozeitungen zwar Verluste hinnehmen mussten,  aber mit einem Minus von 32,1 Prozent noch halbwegs glimpflich davon gekommen sind, hat es andere härter getroffen. So verzeichnete die Hamburger Morgenpost im 10-Jahres-Vergleich ein Minus von 54,1 Prozent bei Einzelverkäufen und Abos, der Berliner Kurier 55,7 Prozent und der Express sogar 57,1 Prozent.

    Vor diesem Hintergrund kommt es vielleicht nicht überraschend, dass das Haus DuMont das unrentable Zeitungsgeschäft aufgibt, doch mit sinkenden Verkaufszahlen haben auch andere Printmedien zu kämpfen. Als Konsequenz daraus würden immer mehr Redakteursstellen gestrichen, exklusive Inhalte zur Mangelware. Vor allem der regionale Journalismus werde immer weiter ausgehöhlt, so „Meedia“. Das Reuters Institute sagt in seinem Trendreport für 2019 gar die größte Entlassungswelle bei Journalisten voraus.

    Dass das Argument „Digitalisierung“ hier nur bedingt greift, zeigen aktuelle Studien zur Nutzung von Paid Content. Angesichts der rückläufigen Verkaufszahlen aus dem Zeitungsgeschäft versuchen viele Medien, das Minus durch digitale Inhalte mit Bezahlschranke zu kompensieren. Doch die Rechnung mit den Bezahlinhalten im Netz geht nicht auf.

    Eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfer von PwC liefert Zahlen zum Nutzungsverhalten bezüglich Paid Content. So hätten 39 Prozent der 18- bis 29-Jährigen bereits Geld für Online-Journalismus ausgegeben. Das klingt zunächst gar nicht so wenig. Jedoch geht aus der Zahl nicht hervor, ob es sich dabei um einmaliges Bezahlen für einen Paid Content handelte oder ob die Befragten regelmäßig Inhalte mit Bezahlschranke konsumierten. Außerdem bedeutet die Zahl im Umkehrschluss, dass die große Mehrheit der 18- bis 29-Jährigen noch nie für Online-Journalismus bezahlt hat.

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    Auch der Grund für die Kaufunlust beim Online-Journalismus geht aus der Studie hervor: 54 Prozent der Befragten geben an, den Inhalten hinter der Bezahlschranke fehle es an Relevanz. Ein Kriterium, das die Inhalte „ihr Geld wert“ mache, sei für die Nutzer  die Exklusivität der Inhalte. Zugegebenermaßen ein schwieriges Unterfangen in einer digitalen Welt, in der so ziemlich zu jedem Thema kostenlose Informationen gefunden werden können. Was diese Entwicklung für die Zukunft der Branche bedeutet, darüber kann man spekulieren. Den Weckruf kann und sollte die schreibende Zunft jedoch ernst nehmen.

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    Tags:
    öffentlich-rechtliche Sender, Privatbesitz, Journalismus, Zahlungen, Weigerung, Medien, Presse, Deutschland