11:28 23 März 2019
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    US-Sonderbeauftragter für Venezuela Elliott Abrams in Kolumbien

    US-Beauftragter für Venezuela fällt auf Telefonstreich herein - und droht der Schweiz

    © AFP 2018 / Rhona Wise
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    Die russischen Pranker Wowan und Lexus (Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow) haben „im Namen“ des Schweizer Präsidenten Ueli Maurer mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela, Elliott Abrams, telefoniert. Sie wollten damit die angebliche Beteiligung der USA am Putschversuch in Venezuela journalistisch untersuchen, berichtet Sputnik Mundo.

    Die Pranker haben im Februar und März mehrmals „im Namen“ von Ueli Maurer, dem Bundespräsidenten der Schweiz und Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements, mit Abrams gesprochen. In den Telefonaten forderte Abrams „Maurer“ dazu auf, die Konten venezolanischer Behörden in den Schweizer Banken zu sperren. Wowan und Lexus sind auf die Forderung „eingegangen“. Alexej Stoljarow gegenüber Sputnik:

    „Wir  haben um ein Gespräch mit Abrams über die Zusammenarbeit im Finanzbereich gebeten, dazu auch in Bezug auf die Krise in Venezuela. Am 19. Februar fand dieses statt. Wir haben Abrams darüber informiert, dass die Schweizer Banken Privatkonten für Personen aus dem inneren Maduro-Kreis sowie Konten venezolanischer Unternehmen wie der Öl-Staatsgesellschaft PDVSA besitzen. Zugleich haben wir betont, dass wir ihrerseits keine Rechtsbrüche entdeckt hätten“. Abrams aber habe darauf bestanden, alle diese Konten wie in den Vereinigten Staaten vollständig zu sperren. Dass die Konten illegal seien, habe er nicht nachgewiesen, so Stoljarow.

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    „Abrams sagte auch, er könnte nach der endgültigen Machtübernahme von Guaido eine Klage gegen die Schweiz einreichen, sollte die Schweiz diese Konten nicht sperren und Maduros Geld das Land verlassen. Außerdem erklärte uns die amerikanische Seite, dass die Zusammenarbeit der Schweizer Banken mit der Regierung Maduros hohe Risiken für einen Reputationsverlust der Banken bergen könnte“, so Stoljarow.

    So hätte „Maurer“ sich unter dem Druck Abrams’ bereit erklärt, die Konten zu sperren, sobald er die notwendigen Unterlagen aus den USA bekäme. Daraufhin hätte Abrams den Prankern eine Liste von venezolanischen Funktionären und Personen aus dem engen Kreis Maduros gesandt, die unter US-Sanktionen stehen würden.

    Lexus Vovanial Bank Ltd.

    Ein gewisser „Botschafter“ der neuen venezolanischen Regierung, Carlos Vecchio, soll die Pranker ebenso kontaktiert haben. “Als nächstes haben wir an Abrams und Vecchio eine Liste von venezolanischen Regierungsbeamten geschickt, deren Konten wir angeblich in den Schweizer Banken gefunden und sofort für Guaido gesperrt haben. Wir haben ihnen auch die Millionenbeträge in den Konten zugeschrieben“, kommentierte „Lexus“ Stoljarow weiter. Die Figuren seien von den Prankern einfach aus der Sanktionsliste ausgewählt worden, die Abrams an sie geschickt hätte. “Darüber hinaus fügten wir unserer Liste die Namen der ausländischen Bürger bei, die angeblich hohe Beträge auf die Konten der sanktionierten Beamten überwiesen hatten“. Darunter seien unter anderem die russische Fernsehmoderatorin und einstige Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak sowie der Anwalt Mark Feigin gewesen. Die Pranker hätten auch eine Bank erfunden, in der angeblich das Geld Nicolas Maduros lagerte — Lexus Vovanial Bank Ltd. Ihre Gesprächspartner fielen auf den Trick herein.

    Die russischen Pranker Wowan und Lexus im Mailwechsel mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela Elliott Abrams
    © Foto : Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow
    Die russischen Pranker Wowan und Lexus im Mailwechsel mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela Elliott Abrams

    „Daraufhin schrieb Vecchio uns ständig“, fährt Stoljarow fort. „Er fragte, ob wir Maduros private Konten in der Schweiz gefunden hätten. Wir erklärten, dass wir eine gewisse Nurlan Baidild Foundation Tender First (NurlanBaidilda Ltd) gefunden haben, in der sich Maduros persönliche Vermögenswerte befinden (Baidilda haben wir aufgrund zu aufdringlicher Werbung für seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken zufällig ausgewählt). Wir informierten daraufhin den Botschafter, dass wir die Konten dieses Fonds aufgrund einiger rechtlicher Details derzeit nicht sperren können. Vecchio könne uns jedoch helfen, indem er diese Informationen in der Presse veröffentlicht, sagten wir”.

    Die russischen Pranker Wowan und Lexus im Mailwechsel mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela Elliott Abrams
    © Foto : Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow
    Die russischen Pranker Wowan und Lexus im Mailwechsel mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela Elliott Abrams

    Vecchio habe daraufhin den Text für die Presse von den Prankern geschickt bekommen. Er habe sich in Kontakt mit Bloomberg gesetzt. Dann habe er die Pranker darüber informiert, wann der Artikel bei Bloomberg veröffentlicht werde, und habe seinen Text zur Bearbeitung geschickt.

    Die russischen Pranker Wowan und Lexus im Mailwechsel mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela Elliott Abrams
    © Foto : Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow
    Die russischen Pranker Wowan und Lexus im Mailwechsel mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela Elliott Abrams

    Daraufhin hatte der Botschafter die Informationen über NurlanBaidilda Ltd auf seinem Twitter-Account veröffentlicht. Kurze Zeit später erschien der Artikel bei Bloomberg.

    „Journalistische Untersuchung“

    Laut Wladimir Kusnezow dauerte die Vorbereitung für den Streich etwa eine Woche. Es sei Alexej Stoljarow gewesen, der mit Abrams und Vecchio telefoniert habe.

    „Wir wollten Abrams nicht verulken — dies ist ein ernstes Thema. Vielmehr war es unsere eigene journalistische Untersuchung zur Beteiligung der USA an dem Putschversuch in Venezuela und den geplanten Aktionen des Außenministeriums“, sagte Kusnezow gegenüber RIA Novosti.

    Kusnezow legte auch offen, dass er und sein Freund mit diesem Streich die Hauptaufgabe des Vorhabens erledigt hätten, nämlich  herauszufinden, dass die USA keine militärische Intervention in Venezuela planen. Dies geht, wie Kusnezow sagt, aus einem Gespräch mit Elliot Abrams hervor.

    „Die USA machen sich keine Mühe um Details“

    Der Generaldirektor des Lateinamerikanischen Hugo Chávez Zentrums, Jegor Lidowskoj, kommentierte gegenüber Sputnik, dass das Verhalten des EU-Sonderbeauftragten Abrams bei den „Verhandlungen“ mit den Prankern erneut von den wahren Absichten der USA in der politischen Krise Venezuelas zeuge. Dem Experten zufolge will Washington Caracas vollständig kontrollieren und seine Politik vorantreiben.

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    „Die USA haben mit Kontosperrungen gedroht, ohne jegliche Beweise dafür geliefert zu haben, dass die Aktivitäten der Regierung Maduros sie dazu berechtigt hätten. Die USA dürften sich nicht besonders darum kümmern, was tatsächlich passiert“, sagte Lidowskoj. Dem Experten zufolge setzen die Vereinigten Staaten ihre Politik „mit Gewalt, Druck und Einschüchterung“ um. 

    Das Telefonat der Pranker mit dem US-Sonderbeauftragten für Venezuela, Elliott Abrams, zum Nachhören:

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    Einschüchterung, Trick, Telefonstreich, Vermögen, Konto, Putschversuch, Sperrung, Konten, Botschafter, Putsch, Banken, PDVSA, Energieversorger PdVSA, Bloomberg, Elliott Abrams, Juan Guaido, Ueli Maurer, Wowan und Lexus, Wladimir Kuznezow, Alexej Stoljarow, Hugo Chávez, Xenia Sobtschak, Nicolas Maduro, Caracas, Schweiz, Venezuela, USA, Washington