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01:03 20 Juli 2019
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    Mitarbeiterin der Kasperky Lab in Moskau

    Russland im ständigen Fokus der Hacker

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Panorama
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    Natalia Pawlowa
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    Russische Strukturen, darunter die offizielle Webseite des russischen Präsidenten, sind ständig Cyberangriffen aus Europa und den USA ausgesetzt. Dabei macht man russische Unternehmen für angebliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser Länder verantwortlich, darunter das Kaspersky Lab.

    Russische Strukturen, darunter die offizielle Webseite des russischen Präsidenten, seien ständig Cyberangriffen aus Europa und den USA ausgesetzt. Diese Erklärung machte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, wobei er eine Publikation der „Washington Post“ kommentierte. Dort stand, dass die USA eine „Cyber-Offensive“ gegen das in Sankt Petersburg ansässige russische Unternehmen „Internet Research Agency“ (IRA) während der Zwischenwahlen in den USA 2018 durchgeführt hätten: dem Unternehmen sei das Internet abgeschaltet worden. Den Zeitungsquellen zufolge war dies ein Teil der ersten offensiven Cyber-Kampagne gegen Russland, deren Zweck es war, die angeblichen „Versuche“ zu verhindern, „sich in die US-amerikanischen Wahlen einzumischen“.

    Zuvor äußerte Peskow die Meinung, dass eine Einmischung der USA ins Funktionieren des Internets in Russland möglich sei. Als eine Abwehrmaßnahme dagegen wurde ein Gesetzentwurf für ein souveränes Internet erarbeitet, der in erster Linie darauf abzielt, das Funktionieren des russischen Internet-Segments zu gewährleisten, sollte der Zugang zum globalen Netzwerk begrenzt werden.

    Aus technischer Sicht seien verschiedene Attacken auf Unternehmen in anderen Ländern möglich, meint Juri Namestnikow, Leiter des russischen Forschungszentrums von Kaspersky Lab: „Angreifer können das Netzwerk des Unternehmens durchdringen und den Betrieb von Netzwerkgeräten aussetzen. Auf dem russischen Markt gibt es Lösungen für Cybersicherheit sowohl für Endbenutzer als auch für Unternehmen. Neben der Endpunktsicherheit ist es auch wichtig, Lösungen zum Schutz vor gezielten Angriffen zu implementieren und regelmäßig Sicherheitsüberprüfungen durchzuführen“, sagte er im Sputnik-Gespräch.

    Kaspersky Lab, ein wichtiger Anbieter im Bereich Cyber-Sicherheit, habe als global agierendes Unternehmen ein großes Netz von Verbrauchern in der ganzen Welt und erhalte ständig Informationen über Cyberbedrohungen aus jedem einzelnen Segment, einschließlich der EU, berichteten die Kaspersky-Experten gegenüber Sputnik. „Wir stehen im ständigen Kontakt mit Interpol, arbeiten seit Jahren zusammen im Kampf gegen Cyberkriminalität“, sagte Timur Bijatschujew, Leiter der Kaspersky-Abteilung für Bedrohungsanalysen.

    US-amerikanische Anschuldigungen gegen russische Unternehmen ertönen nicht zum ersten Mal. Die Spionage-Geschichte, die von den USA 2017 gegen Kaspersky Lab initiiert wurde, habe das Unternehmen in einen „geopolitischen Streit“ involviert, obwohl Kaspersky Lab keine Verbindungen zu irgendeiner Regierung habe, und die Firma niemals irgendeiner Regierung der Welt bei Cyber-Spionageversuchen geholfen habe — und es auch nicht tun werde, betont Alexander Gostew, Kaspersky- Chef-Experte.

    Im Allgemeinen handelt es sich um Milliarden von Virenangriffen weltweit. Die Zielangriffe gegen Russland haben zugenommen. „Wir verstehen wahrscheinlich besser als andere Unternehmen, dass es mit dem Angriff auf russische Behörden zu tun hat“, so Gostew. „Die größte Gefahr für russische Großunternehmen und staatliche Behörden sind Hacker. Sie sind an Informationen aus der Rüstungsindustrie interessiert. Alle neuen Entwicklungen, Know-how, insbesondere auf  militärischem Gebiet, liegen in ihrem Interessenbereich. Sie haben Russland als einen der größten Waffenproduzenten ständig im Fokus.“

    Ein weiterer gefährlicher Trend sei die Militarisierung des Cyberraums. Mehr als dreißig Länder, darunter die USA, China, Großbritannien und Südkorea, hätten offiziell Cyber-Einheiten ins Leben gerufen. „Theoretisch könnte man sich vorstellen, dass ein Land mit allerlei Viren attackiert wird, was anschließend einen  echten Angriff mit Panzern, Flugzeugen und Bomben hervorruft. Eine solche Entwicklung kann nicht ausgeschlossen werden“, warnte Anton Schingarew, Vizepräsident von Kaspersky Lab.

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    Vor dem Hintergrund mehrerer Untersuchungen in den USA gegen Russland bezüglich der angeblichen Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl untersuchte der Ausschuss  für Informationspolitik des russischen Parlaments den Einfluss der amerikanischen Medien (US-Staatssender „Voice of America“ und „Radio Liberty“, Nachrichtensender CNN) auf das russische Wahlsystem. Laut dem Leiter des Ausschusses, Leonid Lewin, sind diese Strukturen „ein Teil des amerikanischen Systems zur Druckausübung auf unser Land. Dabei werden  verschiedene Instrumente eingesetzt, nicht nur die US-Einmischung in den Wahlprozess in Russland, sondern auch in die inneren Angelegenheiten unseres Landes insgesamt.“

    Wie der Generaldirektor des Zentrums für politische Informationen, Alexej Muchin, für Sputnik sagte, habe die von ihm geleitete Struktur direkte Zeugnisse der US-Einmischung in die russischen Parlamentswahlen im  April 2016 entdeckt. Seinen Worten zufolge hätten die Amerikaner in  den letzten Jahren die Zahl ihrer Zentren erhöht, die einen speziell für das russische Auditorium bestimmten  „antirussischen Content“ produzieren.

    Der Anteil der angegriffenen Benutzer in Russland sei im Februar 2019 im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres um sechs Prozent gefallen (24Prozent im Februar 2018 gegenüber 18 Prozent im Februar 2019), sagte der Leiter des Kaspersky- Forschungszentrums Namestnikow gegenüber Sputnik. „Im Allgemeinen entspricht dies dem globalen Trend: Wenn wir den Durchschnitt der Erde insgesamt nehmen, betrug der Rückgang ein Prozent. Dies sind hauptsächlich massive Angriffe.“

    Laut Namestnikow entdeckten die Forscher von Kaspersky Lab Ende Januar zahlreiche Versuche, ausländische diplomatische Strukturen im Iran mit unprofessionell erstellter Spyware-Malware zu infizieren. Die Angriffe werden mithilfe der aktualisierten Remexi-Backdoor sowie einiger legitimer Tools durchgeführt. Diese Backdoor ist angeblich mit der Cyberkriminellen-Gruppe Chafer verbunden, die Farsi spricht. Zuvor war diese Gruppe beim Cyber-Tracking von Menschen im Nahen Osten bemerkt worden.

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    Tags:
    Hacker, Cyberkriminalität, Hackerangriff, Cybersicherheit, Kaspersky Lab, Europa, USA, Russland, China