19:23 15 November 2019
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    Baikal retten: Hunderttausende Russen gegen „Verkauf von Volkseigentum“ an Chinesen

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    Ein chinesisches Unternehmen will am Ufer des Baikalsees eine neue Fabrik zur Abfüllung von Trinkwasser bauen. Die Wasserflaschen sollen vor allem nach China exportiert werden. Sowohl Einwohner, rund um den Baikalsee, als auch Wissenschaftler schlagen Alarm.

    Die Protestierenden befürchten, dass der Bau der Fabrik dem Baikal, der bereits unter Umweltproblemen leidet, erhebliche Schäden zufügen wird. Zusätzlich zu den Auswirkungen auf die Umwelt könnte der Bau der Anlage im Bezirk Sljudjanskij den Zugang der Einwohner zum See beschränken.

    „Dies ist ein einzigartiger Ort! Sein spezielles Mikroklima trägt zur Ansiedlung vieler Arten von seltenen Zugvögeln bei. An keinem anderen Punkt der Region Irkutsk gibt es eine solche Vielfalt. Wissenschaftlern zufolge verdient der Ort Schutz und Anerkennung als Naturdenkmal. Und nicht den Industriebau!“ – steht in der Petition auf der Kampagnenplattform change.org, die bereits rund 800.000 Menschen unterschrieben haben. Gerichtet ist sie unter anderen auch an Audrey Azoulay, Generaldirektorin der Unesco, damit sie Russlands Präsident Wladimir Putin auf ihre Forderung aufmerksam macht. Azoulay ist zwischen dem 5. und 7. März in Moskau. Gestern wurde sie auch von Putin empfangen.   

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    Hauptadressat der Petition war von Anfang an der Oberbürgermeister der Region Irkutsk, Sergej Lewtschenko, und das Ministerium für Bodenschätze Russlands, damit sie den Fabrikneubau nicht zulassen. Die Proteste haben bereits Wirkung gezeigt. Lewtschenko hatte kürzlich die zuständigen Behörden beauftragt, die Rechtmäßigkeit des Projektes zu überprüfen. Wladimir Burmatow, Vorsitzender des Staatsduma-Ausschusses für Ökologie und Umweltschutz, erteilte der Generalstaatsanwaltschaft den gleichen Auftrag.

    Baikal als Volkseigentum

    „Der Baikal ist unser Volksvermögen“, lauten viele Wortmeldungen von Unterzeichnern der Petition. Dabei befürchten viele, dass der See mit dem kristallklaren, sauberen Trinkwasser komplett an chinesische Investoren „verkauft“ werden könnte. Am Dienstag bestätigte der Generaldirektor der zu 99 Prozent chinesischen Firma „Aquasib“, Ju Gofa, dass 80 Prozent des abgefüllten Wassers für den Export bestimmt seien, nämlich nach China, Südkorea und in die Mongolei.

    Die Produktionsstätten für die künftigen Abfüllanlagen sollen im Dorf Kultuk im Süden des Baikal gebaut werden und 148 Arbeitsplätze schaffen. Die Beschäftigung von chinesischen Arbeitnehmern sei nicht geplant, versichert Ju Gofa. Bis 2021 werde das Unternehmen voll ausgelastet und pro Tag 528.000 Liter Wasser beziehungsweise 190 Millionen Liter pro Jahr produzieren.

    In der Tat wird Baikalwasser schon lange gefördert und auch nach China verkauft. Auf diesem Markt sind mindestens ein Dutzend Unternehmen tätig, darunter die Unternehmensgruppe „See Baikal“ des Milliardärs Wiktor Wekselberg und ausländische Marken wie Evian, Acqua Panna, Vittel, die das Wasser nach China, Südkorea, Kasachstan, in die Mongolei und in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verkaufen. Täglich pumpen sie etwa 85.500 Kubikmeter Wasser aus dem See, was 35 Prozent des offiziell zulässigen Volumens entspricht. „Aquasib“ plant, jährlich nur rund 200.000 Kubikmeter Wasser zu pumpen.

    Schaden umstritten, aber…

    Einige Experten bestreiten den angeblichen Schaden am Baikalsee durch „Aquasib“. Wie könnte eine Wassereinlassstation den Baikalsee verschmutzen? Sie produziere doch keine Abfälle. Der Leiter des Tauchforscherteams des Limnologischen Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, Igor Chanaew, argumentiert, die Wassereinlassstation würde nur einige Baikalfische beeinträchtigen. Daher müsse das Unternehmen Maßnahmen zum Schadensersatz ergreifen.

    Woher kommen dann die Sorgen? Es mag daran liegen, dass der Wasserspiegel des Baikal weiter absinkt, trotz der Nebenflüsse. Vor einem Jahr lag er sechs Zentimeter unter einem kritischen Wert, laut einer Aussage des Leiters des Hydrometeorologischen Zentrums Russlands, Roman Wilfand. Er verweist auch darauf, dass das Problem in den letzten vier Jahren zwar bekannt gewesen sei, der Wasserspiegel wäre aber 2018 viel niedriger als 2015-2017 gewesen.

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    Es gibt sogar noch eine alarmierende Tatsache für die „Retter“ des Baikal. Der Irkutsker Journalist Andrej Dubrowski hat herausgefunden, dass die Geschäfte der „Aquasib“ von Olesya Multschak geführt werden, die in den Schmuggel von sibirischem Holz nach China verwickelt war. Es sei ihr damals gelungen, eine schwere Strafe zu vermeiden, berichtet Dubrowski.

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    Schadenersatz, Trinkwasser, Bewegung, Holz, Schaden, Alarm, Volk, Ökologie, Umweltschutz, Petition, Proteste, Präsidentenamt, Staatsduma, Audrey Azoulay, Sergej Lewtschenko, Wladimir Putin, Baikal-Region, Baikalsee, Irkutsk, Mongolei, Südkorea, Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kasachstan, Russland, China