06:55 23 April 2019
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    Passagierjet bei Landung (Archivbild)Passagiere im Terminal des Flughafens Tegel (Archivbild)

    Mit Verboten zu mehr Umweltschutz? Grünen-Politiker will Zahl der Flüge begrenzen

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    Ilona Pfeffer
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    Den „Lust-Vielfliegern“ will er an den Geldbeutel: Geht es nach Grünen-Politiker Dieter Janecek, sollen die Deutschen maximal drei Flugreisen im Jahr unternehmen dürfen. Wer mehr fliegt, soll bis zu 50 Prozent draufzahlen. Abgeordnete von FDP und AfD kritisieren den Vorschlag scharf und auch aus der eigenen Partei erntet Janecek Kritik.

    In einem Interview mit dem „Münchener Merkur“ forderte Grünen-Abgeordneter Dieter Janacek kürzlich, den Flugverkehr der Umwelt zuliebe zu reduzieren. Das Fliegen sei der einzige Bereich des Verkehrs, der in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht klimaneutral gestaltet werden könne. Deshalb müsse einerseits das Reisen mit der Bahn attraktiver, andererseits das Fliegen begrenzt werden.

    Den Vorschlag des Mobilitätsforschers Andreas Knie finde er in dem Zusammenhang interessant.

    „Jede Person hat ein festes Budget an Flügen, die er oder sie am freien Markt kaufen kann. Wer mehr fliegen will, muss die Flüge dann von anderen kaufen, die ihr Budget nicht ausschöpfen. Dadurch würde die Vielfliegerei teurer.”

    So hätte jeder quasi einen privaten Emissionszertifikatehandel, und könne, wenn er sein „Flugbudget“ nicht ausschöpfe, Anteile sogar gewinnbringend verkaufen.

    „Es gibt noch kein durchgerechnetes Konzept. Aber man kann davon ausgehen, dass bei einem solchen Flughandel die Preise für das vierte und fünfte Flugpaar um 30 bis 50 Prozent steigen werden.“

    So würden Menschen mit geringem Einkommen sich ihren Jahresurlaub immer noch leisten können, zugleich würden Unternehmen vielleicht die eine oder andere Geschäftsreise durch Videokonferenzen ersetzen. Ihm gehe es vor allen Dingen darum, die „Lust-Vielfliegerei einzudämmen“, so der Janecek, der in seiner Fraktion für Luft- und Raumfahrt zuständig ist.

    Er selbst nutze auch sooft es möglich ist den Zug statt des Flugzeugs. Aber das gehe nicht immer, zumal er im Bereich Außenwirtschaft auch viel mit Afrika zusammenarbeite. „Da kann ich nicht mit dem Schlauchboot nach Angola rudern.“

    Fraktionsübergreifende Kritik, auch aus den eigenen Reihen

    Janeceks Idee sorgt bei Bundestagsabgeordneten über Fraktionsgrenzen hinweg für Kopfschütteln. Es sei der falsche Weg und die Grünen würden sich damit einmal mehr als Umerziehungs- und Verbotspartei positionieren, twittert beispielsweise FDP-Abgeordneter Hagen Reinhold.

    ​Als unglücklichen Vorschlag bezeichnet das Vorhaben Janeceks auch AfD-Politiker Uwe Kamann.

    ​Und selbst aus den eigenen Reihen schlägt Janecek Kritik entgegen, etwa von Fraktionsvize Oliver Krischer. Gegenüber der Bild-Zeitung sprach dieser von „intellektuellen Gedankenspielen“, die keine praktikablen Ansätze seien, „um tatsächlich was für den Klimaschutz zu erreichen“.

    Statistik: Anteil der Flugreisenden im einstelligen Bereich

    Laut dem Statistik-Portal „Statista“ ist die sogenannte „Urlaubsreiseintensität“ der Deutschen seit dem Jahr 1972 um 29 Prozent gestiegen. Es ist allerdings lange her seit dem letzten signifikanten Anstieg: 1972 gaben 49 Prozent der Befragten an, wenigstens eine Urlaubsreise im Jahr von mindestens fünf Tagen gemacht zu haben, zwanzig Jahre später waren es schon 71,1 Prozent. Seither hat sich vergleichsweise wenig getan, die Zahlen haben sich um 76 bis 78 Prozent eingepegelt.

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    Fluggäste machen laut den Erhebungen von „Statista“ weiterhin einen geringen Prozentsatz der Reisenden aus. Mit rund 201 Millionen Flugpassagieren im Jahr 2016 lag der Anteil an der Gesamtzahl der Reisenden in Deutschland bei gerade einmal 5,3 Prozent. 2017 waren es knapp 213 Millionen Flugpassagiere.

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    Tags:
    Beschränkungen, Reisefreiheit, Flug, Umweltschutz, Die Grünen, Bündnis 90/Die Grünen, Deutschland