22:28 20 April 2019
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    „Zu hässlich, um vergewaltigt zu werden”: Gericht in Italien schockiert mit Urteil

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    Ein Berufungsgericht im italienischen Ancona hat nach örtlichen Medienberichten zwei mutmaßliche Vergewaltiger mit einer schockierenden Begründung freigesprochen: Das Opfer sei viel zu „maskulin“, um sexuelles Interesse zu erwecken. Der Vorfall löste Proteste aus.

    Die mutmaßliche Vergewaltigung ereignete sich laut der italienischen Zeitung „Il Messaggero” im Jahr 2015. Das Opfer, eine junge Frau aus Peru, die damals 22 Jahre alt war, hatte Vorlesungen einer Abendschule besucht, danach ging sie mit zwei gleichaltrigen Landsleuten aus der Klasse ein Bier trinken.

    Die Peruanerin behauptet, später in einem Stadtpark sexuell missbraucht worden zu sein. Einer der Männer habe sie vergewaltigt, während der andere Wache gestanden habe. Zuvor sollen sie Drogen in ihr Getränk gemischt haben.

    Am Tag darauf ging die junge Frau mit ihrer Mutter in ein Krankenhaus. Ärzte bestätigten später, dass ihre Verletzungen auf eine Vergewaltigung hinwiesen. In ihrem Blut wurden auch Spuren von sogenannten K.o.-Tropfen entdeckt.

    2016 wurde der mutmaßliche Vergewaltiger zu fünf, der Beisteher zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Männer gingen jedoch in Berufung, und im Jahr 2017 wurde das Urteil vom Berufungsgericht in Ancona aufgehoben.

    In dem Begründungsschreiben hieß es, die Aussage der Peruanerin sei nicht glaubwürdig, weil sei viel zu „männlich“ aussehe und deshalb unattraktiv sei. Ein Foto der Frau solle dies beweisen.

    Das Skurrile dabei: Das Richtergremium bestand aus drei Frauen. In der Begründung heißt es außerdem, das Opfer habe sich die Geschichte womöglich ausgedacht, um vor ihrer Mutter nicht als Partygängerin und Trinkerin dazustehen. Außerdem habe dem angeblichen Vergewaltiger die Peruanerin nicht einmal gefallen: Dieser habe sie in seinem Handy unter dem Namen „Wikingermädchen“ gespeichert und damit auf ihr „alles andere als weibliche Aussehen“ angespielt.

    Die Details des Freispruchs wurden erst am vergangenen Freitag bekannt. Die Frauenrechtsgruppe „Rebel Network“ organisierte als Reaktion einen Protest mit 200 Teilnehmern vor dem Gebäude des Berufungsgerichts in Ancona.

    Die Gruppe schrieb auf Twitter: „Eine Vergewaltigung erfüllt nicht den Wunsch nach sexuellem Vergnügen, sondern ist Ausdruck von abscheulichem Hass und Verachtung gegenüber dem Opfer. Es kommt nicht darauf an, wie weiblich du bist, sondern auf den Hass des Vergewaltigers.“

    Der Kassationshof, Italiens höchstes Gericht, hat inzwischen den Freispruch aufgehoben und ein neues Verfahren anberaumte, das in der Stadt Perugia stattfinden soll.

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    Tags:
    Frau, Urteil, Missbrauch, Vergewaltigung, Gericht, Peru, Italien