19:00 15 November 2019
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    Margarita Konenkowa und Albert Einstein

    Einsteins geheime Liebe: Das Genie und die sowjetische Spionin

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    Eine KGB-Agentin gewinnt für sich das Superhirn – klingt wie ein fertiges Szenario für einen Bond-Film. Doch das ist die wahre Geschichte der Liebe des weltberühmten Physikers Albert Einstein und der sowjetischen Spionin Margarita Konenkowa.

    Zum 140. Geburtstag von Albert Einstein erzählt Sputnik über seine Liaison dangereuse, die den „Großvater der Atombombe“ zugleich ins Visier des sowjetischen Geheimdienstes beförderte.

    Briefe, die Millionen kosten

    Im Jahr 1998 wurden ein paar Briefe bei Sotheby's in New York versteigert. Die zwischen 1945 und 1946 datierten Briefe stammen aus der Feder des „Vaters der modernen Physik“, Albert Einstein. Da erzählte er vertrauensvoll, rührend und spöttisch über seinen Alltag und seine Liebesgefühle. Adressatin war die Gattin des berühmten sowjetischen Bildhauers Sergej Konenkow – Margarita.

    Neben den Briefen kamen auch fünf Fotos von Albert und Margarita und seine goldene Uhr – das Abschiedsgeschenk des Physikers an seine Geliebte – unter den Hammer. Das gesamte Auktionslot kostete eine Viertelmillion Dollar.

    Brief-Korrespondenz zwischen Albert Einstein und Margarita Konenkowa
    © AP Photo / Sotheby's
    Brief-Korrespondenz zwischen Albert Einstein und Margarita Konenkowa

    Der Meister und Margarita

    Ihr erstes Treffen geschah in den 1930er Jahren in Amerika. Der Physiker unterrichtete damals an der Princeton University und Margaritas Mann, Sergej Konenkow, nahm an Ausstellungen sowjetischer Kunst teil. Im Jahr 1935 erhielt Konenkow von der Universität den Auftrag, eine Büste von Albert Einstein anzufertigen – doch nicht der Bildhauer, sondern seine Frau wurde zum regelmäßigen Gast in Princeton. Margarita schrieb damals über Einstein: „Er war eine überraschend bescheidene Person und mochte keine offiziellen Treffen. Er scherzte, dass er für seine üppigen Haare bekannt war.“

    Bis 1936 war die Beziehung von Konenkowa und Einstein überwiegend freundschaftlich. Nach dem Tod von Einsteins zweiter Ehefrau änderte sich aber alles. Der Physiker gestand der Russin, dass er sie liebte. Die Gefühle waren gegenseitig. Um die Sommerferien zusammen verbringen zu können, schrieb Einstein sogar einen Brief an Konenkow, in dem er von Margaritas angeblich schwerer Krankheit berichtete. Dem Schreiben wurde eine Empfehlung eines befreundeten Arztes von Einstein beigefügt, „mehr Zeit im gesunden Klima am Saranac-See, New York“ zu verbringen – dort lebte damals Einstein selbst.

    Wenn Physiker Lyriker werden

    Einstein gab der Beziehung mit Konenkowa sogar einen eigenen Namen: „Almar“, was für „Albert und Margarita“ stehen sollte. „Alles in der Umgebung erinnert mich an Sie – Almars Tuch, Wörterbücher, eine wunderbare Pfeife, die wir einst für verloren hielten, all diese verschiedene Kleinigkeiten, die meinen Unterschlupf eines Einsiedlers, unser leeres Nest füllen“, schrieb der Physiker am 27. November 1945 an Konenkowa. In Konenkowas Nachlass fand sich unter anderem sogar ein Liebessonett, signiert mit den Initialen „A. E.“.

    Im Jahr 1945 sollten die Konenkows die USA plötzlich verlassen. Zum Abschied schenkte Einstein Margarita seine goldene Uhr. Er wusste, dass sie sich vielleicht nie wiedersehen würden.

    „Liebe Margarita,

    Diese schwierige Aufgabe bringt für Dich eine große Veränderung, aber ich glaube, dass das Ende gut wird. (…) Ich denke viel an Dich und ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du glücklich und mutig in ein neues Leben eintrittst und dass ihr beide die lange Reise erfolgreich besteht.

    Dein A. Einstein“

    Margarita war aber nicht nur seine heimliche Geliebte, sondern auch eine bewährte Geheimagentin.

    Russische Mata Hari

    Margarita Konenkowa (1895-1980) stammte aus einer russischen Kleinstadt. Als sie später nach Moskau umzog, machte sie schnell von sich reden. Im Jahr 1922 verheiratete sie sich mit dem Bildhauer Sergej Konenkow, der als „russischer Rodin“ gelobt wurde. „Sie war so schön, es erschien mir, als sei sie das Werk eines großen Künstlers für mich“, beschrieb Konenkow seine Frau.

    Im Jahr 1923 kamen die Konenkows nach New York, um an einer Ausstellung sowjetischer Kunst teilzunehmen. Offiziell für mehrere Monate, aber es stellte sich heraus, dass sie erst nach zweiundzwanzig Jahren nach Hause zurückkamen. In den sowjetischen Realien war das etwas Ungewöhnliches. Die Antwort auf dieses Rätsel erschien später in den Erinnerungen des NKWD-Generals Pawel Sudoplatow, einem Verwaltungsleiter des Geheimdienstes zu Zeiten Stalins. 

    Nach seinen Worten war Margarita Konenkowa eine sowjetische Spionin, die unter dem Pseudonym „Lukas“ arbeitete. „Die Frau des berühmten Bildhauers Konenkow, unsere Vertrauensagentin, näherte sich den größten Physikern in Princeton, Einstein und Oppenheimer, an. (…) Sie hat es geschafft, die nähere Umgebung Oppenheimers zu bezaubern“, lobte der Offizier die Agentin.

    Einstein selbst war zwar kein konkretes Ziel, jedoch hätte die Sowjetunion über ihn und seine Schüler technische Details des US-Atomwaffenprogramms „Manhattan“ bekommen können. Vermutlich deswegen sollte Konenkowa Einstein mit dem stellvertretenden sowjetischen Konsul in New York, Pawel Michailow, bekannt machen. Die Aufgabe wurde offenbar erfolgreich erfüllt – in einem Brief erwähnte Einstein ein Treffen mit dem sowjetischen Konsul „bezüglich des Programms“.

    Sowjetische Bombe: „Made in USA“?

    Half Einstein den Sowjets dabei, eine Atombombe zu schaffen? Die amerikanischen Wissenschaftler lehnen diese Vermutung kategorisch ab. Einstein sei nicht am Nuklearprojekt beteiligt gewesen. Doch man kann nicht ausschließen, dass der „Großvater der Atombombe“ den sowjetischen Geheimdiensten bestimmte Informationen anbot. Obwohl der Physiker nicht direkt am Projekt beteiligt war, hatte er jedoch vollständige Informationen über den ganzen Prozess. Es genügt, daran zu erinnern, dass es sein Brief war, der Präsident Roosevelt überzeugte, die nukleare Entwicklung voranzutreiben.

    Viele Momente von Einsteins und Konenkowas Geschichte bleiben weiterhin unklar. Sowohl die amerikanischen als auch die russischen Geheimdienste halten die Akten zu diesem Fall unter Verschluss. Aber Eines zeigt die Geschichte doch: Echter Liebe sind alle Umstände egal.

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    Liebesbrief, Auktion, Atombombe, Physik, Spionin, Liebe, Geschichte, Jahrestag, KGB, Sergej Konenkow, Margarita Konenkowa, Albert Einstein, Sowjetunion, New York, USA, Moskau, Russland