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17:05 22 Juli 2019
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    Attacken auf Moscheen in NeuseelandAttacken auf Moscheen in Neuseeland

    Neuseeland: Tote bei Anschlägen auf Moscheen

    © AP Photo / Mark Baker © AP Photo / Mark Baker
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    In Christchurch ist es zu bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen gekommen, melden internationale Nachrichtenagenturen. Laut Polizeiangaben gibt es Tote und Verletzte.

    In zwei Moscheen der neuseeländischen Stadt Christchurch sind Schüsse gefallen.

    Die neuesten Informationen

    Auf einer Pressekonferenz bestätigte die Polizei den Tod von 49 Personen. Von den vier Verhafteten werde nur einer des Mordes angeklagt. Einer habe nichts mit der Tat zu tun, die anderen würden befragt. Unter den Verhafteten befindet sich auch eine Frau.

    41 Personen wurden in der Al Noor-Moschee im Stadtzentrum getötet, sieben weitere in der Linwood-Moschee. Eine Person starb im Krankenhaus.

    Zwei Moscheen betroffen

    Ein Angreifer stürmte gegen 13.45 Uhr Ortszeit (01.45 Uhr MEZ) in die Masjid Al Noor-Moschee an der Deans Avenue und eröffnete das Feuer. Das Nachrichtenportal Stuff berichtet unter Berufung auf Quellen, dass mindestens neun Menschen ums Leben gekommen seien. Bei dem Täter soll es sich um einen weißen Mann handeln, der laut Augenzeugen Tarnkleidung, einen Helm und eine schusssichere Weste trug.

    Später fielen dem Portal zufolge Schüsse in der Linwood Masjid-Moschee an der Linwood Ave.

    Das Portal schreibt, dass die Zahl der Toten nach den Schießereien 30 Menschen betragen kann. Dutzende Menschen sollen dabei verletzt worden sein.

    Die Polizei nahm Medienberichten zufolge vier Personen, drei Männer und ein Frau, fest.

    Ein Video, dass bei Twitter veröffentlich wurde, soll die Festnahme einer verdächtigen Person zeigen.

    ​Darüber hinaus teilte die Polizei mit, dass in mehreren Fahrzeugen der Angreifer Bomben entdeckt worden seien. Diese sollen bereits entschärft worden sein.

    Mutmaßlicher Angreifer

    Als mutmaßlicher Angreifer gilt lokalen Medienberichten zufolge unter anderem ein australischer rechtsextremer Bürger. Offenbar geht es um den 28 Jahren alten Brenton Tarrant, der seinen Angriff auf Facebook gestreamt hat. Twitter sperrte bereits seinen Account.

    Medienberichten zufolge soll im Auto des Mannes das Lied „Remove Kebab“ gelaufen sein. Das ist ein Lied von serbischen Soldaten über den Krieg im Jugoslawien, das den damaligen Präsidenten der serbischen Separatisten in Bosnien preist. Das Lied wurde Anfang 1990er in Form eines Videos aufgenommen, in dem es Drohungen gegen die Türken und Kroaten gab. 2008 wurde es Medienberichten zufolge bei YouTube unter dem Titel „Radovan Karadzic Haag bluz“ veröffentlicht. Dann wurde er mehrmals in einem Anti-Muslim-Kontext genutzt und verwandelte sich in ein Mem namens „Remove Kebab“.

    Derweil tauchte im Netz die Information auf, wonach Tarrant zwei Tage vor der Tat Fotos von seinen Waffen gepostet hatte. Auf den Magazinen, aus denen später knapp 50 Menschen getroffen wurden, sollen mit weißer Farbe Namen und Daten der europäischen Geschichte gestanden haben, die mit dem Kampf gegen Muslime zusammenhängen. Beispielweise sind es die Namen von Miloš Obilić, der dem damals großmächtigen osmanischen Heer gegenüberstand, und Marko Miljanow – dem bekannten montenegrinischen Schriftsteller und Militärchef, der für die Befreiung von der Herrschaft des Osmanischen Reiches kämpfte. Unter anderem wurden die Namen des britischen Admirals Edward Codrington, der sich an Kämpfen gegen die Türken beteiligte, und des österreichischen Feldmarschalls von Starhemberg, der am Großen Türkenkrieg teilnahm, gesichtet.

    ​Darüber hinaus veröffentlichte er ein Manifest, in dem er schrieb, dass Angela Merkel, Recep Tayip Erdogan und Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, getötet werden müssten.

    >>>Mehr zum Thema: Schütze von Neuseeland wollte Merkel und Erdogan töten

    Medienberichten zufolge arbeitete der Mann als Personal-Trainer bei dem Big River Gym in Grafton. Die Managerin des Fitness-Studios, Tracey Gray, bestätigte gegenüber dem TV-Sender ABC, dass es sich bei dem Mann, der die Attacke gefilmt hätte, um Tarrant gehandelt habe. Dabei fügte sie hinzu, er sei ein sehr engagierter Trainer gewesen.

    Unter anderem tauchte im Netz ein Foto von Brenton Tarrant auf, das in Pakistan aufgenommen worden sein soll. Medien berichten, dass er im vergangenen Jahr Pakistan besucht habe, dessen Bevölkerung mehrheitlich muslimisch ist. Er soll erzählt haben, dass Pakistan ein wunderbarer Ort sei, an dem die gutherzigsten und gastfreundlichsten Menschen der Welt leben würden.

    Erste Reaktionen

    Christchurchs Bürgermeisterin Lianne Dalziel appellierte an die Einwohner, die Innenstadt zu meiden. Sie sagte: „Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann.“

    Australiens Premierminister Scott Morrison stufte den Angriff derweil als Terrorakt ein. An der Attacke sei ein Australier beteiligt gewesen. Er sei bereits festgenommen worden. Wörtlich sagte Morrison: „Wir verurteilen diese Attacke, die heute von einem rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen begangen wurde, aufs Schärfste.“ Morrison zufolge kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. 

    Diese Informationen bestätigte auch Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Zuvor hatte sie die bewaffnete Attacke auf das Schärfste verurteilt. Sie sprach von einem der „dunkelsten Tage“ in der Geschichte ihres Landes. „Ich würde dies als eine Gewalttat beschreiben, wie es sie noch nie gegeben hat.“ Für solch ein Verbrechen gebe es „keinen Platz in Neuseeland“. Nun bezeichnete sich das Geschehene als „Terrorattacke“, die gut vorbereitet war. Sie fügte hinzu, dass neben 40 Toten auch mindestens 20 Menschen schwer verletzt worden seien.

    Der deutsche Außenminister Heiko Maas kommentierte via Twitter die jüngste Tragödie:

    Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich ebenfalls dazu: „Der Angriff auf Zivilisten, die sich zu einem Gebet versammelt haben, erschüttert durch seine Brutalität und den Zynismus. Ich rechne damit, dass alle in dieses Verbrechen verwickelten Menschen ihre verdiente Strafe bekommen werden.“ Der russische Staatschef äußerte seine Hoffnung auf die baldige Genesung aller Verletzten.

    Dieser Text wird ständig aktualisiert.

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    Tags:
    Tote und Verletzte, Attacke, Moscheen, Polizei, Schießerei, Jacinda Ardern, Neuseeland