23:16 20 April 2019
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    Gemüse (Symbolbild)

    Gegen den Verpackungs-Irrsinn: „Die Art unseres Einkaufens muss sich ändern“

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    Alexander Boos
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    Es ist ein bekanntes Ärgernis: Nach dem Einkauf wird jede Menge Verpackung mit nach Hause geschleppt. Dort werden die Waren von „Verpackungsmüll“ befreit, die Folge: Mehr Müll und Umweltbelastung. Doch immer mehr Läden setzten auf Unverpacktes. „Wir planen in Halle den ‚abgefüllt‘-Laden“, erklärt Firmengründer Hannes Schulz im Sputnik-Interview.

    Mehrere sogenannte Unverpackt-Läden sind in den letzten Jahren in Berlin, Köln, Leipzig, Chemnitz und anderen deutschen Städte eröffnet worden. Dieser Trend setzt sich weiter fort. In der ostdeutschen Stadt Halle a. d. Saale wird bald ein ähnlicher Kaufladen entstehen, geführt von den Gründern Hannes Schulz und Florian Thürkow. Der Hallenser Markt wird den Namen „abgefüllt“ tragen.

    „Wir sind beide Hallenser und hier großgeworden“, erklärte Schulz im Sputnik-Interview. „Uns ist mit der Zeit aufgefallen, dass man in Halle überhaupt nicht die Möglichkeit hat, über einen längeren Zeitraum unverpackt zu leben. Wenn man versucht mit wenig Verpackungsmüll einzukaufen, hat man in Halle keine Chance bisher gehabt. Da sich keine Alternative bot, haben wir uns gedacht: Dann müssen wir halt einen Laden eröffnen.“

    Laut der „Mitteldeutschen Zeitung“ ist in Sachsen-Anhalt – das betrifft auch Halle – „zuletzt mehr Verpackungsmüll angefallen. 2017 sammelten Entsorgungsbetriebe bei privaten Verbrauchern 179.181 Tonnen Verkaufsverpackungen ein, wie das Statistische Landesamt mitteilte.“

    Nicht nur Hallenser können für „abgefüllt“ spenden

    Sogenannte „Unverpackte Waren“-Läden wie das geplante „abgefüllt“ in der Saalestadt wollen gegen den „Verpackungs-Müllberg“ angehen. Sie bieten Kunden an, die gekauften Waren gleich selbst in eigenen Behältnissen aus dem Shop mit nach Hause zu nehmen. Der Vorteil ist offensichtlich: Die Verpackung der Ware – die ohnehin meist nach dem Einkauf weggeworfen wird – fällt weg. Eine schonende Idee für die Umwelt. Kunden haben so ein „aktiveres“ Einkaufserlebnis, indem sie die Ware gleich vor Ort selbst aus dem Regal nehmen und für sich abpacken.

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    Auf einer Internet-Seite für junge Startup-Unternehmen werben die beiden Firmengründer aus Halle bereits fleißig für ihre Idee. Über das Spendenportal „crowdfunding“ sollen noch bis zum Sommer insgesamt 38.000 Euro von bereitwilligen Spenderinnen und Spendern eingesammelt werden. Mit dieser Summe soll der Laden unter anderem mit einer Kühltheke sowie einer Kaffee- und einer Nusscreme-Maschine ausgestattet werden, so Schulz. „Dass man sich seine eigene Nusscreme selber herstellen kann“, erklärt Schulz.

    „Garantiert keine Einwegverpackungen“

    Das Geschäft „abgefüllt“ wird der erste Laden dieser Art in der „schönen Saalestadt“. Einwegverpackungen für Gemüse, Plastiktüten und Kaffee in Wegwerfbechern werde es in dem neuen Laden nicht geben. Die beiden Gründer seien davon überzeugt, dass sich „die Art, wie wir einkaufen grundlegend ändern muss. Weil wir sinnlos verpacken und immer wieder den Müll selbst mit einkaufen.“ 

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    Das kenne jeder, so Schulz: „Man kommt mit den frisch eingekauften Waren nach Hause und packt sie um, weil man sie dekorativ eher im Glas haben möchte. Zum Beispiel Müsli. Und das Müsli-Gefäß, sprich die Tüte, landet so wie sie ist in den Müll. Sie hat keine weitere Bedeutung außer für den Transport letztendlich zu mir nach Hause. Von daher muss sich das Einkaufsverhalten früher oder später definitiv ändern.“ Er sehe anhand der bereits vorhandenen Unverpackt-Läden, dass immer mehr Kunden in Deutschland bereit seien, diesen Weg zu gehen. „Die Kunden genießen das. Man greift nicht einfach nur ins Regal, sondern man kann schauen: Ich nehme von diesem Müsli nur wenig mit, nur zum Probieren. Durch unseren Laden bekommt man eine ganz andere Ruhe ins Einkaufen. Man überlegt ganz anders im Vorfeld: Welche Behälter nehme ich von zuhause mit? Und man geht interessierter durch den Laden durch.“

    Studenten und Senioren

    Da in der Studentenstadt Halle der Campus der Universität weit verteilt sei, seien auch Studentinnen und Studenten mögliche Kunden, die sich bald ihre Waren selber abfüllen. Die potentielle Kundschaft ziehe sich durch die ganze Gesellschaft. „Von Studenten bis zu Schülern, die das toll finden, hin zu älteren Leuten, die schon länger im Berufsleben stehen.“ Viele Menschen würden sich wünschen, ohne „diesen Verpackungsmüll“ einkaufen zu können. Die jugendliche Kundschaft werde vor allem über soziale Medien wie „Instagram“ und „Facebook“ angesprochen. Senioren würden „sich teilweise freuen, dass sie keine großen Mengen bei uns kaufen müssen.“ Der Geschäftsgründer nannte ein Beispiel.

    Wenn eine Großmutter beispielsweise nur 500 Gramm Mehl braucht, könne sie sich genau diese Menge über ein selbst mitgebrachtes Behältnis aus dem „abgefüllt“-Laden mit nach Hause nehmen. Dann müsse die alte Dame nicht eine Ein-Kilogramm-Packung mit nach Hause „schleppen“. Denn die angebotenen Waren werden in großen Behältern – sogenannten „Bins“ – im Laden aufbewahrt, wie er im Interview erläuterte. Aus diesen Bins wiederum könne sich jede Kundin und jeder Kunde seine Waren herausnehmen.

    Das schone Umwelt und den eigenen Geldbeutel. „Lasst uns gemeinsam auf Plastik verzichten und einen Ort des umweltfreundlichen Lebens kreieren“, heißt es auf der Startup-Website. Bei erfolgreicher Finanzierung soll „abgefüllt“ im Sommer in der Kardinal-Albrecht-Straße in Halle seine Pforten öffnen.

    Mehr Informationen unter: https://abgefüllt-halle.de/

    Das Radio-Interview mit „abgefüllt“ zum Nachhören:

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    Tags:
    Einkaufen, Verpackung, Laden, Geschäft, Müll, Umweltschutz, abgefüllt, Hannes Schulz, Sachsen-Anhalt, Deutschland