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    Sahra Wagenknecht (Archivbild)

    Sputnik-Leser haben abgestimmt: „Ohne Wagenknecht ist die Linke verloren“

    CC BY-SA 4.0 / Maritn Rulsch / Wikimedia Commons
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    Die Meldung, dass Sahra Wagenknecht nicht mehr als Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke kandidieren will, sorgte vor einigen Tagen für großen Wirbel. Wir fragten daraufhin unsere Leser: Wer sollte im Herbst der Nachfolger oder die Nachfolgerin Wagenknechts werden? Die Antwort ist mehr als eindeutig.

    Der angekündigte Rückzug Sahra Wagenknechts von der Fraktionsspitze traf nicht nur in ihrer eigenen Partei auf ein geteiltes Echo. Während einige Politiker des Reformer-Flügels der Linkspartei den Schritt begrüßten, beklagt der linke Flügel eine künftig wichtige fehlende Stimme. Wagenknecht ist neben ihrem Vorgänger Gregor Gysi das aktuell bekannteste Gesicht ihrer Partei. Deshalb stellt sich zu Recht die Frage: Wer könnte die 49-Jährige womöglich ersetzen?

    Dem Untergang geweiht?

    Eine entsprechende Umfrage unter unseren Lesern kommt hier zu einem klaren Ergebnis. Innerhalb von einer Woche haben mehr als 2.500 Personen daran teilgenommen. Eine Mehrheit, nämlich 56,9 Prozent der Befragten, entschieden sich für die Antwort „Ohne Wagenknecht ist die Linke verloren“. Das hängt aber wohl sicher auch davon ab, welche Rolle die bisherige Fraktionsvorsitzende künftig im Bundestag spielen wird und welche Kompetenzen ihr von der Linkspartei weiterhin zugestanden werden. Auch hieß es bereits nach dem Rückzug von Gregor Gysi von der Fraktionsspitze im Jahr 2015, die Linke sei dem Untergang geweiht, doch bei den darauf folgenden Bundestagswahlen legte die Partei prozentual sogar noch einmal zu.

    ​Das führt uns zur Antwort mit den zweitmeisten Stimmen: 17,5 Prozent der Befragten sprachen sich bei unserer Umfrage für die Antwort aus „Gregor Gysi soll zurückkommen“. Der Berliner war von 2005 bis 2015 Fraktionschef der Linke im Bundestag, zuletzt in dieser Zeit sogar Oppositionsführer. Aktuell ist Gysi Präsident der Europäischen Linke, ein auf EU-Ebene organisierter Zusammenschluss linkssozialistischer und postkommunistischer Parteien. Eine Rückkehr Gysis an die Spitze der Bundestagsfraktion gilt deshalb als ausgeschlossen — auch weil der 71-Jährige altersbedingt etwas kürzer treten will.

    Aus zwei mach eins?

    Auf Platz drei unserer Leserumfrage findet sich eine Alternative wieder, die durchaus wahrscheinlicher ist: 8,7 Prozent erreichte die Variante „Dietmar Bartsch soll die Fraktion alleine führen“. Bartsch übernahm die Fraktionsspitze 2015 gemeinsam mit Sahra Wagenknecht. Anfangs wurde der gebürtige Stralsunder dem Reformer-Flügel der Linken zugerechnet, doch über die Jahre positionierte er sich mittiger, kämpfte mit Wagenknecht für ähnliche Ziele und erntete Respekt aus allen Teilen der Partei. Gegen die Variante eines einzelnen Fraktionschefs spricht aber die bisherige Linie der Linke, eine Doppelspitze zu wählen, die bestenfalls aus einem Mann, einer Frau, einem ost- und einem westdeutschen Vertreter bestehen sollte.

    Zusammenstehen, zusammen gehen…

    Auf Platz vier wurde die Antwort gewählt, dass die Linkepolitikerin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sevim Dagdelen die Nachfolge von Sahra Wagenknecht übernehmen solle. 4,8 Prozent unserer Leser entschieden sich für diese Alternative. Doch dieser Lösung schob Dagdelen selbst bereits einen Riegel vor: Die 43-Jährige erklärte nur wenige Tage nach Wagenknechts Ankündigung, dass sie selbst nicht für den Fraktionsvorsitz und auch nicht erneut für ihr Amt als Fraktions-Vize kandidieren wolle. Ihre Begründung: Man könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

    ​Auch der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi gilt für einige Sputnik-Leser als adäquater Wagenknecht-Nachfolger. Mit 1,3 Prozent der Stimmen landete er auf Platz fünf unserer Umfrage. De Masi zählt ebenfalls zum linken Flügel seiner Partei, der Finanzexperte ist außerdem einer der führenden Köpfe der „Aufstehen“-Bewegung, die einst von Wagenknecht und ihrem Ehemann Oskar Lafontaine ins Leben gerufen wurde. Doch der 39-Jährige ist in der Bevölkerung noch recht unbekannt, auch dürfte er in der eigenen Partei nicht genug Rückhalt für ein Spitzenamt bekommen. Vielleicht ist die Zeit des Deutsch-Italieners auch einfach noch nicht gekommen.

    Unbeliebte Doppelfunktion…

    Mit nur 1,1 Prozent landet die Antwort „Die Parteispitze (Kipping / Riexinger) soll auch die Fraktion führen“ auf dem vorletzten und damit sechsen Platz. Seit 2012 sind Katja Kipping und Bernd Riexinger gemeinsam Parteivorsitzende der Linke. Die Dresdnerin und der Stuttgarter erlangten bei ihrer Wiederwahl aber zuletzt weniger Zustimmung, als zu Beginn ihrer Amtszeit. Während Kipping als Vertreterin des Reformer-Flügels immer wieder mit Wagenknecht aneckte, ergriff der Gewerkschaftler Riexinger zumeist Partei für Kipping. Sollten beide auch für den Fraktionsvorsitz kandidieren, dürfte das in Teilen der Partei und der Bevölkerung auf Unmut stoßen.

    Eine linke Stimme…

    Auf dem letzten Platz landet schließlich die Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel, 0,7 Prozent der Befragten trauen ihr das Amt der Fraktionschefin zu. Hänsel ist der antikapitalistischen Linken zuzurechnen, sie ist Leiterin des Arbeitskreises Außenpolitik der Linksfraktion und stellvertretende Fraktionschefin. Die 53-Jährige zweifelte die Anschuldigungen gegen Russland im Fall Skripal an, die syrischen Weißhelme bezeichnete sie als islamistische Terrorgruppe. Das brachte ihr viel Kritik auch innerhalb der eigenen Partei ein, weshalb sie  — ebenso wie De Masi – wohl nicht genug Stimmen in der Fraktion für ein Spitzenamt erwarten kann. Doch die Baden-Württembergerin bleibt bestimmt auch in Zukunft eine laute und wichtige Stimme im linken Flügel ihrer Partei.

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    Tags:
    Nachkomme, Rücktritt, Umfrage, PdL, Linkspartei, Bundestag, Die LINKE-Partei, Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Gregor Gysi, Deutschland