16:35 25 April 2019
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    Hollywood-Schauspieler John Travolta in Moskau

    John Travolta: „Darauf können Russen stolz sein. Dumm, das zu bestreiten“ – EXKLUSIV

    © Sputnik / Ekaterina Tschesnokowa
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    „Ich habe eine faszinierende Erinnerung, und sie ist mit Russland verbunden: Es war Mitternacht und es schneite. Ich war etwas angetrunken und saß in einem Moskauer Restaurant. Es gab Kaviar und Wodka, ja. Und draußen stand eine herrliche Kirche – bezaubernd schön! Das habe ich in meinem Gedächtnis behalten – und möchte, dass es sich wiederholt.“

    John Travolta ist wieder nach Moskau gekommen und hat in einem exklusiven Interview für RIA Novosti erzählt, warum er Russland liebt, ob es leicht ist, ein Star zu sein, wem er wirklich vertrauen kann und was er vom Leben noch erwartet.

    Travoltas Moskau

    Ich habe Moskau vor fünf Jahren besucht, und davor, während einer Tour von Europa nach Australien, war ich hier drei Tage lang gewesen. Zuvor war ich noch in St. Petersburg.

    Wie hat sich Moskau in diesen Jahren aus Ihrer Sicht verändert?

    Es hat sich sehr stark verändert – seit meinem ersten Besuch vor etwa 15 Jahren. Damals schien mir Moskau sehr kommerzorientiert zu sein – jedenfalls im Vergleich zu St. Petersburg. Aber zwischen dem, wie es vor fünf Jahren war, und dem, wie es jetzt ist, sehe ich keinen großen Unterschied.

    Warum haben Sie die Einladung angenommen, Sondergast der BraVo Classic Awards zu werden?

    Man hatte mich auch früher ein paar Mal eingeladen, doch wegen meines überfüllten Terminkalenders hatte ich keine Möglichkeit dazu. Aber in diesem Jahr ist es mir gelungen. Ich kann mich an meine Russland-Reisen gut erinnern, es gefällt mir hier. Und ich wollte noch einmal zurückkehren, diesmal mit meiner Familie. Also habe ich meine Kinder mitgenommen, meine zwei Schwestern sind auch dabei.

    Haben Sie mit Richard Gere gesprochen?

    Als Sie es vor zwei Jahren nicht geschafft hatten, kam Richard Gere zur BraVo-Award-Zeremonie – es ist nun einmal so: Wenn Sie absagen, dann wird unbedingt er eingeladen („Travolta hat abgesagt? – Dann holen wir halt Gere!“).

    Ja, das ist bei ihm und mir immer so. Es ist ja interessant, wie oft ihm diese Frage gestellt wurde.

    Wohl sehr oft. Ich will Sie das nicht noch einmal fragen.

    Haben Sie Richard Gere interviewt?

    Ja, das war vor etwa 20 Jahren – er war der erste ausländische Schauspieler, den ich interviewt habe. Aber das habe ich ihn nicht gefragt.

    Okay. Ich glaube, es gibt sechs Filme, wo er spielte, nachdem ich abgesagt hatte. Die kann ich sogar aufzählen: „Days of Heaven“ (1978), „American Gigolo“ (1980), „An Officer and a Gentleman“ (1982).

    Auch die Rolle in „Pretty Woman“ (1990) war eigentlich für mich bestimmt, aber mein Management war dagegen, dass ich dort spiele. Und dann gibt es noch das Musical „Chicago“ (2002) und vielleicht noch etwas, ich weiß es nicht mehr.

    Und es gab noch ein paar Fälle, als nicht ich, sondern Tom Hanks spielte: „Splash“ (1984) und „Saving Private Ryan“ (1998).

    Und umgekehrt: Im Streifen „Primary Colors“ (1998) spielte ich und nicht Tom. Naja, bei uns Schauspielern kommt so etwas schon vor.

    Die Russen haben etwas, worauf sie stolz sein dürfen

    Ich stelle Ihnen eine auf den ersten Blick leichte Frage: Was halten Sie von der russischen Kultur?

    Nun ja, sie ist großartig und faszinierend! Die besten Maler, Schauspieler, Schriftsteller, die beste Musik, das beste Ballett – was auch immer! Das ist alles Russland – das kann man unmöglich bestreiten. Und wenn jemand das bestreitet oder ignoriert, dann ist das dumm. All das Herrliche – das ist die Basis dessen, was Russland hat. Ihr habt etwas, worauf Ihr stolz sein dürft.

    Wer steht Ihnen besonders nahe? Wer ragt für Sie persönlich heraus?

    Ich mag Tschechow, Dostojewski. Unter den russischen Malern gefallen mir Kandinski, Malewitsch. Und natürlich ist mir alles nah, was mit dem Tanzen, mit dem Ballett verbunden ist: Balantschin, Nurijew, Baryschnikow.

    Aber unsere bekanntesten Tänzer – alle, die Sie gerade aufgezählt haben – haben leider Russland bzw. die Sowjetunion verlassen.

    Ach, kommen Sie! Sie sind trotzdem Russen, sie wurden hier geboren, sie studierten und arbeiteten hier.

    Ich hatte einen Choreografen – er wusste alles über die russische Ballettschule, und dank ihm weiß ich das alles auch.

    Meine Mutter war Schauspielerin, und sie griff auch auf die Methoden der russischen Theaterschule zurück…

    Stanislawski?

    Ja. Bei Euch gibt es ja so viele Bühnentricks, die man lernen muss. Und das tat ich auch.

    Warten und auswählen

    Sie sind aufgrund Ihrer Musicals weltberühmt geworden. Möchten Sie diese Erfahrung noch einmal erleben?

    Das würde ich sehr gerne – ich vermisse diese Arbeit. Ich tanze und singe sehr gern. Aber das ist nicht das belilebteste Genre, und man muss Geduld haben – warten und gründlich auswählen. Und ich warte, bis etwas wie Tarantino auftaucht, und dann werde ich wieder Glück haben.

    Und sollten bei Euch in Russland passende Ideen entstehen, dann sagen Sie mir Bescheid!

    Sehen Sie fern?

    Ja, natürlich.

    Haben Sie Lieblings-Shows oder TV-Serien?

    Oh, ich mag „Marvelous Mrs. Maisel“ und „Mad Men“ sehr.

    Freunde, Idole, Manipulationen

    Welcher Streifen hat Ihr Leben verändert?

    Vor allem „Saturday Night Fever“ (1977) – das war ja die Basis, der fundamentale Streifen für mich. Und natürlich auch „Pulp Fiction“ (1994).

    Ja, ich weiß, dass Auszüge aus diesen Filmen allseits populär sind. Das ist natürlich toll.

    Okay, Sie haben, sagen wir, einen Film wie „Saturday Night Fever“ oder „Pulp Fiction“ gedreht. 30 oder 40 Jahre später kennen Menschen diese Filme immer noch und reden darüber. Das ist doch fantastisch, wenn es solche Filme gibt – für alle Zeiten, also für immer und ewig! Ich mag so etwas.

    Mit wem sind Sie befreundet? Wer half Ihnen in schweren Zeiten? Waren Sie irgendwann von irgendwelchen Freunden enttäuscht?

    Das ist eine interessante Frage. Das sind wohl die Menschen, an die ich wirklich und aufrichtig gebunden war, die mir in guten und auch in schweren Zeiten zur Seite standen. Ich bin so ein Typ, der seine Freunde nicht gerne mit seinen Problemen belastet. Wenn ich jemanden bezahle (meine Anwälte, meinen Berater, meine Assistenten), dann ja – ich bitte sie, mir bei der Regelung von irgendwelchen schwierigen Fragen zu helfen, und meine Freunde will ich nicht stören. Wenn es mir Spaß macht oder wenn ich ihre Meinung erfahren will, dann frage ich sie natürlich. Aber wenn ich wirklich Probleme habe, werde ich sie nicht stören.

    Meine nächsten Menschen sind meine Familie und noch ein paar Freunde – das sind keine prominenten Personen, keine Stars, und Sie kennen sie wohl nicht. Unter den bekannten Persönlichkeiten habe ich sehr gute Beziehungen zu Barbra Streisand, Tom Hanks, Steven Spielberg, Pitbull – ich kann sie meine Freunde nennen.

    Ist es leicht, ein Star und ein Idol gleich für mehrere Generationen zu sein, dessen Zitaten, Tänzen und sogar Gesten etliche Memes gewidmet sind?

    Wissen Sie… Wer kann schon sagen, wie man Star und Idol wird? Das klappt halt – und das war es. Das Kanonische an mir – der schwarze Anzug und der Tanz in „Pulp Fiction“ – ist ja so eine Star-Illusion! Es gefällt Ihnen doch, ihn zu sehen, sich daran zu erinnern. Und mir gefällt es auch!

    Davon werde ich, ehrlich gesagt, nie müde. Und es ist sehr angenehm, dass man im Zusammenhang mit dieser oder jener Gestalt an mich denkt. Denn dann glaube ich, etwas Besonderes geschaffen zu haben, woran Menschen immer noch denken; das ist für sie wichtig.

    Aber es ist doch eine große Verantwortung, ein Idol für Millionen Menschen zu sein. Man muss sich immer kontrollieren – was man sagt, was man tut, wie man die Menschen beeinflusst…

    Das ist wahr. Aber ich muss auch deswegen auf meine Worte und Taten aufpassen, weil ich meine eigenen Kinder, meine Frau – meine Familie – habe. Das ist besonders wichtig.

    Oscar-Statuen
    © AFP 2019 / ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

    Aber wenn Sie mir sagen: „Ich fliege nicht gern“, dann werde ich nicht darauf bestehen, werde nicht einmal darüber sprechen. (John Travolta ist unter anderem ausgebildeter Pilot und besitzt mehrere Flugzeuge – Anm. d. Red.). Ich werde Sie nicht unter Druck setzen, auf Ihre sensiblen „Knöpfe“ drücken, nach Ihren schwachen Stellen suchen.

    Ob man berühmt ist oder nicht – eine der wichtigsten Regeln eines richtig glücklichen Lebens lautet: Versuche nicht, jemanden zu manipulieren.

    I need love

    Vor etwa einem Jahr wurde ein Video viral, auf dem Sie bei den Filmfestspielen in Cannes zu einem Song von 50 Cent tanzen…

    Ja, genau. Das war Wahnsinn.

    Möchten Sie sich vielleicht als Rapper ausprobieren? Dieses Genre ist immerhin nicht nur in der Musik, sondern auch im sozialen Leben aktuell, und zwar weltweit.

    Ich ziehe es vor zu tanzen, wenn Rap erklingt – aber nicht zu singen bzw. zu deklamieren. Zu meinen guten Freunden gehören die Rapper Pitbull und 50 Cent. Ich mag ihre Musik – ich genieße sie quasi.

    Das ist die neue Poesie für mehrere Generationen, denn die Rap-Musik entwickelt sich schon seit mehr als 30 Jahren und hat sich in dieser Zeit als Teil der internationalen Kultur etabliert – ernsthaft und auf lange Zeit. Das ist die Poesie, in der sich die Menschen selbst ausdrücken.

    Wenn es Ihnen Spaß macht, kann ich etwas deklamieren:

    When I'm alone in my room

    Sometimes I stare at the wall

    And in the back of my mind

    I hear my conscience call

    Telling me I need a girl who's as sweet as a dove

    For the first time in my life I see I need love.

    Und so weiter… Das kann ich, ja.

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    Tags:
    Filme, Schauspieler, Ballett, Tanz, Interview, BraVo Classic Awards, Pitbull, John Travolta, Rapper 50 Cent, Richard Gere, Anton Tschechow, Kasimir Malewitsch, Fjodor Dostojewski, Hollywood, Sowjetunion, St. Petersburg, USA, Moskau, Russland