04:03 12 Dezember 2019
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    Berlin Alexanderplatz (Archivbild)

    Influencer im Visier: Massenschlägerei am Alex - Akteure, Ursachen, Hintergründe

    © AFP 2019 / John Macdougall
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    Bei den Schlägern am Alexanderplatz handelt es sich wohl um Fans rivalisierender Youtuber. Im Kampf um Abonnenten gehen sogenannte Influencer sonderbare Wege. Hier tauschten deren zwei im Vorfeld Ehrenrühriges aus. Die jeweilige Fangemeinde geriet in Streit: Neun Festnahmen, Waffenfund, Verletzte. Benjamin Jendro (GdP) nimmt eine Einordnung vor.

    „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, als Influencer hat man gegebenenfalls auch eine Verantwortung für andere Menschen […] man muss es sich genau angucken, ob da das Verursacherprinzip greift […] aber auf die beiden wird man jetzt schauen.“ sagt Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei im Interview mit Sputnik.

    Die Akteure:

    Die Akteure sind Thatsbekir aus Stuttgart mit mehr als 260.000 und Bahar Al Amood aus Berlin mit fast 14.000 Abonnenten. Einem Video zufolge hat Al Amood seinen „Kontrahenten“ zum „Reden“ einbestellt, auf dass der sich für eine im Vorfeld etwas aus dem Ufer gelaufene Konversation entschuldige. Es ginge schließlich um die Ehre.

    Die Hintergründe:

    Der Konflikt entstand wohl schon  vor ein paar Monaten – im Januar 2019. Die Youtuber hatten einige Live-Übertragungen auf Instagram zusammen, wo bald mehr als trefflich konversiert wurde: Das Gespräch lief letztendlich auf gegenseitige Beleidigungen hinaus.

    Der Baden-Württemberger Thatsbekir nannte Bahar Al Amood „Berliner Affe“, wie aus einer sogenannten Instagram-Live-Übertragung der Social-Media-Plattform hervorgeht, die auf das Video-Portal Youtube am 18. Januar 2019 eingestellt wurde. Über 264.500 Aufrufe indizieren, dass dieser Umstand von gewissem Interesse sein mag.

    Das konnte der Berliner wohl nicht unkommentiert lassen. Neben der medialen Auseinandersetzung auf Instagram entwickelte sich der Konflikt auf anderen Plattformen weiter.  So veröffentlichte Bahar Al Amood für seine Fangemeinde das Video „Thatsbekir hat Angst“ am 10.Februar 2019 — es soll vor Unflätigkeiten nur so gestrotzt haben, heißt es aus eingeweihten Kreisen. Mittlerweile ist es ebenfalls vom Portal Youtube verschwunden.

    Standfoto aus dem gelöschten Video
    © Foto : Screenshot
    Standfoto aus dem gelöschten Video

    Ebenso verschwunden ist ein am 3. März eingestelltes Video:  Bahar Al Amood soll seinen Kontrahenten, der zuvor wegen einer rührseligen Geschichte um seine Kamera geweint haben soll, ausgelacht und kommentiert haben, dass er eine Schande für alle Muslime und Türken sei. (Video „ThatsBekir veröffentlicht meine Nummer!“ vom 03. März 2019 — am Freitag jedoch gegen 12:00 Uhr entfernt). 

    In diesem Video soll es zudem Quellenangaben zufolge geheißen haben: „Die Leute kommen zu deinem Treffen nur, wenn ich dabei bin. Aktion wird passieren!“ Er habe vorgeschlagen, doch gemeinsam ein Video zu drehen.

    Mit vereinten Kräften sozusagen auf Abonnentenjagd.

    Nach der Schlägerei am Donnerstag, bei der es neun Festnahmen gab, meldete sich der Berliner Al Amood: „Eigentlich sollte es ein ruhiger Fantreffen sein, aber es tut mir leid, dass es eskaliert hat“, hieß es auf seinem Instagram-Account (Instastories am 21. März 2019, gegen 22:20 Uhr). Zudem ließ er es sich nicht nehmen,  Gunstbezeugungen der holden Weiblichkeit nach den Vorfällen zu preisen und sich zu bedanken. Der Youtuber kündigte an, ein Statement zum Geschehen noch am Freitag zu veröffentlichen und in einem Video zu erklären, was eigentlich hinter den Kulissen passiert sei: „Es war ein Versprechen und dieses Versprechen wurde nicht gehalten. Und deswegen wurde dies Streit auch komplett eskaliert.“

    • Gepostet gegen 18:00h am Donnerstagabend nach den Ereignissen auf dem Berliner Alexanderplatz  (Beim Klicken auf das Bild wird das Vollformat zugänglich)
      Gepostet gegen 18:00h am Donnerstagabend nach den Ereignissen auf dem Berliner Alexanderplatz (Beim Klicken auf das Bild wird das Vollformat zugänglich)
      © Foto : Instagramseite von Bahar Al Amood
    • Gepostet gegen 22:00h am Donnerstagabend nach der Massenschlägerei im Herzen Berlins  (Beim Klicken auf das Bild wird das Vollformat zugänglich)
      Gepostet gegen 22:00h am Donnerstagabend nach der Massenschlägerei im Herzen Berlins (Beim Klicken auf das Bild wird das Vollformat zugänglich)
      © Foto : Instagramseite von Thatsbekir
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    © Foto : Instagramseite von Bahar Al Amood
    Gepostet gegen 18:00h am Donnerstagabend nach den Ereignissen auf dem Berliner Alexanderplatz (Beim Klicken auf das Bild wird das Vollformat zugänglich)

    Nachtrag:

    Neun vorläufige Festnahmen und, was laut Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro, wohl für die Aktuere mit im Vordergrund gestanden haben mag: mehr sogenannte Clicks, also Webseitenaufrufe und auch mehr Follower, damit sind die Abonnenten gemeint.

    Bahar al Ahmoods Videokanal verzeichnet bereits 25.000 mehr Aufrufe als noch am Donnerstag vor der Prügelei und etwa 1.000 neue Abonnenten bei Youtube. Thatsbekir hingegen 300 Follower mehr und 20.000 Aufrufe seiner Seite.

    Die Einordnung:

    Neben den vorläufigen Festnahmen und dem Waffenfund wurden auch zwei Polizisten verletzt. Sputnik sprach mit dem Pressesprecher der GdP, Benjamin Jendro, über den Vorfall auf dem Alex:

    Denn zu klären gilt, was die beiden Influencer, die sich trafen und ihre Fanbase dorthin zitierten, mit dem Geschehen zu tun haben – wer Verursacher ist und welches strafrechtliche Nachspiel zu erwarten ist.

    „Ihr Plan ging anscheinend auf“: mehr Follower, mehr Abonnenten, mehr Clicks für ihre Seiten zu generieren, so Jendro. Das Problem sei, dass gar nicht aktiv zu Straftaten auf den Plattformen wie Youtube oder Instagram aufgerufen werden müsste. Es reiche schon aus, Konflikte über die Kanäle in die Öffentlichkeit zu tragen, die dann zu so einer pulverfassähnlichen Situation wie auf dem Alexanderplatz führten.

    Es sähe so aus, dass sich die beiden Akteure durchaus darüber im Klaren gewesen seien, wer ihnen da folge, und dass sie die Eskalation zwischen den beiden Fangemeinden mit in Kauf genommen hätten. Allerdings sei genau zu prüfen, ob das Verursacherpinzip greift. Generell sei es für die Behörden allerdings sehr schwierig, alle Influencer diesen Kalibers im Auge zu behalten.

    Das komplette Interview mit Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei zum Nachhören:

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    Tags:
    Blogger, Migrationshintergrund, Schlägerei, Alexanderplatz, Polizeigewerkschaft GdP, Youtube, Benjamin Jendro, Stuttgart, Berlin, Deutschland