06:49 08 Dezember 2019
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    Zyklon „Idai” in Mosambik

    Zyklon „Idai”: Helfer warnen in Mosambik vor schweren Epidemien

    © REUTERS / Josh Estey/Care International
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    Es kommt täglich mehr Hilfe nach Mosambik, aber auch das Ausmaß der humanitären Katastrophe wird immer deutlicher. In den überschwemmten Gebieten im Zentrum des Landes im südlichen Afrika steigt Helfern zufolge die Angst vor dem Ausbruch schwerer Durchfallerkrankungen wie Cholera und Typhus.

    Rund 700 Menschen sind nach Regierungsangaben wegen „Idai” ums Leben gekommen – die tatsächliche Zahl dürfte nach Einschätzung von Helfern jedoch deutlich höher liegen, so die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Am 15. März hatte der schwere Tropensturm weite Teile von Mosambik, Malawi und Simbabwe verwüstet und mit heftigen Regenfällen vor allem in Mosambik weite Landstriche unter Wasser gesetzt.

    >>>Mehr zum Thema: Wegen Überschwemmungen nach Zyklon: Mosambik ruft Notstand aus<<<

    Das Katastrophengebiet erstreckt sich über Hunderte Kilometer von Mosambik nach Simbabwe und Malawi. Hilfsorganisationen sprechen von einer großen humanitären Krise. Nach UN-Schätzungen sind rund drei Millionen Menschen betroffen. Allein in Mosambik sollen rund 400.000 Menschen zeitweise obdachlos geworden sein, teilte dpa am Montag mit.

    ​Viele Orte in Mosambik sind wegen der Überschwemmungen nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten und können nur per Boot oder aus der Luft erreicht werden. In der Großstadt Beira gab es auch weiterhin keinen Strom. Weil es auch keine geregelte Versorgung mit Trinkwasser und nur mangelnde Hygiene gab, rechneten Experten mit dem Ausbruch von Krankheiten. Es seien vorsorglich Cholera-Behandlungszentren errichtet worden, hatte ein Minister am Sonntag erklärt.

    Helfer machten sich zudem Sorgen über die Tausenden Kinder, die wegen des Sturms ihre Eltern verloren haben oder von ihren Familien getrennt wurden.

    „Wir müssen jetzt sehr schnell handeln, damit diese Kinder nicht in die Hände von Menschenhändlern fallen oder Opfer von sexueller Gewalt oder Frühverheiratung werden”, teilte Claire Rogers, die Chefin von World Vision Australien, in Beira mit. Die Not sei groß.

    Babys, die im Krankenhaus in Beira behandelt wurden, starben, als der Strom für ihre Pflege ausging, wie Rogers schilderte. Das Krankenhaus wird mit Hilfe von Generatoren mit Strom versorgt.

    In Mosambiks Nachbarland Simbabwe stieg die Zahl der Todesopfer infolge des Sturms laut Regierung inzwischen auf 259. Allerdings gab die Regierung eine Entwarnung: Ein Staudamm im Bezirk Chimanimani, der zuvor laut Zivilschutzbehörde zu brechen drohte, wurde für sicher erklärt. Zuvor hatten die Behörden Tausende Menschen stromabwärts zur Evakuierung aufgefordert.

    >>>Mehr zum Thema: Tropensturm Idai: Todesopferzahl steigt auf 82<<<

    Bislang keine Deutschen wegen Zyklon „Idai” in Not

    Die verheerenden Folgen des Tropensturms „Idai” in Malawi, Simbabwe und vor allem in Mosambik scheinen bislang keine deutschen Staatsbürger direkt zu betreffen. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Montag, es gebe bislang keine bekannten Notfallmeldungen Deutscher. In Mosambik und Simbabwe seien jeweils rund 200 Staatsbürger in der elektronischen Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eingetragen, in Malawi etwa 300. Wie viele Deutsche genau in den drei Ländern leben, lasse sich nicht eindeutig sagen, da ein Eintrag in die Listen nicht verpflichtend ist.

    In Simbabwe und Malawi waren von den Folgen des Zyklons vor allem ländliche Gegenden betroffen, in denen kaum westliche Ausländer leben. In Mosambik war die Großstadt Beira mit 500 000 Einwohnern betroffen. Es war jedoch anzunehmen, dass die meisten Deutschen in der südlichen Hauptstadt Maputo leben.

    Welthungerhilfe weitet Soforthilfe aus

    Die Welthungerhilfe weitet ihre Soforthilfe für die Opfer des verheerenden Zyklons Idai in Mosambik, Malawi und Simbabwe aus. Dies teilte die Organisation auf dem Presseportal am Montag mit. 700.000 Euro werden für die Katastrophengebiete zur Verfügung gestellt, um dringend benötigte Hilfsgüter zu verteilen. In Simbabwe konzentriert sich die Hilfe auf den besonders betroffenen Distrikt Chimanimani.

    ​Um etwa 100.000 Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglich, werden Chlortabletten verteilt und Brunnen instandgesetzt. Gleichzeitig werden Seife und weitere Hygieneartikel verteilt. Vier Mitarbeiter aus dem Nothilfeteam sind zusätzlich am Wochenende nach Mosambik gereist, um die europäischen Alliance2015- und lokale Partnerorganisation vor Ort zu unterstützen, hieß es.

    >>>Mehr zum Thema: Tote und Verwüstungen durch Zyklon „Idai” — Deutsches Rotes Kreuz bietet Soforthilfe<<<

    Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in den drei Ländern rund 600.000 Häuser zerstört worden und mehr als 2,6 Millionen Menschen brauchen dringend Unterstützung zum Überleben.

    „Wir gehen davon aus, dass diese Zahlen noch weiter steigen werden in den kommenden Wochen, denn für die nächsten Tage sind vor allem in Mosambik und Malawi neue schwere Regenfälle angekündigt. Das Wasser kann nirgendwo abfließen und wir befürchten den Ausbruch von Seuchen wie Cholera und Malaria. Viele Gebiete sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten und das ganze Ausmaß der Zerstörung ist auch 10 Tage nach dem Sturm noch immer nicht absehbar. Deshalb können wir auch nur schrittweise Hilfe leisten”, beschreibt Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, die äußerst schwierige Lage in den Ländern.

    Zuvor war berichtet worden, das Deutsche Rote Kreuz nach eigenen Angaben 50.000 Euro Soforthilfe für die Betroffenen zur Verfügung gestellt und deutsche Bürger zu Spenden aufgerufen hatte. Das Deutsche Rote Kreuz unterstütze aktuell die Helfer des Mosambikanischen Roten Kreuzes vor Ort.

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    Tags:
    Epidemie, Katastrophe, Spenden, Hilfe, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Deutschland, Malawi, Simbabwe, Mosambik