06:37 08 Dezember 2019
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    Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“

    Was auf der „Viking Sky“ passierte – russisches Besatzungsmitglied berichtet

    © REUTERS / NTB Scanpix/Svein Ove Ekornesvag
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    Die ganze Welt hat einige Tage lang gespannt die Rettungsoperation des Kreuzfahrtschiffs „Viking Sky“ vor der norwegischen Küste verfolgt. Wie ein russisches Besatzungsmitglied die Havarie auf hoher See erlebte, wie die Rettung des Schiffs bewertet wird und wie man sich in solchen Notfällen verhalten sollte – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Riesige Wellen

    „Die Wellen waren zehn Meter hoch, das Schiff schwankte dermaßen stark, dass Möbelstücke hin und her schlitterten“, erzählt das russische Besatzungsmitglied der „Viking Sky“ Aman Muldaschew im Gespräch mit RIA Novosti. „Die Situation wurde dadurch erschwert, dass die meisten Passagiere im fortgeschrittenen Alter waren und nicht immer den rutschenden Gegenständen ausweichen konnten. Das mag der Grund gewesen sein, dass 27 Menschen verletzt wurden“.

    Das Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ geriet am Samstag nach einem Maschinenausfall in stürmischer See in Not. Mit Hubschraubern wurden am Nachmittag 463 der fast 1400 Passagiere von Bord geholt. Am Sonntag wurde die “Viking Sky” in den norwegischen Hafen Molde geleitet.

    Der Presseattaché der russischen Botschaft in Norwegen, Timur Tschekanow, teilte unter Berufung auf russische Crewmitglieder mit, dass alle Passagiere das Schiff verlassen hätten, das Schiff liege in Molde vor Anker. „Die Besatzungsmitglieder sind in Sicherheit, es ist keine Hilfe erforderlich“, so Tschekanow.

    Reibungsloser Ablauf

    Wie Muldaschew während der Evakuierung mitteilte, gab es keine Panik an Bord. „Die Passagiere blieben in den Innenräumen, weil es draußen heftig stürmte. Wegen des heftigen Schaukelns konnten keine Rettungsboote ausgesetzt werden“.

    Laut dem russischen Rettungsexperten Sergej Schtschetinin ist es bei einem solchen Wetter unmöglich, nicht nur Rettungsboote und  —flöße einzusetzen, sondern auch mit Hubschraubern auf Deck zu landen, selbst bei solch großen Schiffen wie die “Viking Sky”.

    „Deshalb wurden die Menschen mit einer Winde an Bord der Hubschrauber gezogen. Ein großer Vorteil war dabei die Nähe zur Küste, wo schnell eine Aufnahmestelle für die Verletzten eingerichtet wurde. Ich habe den Verlauf der Rettungsoperation aufmerksam verfolgt und spreche ein Lob aus, die Retter arbeiteten sehr koordiniert“.

    Laut norwegischen Medien entwickelte sich die Situation trotz des heftigen Sturms glücklich – die „Viking Sky“ war nur noch 100 Meter von gefährlichen Unterwasserriffen und 900 Meter von der Küste entfernt, bevor sie fixiert werden konnte.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Wegen Motorausfall: Norwegisches Kreuzfahrtschiff wird in Hafen abgeschleppt<<<

    Ursachen werden geklärt

    „Kreuzfahrtschiffe gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln. Solche Vorfälle kommen sehr selten vor“,  sagt Swetlana Poslawskaja, Abteilungsleiterin eines russischen Reisebüros, das sich auf Schiffskreuzfahrten spezialisiert hat und mit „Viking Cruises“ (Besitzer der „Viking Sky“) kooperiert. „ An dem, was mit dem Kreuzfahrtschiff passierte, ist das Unwetter schuld“.

    Zudem habe das Unternehmen einen guten Ruf und gute Schiffe, so Poslawskaja.

    „Die Frage nach der Ursache des Maschinenausfalls betrifft die technische Wartung des Schiffs. Zurzeit ist es schwierig, überhaupt etwas dazu zu sagen“, so Schtschetinin.

    Passagiere kommen vor allem aus Europa

    Laut Poslawskaja sind Kreuzschifffahrten von „Viking Cruises“ bei russischen Touristen nicht besonders gefragt. „Das Unternehmen setzte nie auf Russland, ihm reichen die Europäer aus“, so die Expertin.

    Nach Medienangaben befanden sich 600 US-Bürger und viele Briten an Bord. Die Frage nach Entschädigungen für die Passagiere wurde bislang nicht gestellt. Allerdings kommt es bei solchen Fällen nicht nur zur Rückgabe der Gelder für nicht genutzte Leistungen. Gewöhnlich würden den Kunden Sonderangebote für künftige Kreuzfahrten unterbreitet, so Nadeschda Jefremowa, Leiterin des Rechtsdienstes des Verbandes der russischen Reiseveranstalter. „Zum Beispiel wird eine kostenlose Kreuzfahrt innerhalb der nächsten Jahre angeboten“. Allerdings sind nicht alle Passagiere bereit, sich nochmals an Bord zu wagen.

    Oberstes Gebot bei der Evakuierung

    „Die wichtigste Regel bei der Evakuierung ist, keine Panik zu verbreiten und nicht auf eigene Faust etwas zu unternehmen“, sagt Schtschetinin. Man sollte allen Anweisungen der Besatzungsmitglieder folgen und unbedingt die Anweisungen lesen, die allen Passagieren zu Beginn der Fahrt übergeben werden.

    „Bei jedem Zwischenfall leiden auf einem Kreuzfahrtschiff vor allem jene, die den Anweisungen bzw. Sicherheitsregeln nicht folgen“, sagte Viktoria Golubowitsch, Besatzungsmitglied eines Kreuzfahrtschiffs. „So kommen Passagiere zu dem obligatorischen Evakuierungstraining oft angetrunken oder verschlafen das überhaupt in ihrer Kabine“.

    Bei diesem Training wird den Passagieren gezeigt, wo sie sich während der Evakuierung versammeln sollen. „Sehr wichtig ist, dass jeder seinen Platz kennt, andernfalls werden einige Rettungsboote überfüllt und andere halb leer sein“, so Golubowitsch.

    Verantwortungslose Passagiere sind eine Bedrohung nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen. „Manche Menschen denken bis zum letzten Moment, dass sie in völliger Sicherheit sind und unterschätzen die Lage. Dann kann es zu einer Situation kommen, wie mit einem betrunkenen Passagier aus den USA, der schrie: ‚Ihr müsst uns sofort retten, sonst komme ich nie mehr zu euren Kreuzfahrten‘“, so Golubowitsch.

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    Tags:
    Kreuzfahrtschiff, Notfall, Rettung, Ausfall, Hubschrauber, Evakuierung, Kreuzfahrtschiff „Viking Sky, Norwegen