Widgets Magazine
19:23 23 September 2019
SNA Radio
    Deutsche Fernsehmoderatorin Andrea Kiewel (Archivbild)

    Nackte Israel-Tatsachen: Andrea Kiewel erklärt der Tagesschau ihr Handwerk

    CC BY-SA 3.0 / Olaf Kosinsky / Andrea Kiewel im ZDF-Fernsehgarten am 16. September 2018 in Mainz
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    2016150
    Abonnieren

    Sie war splitterfasernackt unter der Dusche in Tel Aviv, als die Alarmsirenen von einem palästinensischen Raketenangriff kündeten. Das macht ZDF-Fernsehgarten-Moderatorin Andrea „Kiwi“ Kiewel offenbar zur Expertin der Israel-Berichterstattung. In einem Kommentar in der Jüdischen Allgemeinen rügt sie die Wortwahl der Tagesschau.

    Beim Namen Andrea Kiewel fällt dem erfahrenen ZDF-Zuschauer nicht unbedingt das Label „Auslandskorrespondentin“ oder gar „politische Kommentatorin“ ein. Kein Wunder, denn die 53-Jährige glänzte bisher als Moderatorin bei Formaten wie dem Sat.1-Frühstücksfernsehen, der Esoterikshow „Talk X“ bei ProSieben, bei der Verleihung des Medienpreises „Goldene Henne“ oder eben seit 2000 beim ZDF-Fernsehgarten.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Natalia Oreiro bittet Putin in TV-Sendung um russischen Pass<<<

    Dennoch hat die ewig fröhliche Ost-Berliner Stimmungskanone etwas zu sagen, wenn es um ernste Themen geht. In einem Gastkommentar bei der Jüdischen Allgemeinen erklärt sie unter der Überschrift „Liebe Kollegen…“ der Tagesschau, wie diese über Israel und den Konflikt im Gaza-Streifen zu berichten hat.

    Kurioserweise beginnt ihre mahnende Ansprache wie folgt:

    „Ich war splitterfasernackt, als die Sirene losheulte. ‚Na, bravo‘, dachte ich, ‚mein erster Raketenalarm in Tel Aviv, und ich habe nichts an!‘“

    Die Information über ihren Bekleidungszustand ist der ZDF-Moderatorin offenbar wichtig, denn sie wiederholt diese in dem nicht allzu langen Gastbeitrag noch zweimal. Die Aufmerksamkeit der geneigten Leser hat sie.

    Die folgenden Tage seien zwar ruhig gewesen, seit dem Montag feuere Gaza jedoch unaufhörlich Raketen auf Israel. In diesem Zusammenhang verstehe sie einen Beitrag der ARD-Tagesschau nicht, weil dieser mit den Worten beginne „Nach schweren Angriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen…“

    Dieser Satz empörte Israel-Expertin „Kiwi“ offensichtlich so sehr, dass sie den Kollegen der ARD mitteilen musste:

    „Liebe Kolleginnen und Kollegen der ARD, Sie irren sich! Ich war vor Ort, als es losging mit den Raketen aus Gaza. Die Reaktion der israelischen Armee darauf war – wie der Name schon sagt – eine Reaktion. Man muss Israel nicht mögen. Man kann diesen Staat kritisieren, sich zur Brust nehmen und ihm viele Fragen stellen. Man muss aber, wenn man Journalist ist, die Wahrheit berichten.“

    Wenn eine Meldung mit den oben zitierten Worten beginne, werde der Eindruck erweckt, Israel sei der Aggressor, und das sei falsch.

    „Ich war dabei. Zwar nackt und unter der Dusche, aber ich war live dabei, als die – was diese Auseinandersetzung betrifft erste – Rakete von Gaza aus abgefeuert und 45 Sekunden später vom ‚Iron Dome‘ über Israel abgefangen und zerstört wurde.“

    Wie könne es sein, dass gestandenen Journalisten so ein Fehler unterlaufe, fragt Kiewel im Brustton der Überzeugung. So, wie es ihre Pflicht sei, als Moderatorin einer großen Unterhaltungsshow in ihren Anmoderationen weder die Künstler, die im ZDF-Fernsehgarten auftreten, noch deren Songs zu bewerten, so sei es für die ARD-Nachrichtenredakteure unbedingt die Aufgabe, wahrheitsgemäß über politische Ereignisse zu berichten.

    Gaza habe zuerst geschossen, das militärische Manöver Israels sei eine Reaktion gewesen. Dass Frau Kiewel das Verhältnis von Aktion-Reaktion in der Berichterstattung der Tagesschau nicht ersichtlich fand, kann Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke nicht nachvollziehen. Auf Facebook erklärte er:

    „Die Tagesschau hat am 26.03.2019 selbstverständlich darauf hingewiesen, dass die israelischen Angriffe auf den Gaza-Streifen eine Reaktion auf den Beschuss eines Gebäudes in Israel durch die Hamas am Tag zuvor darstellten. Davon konnte sich jeder der rund 10 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer überzeugen. In der 28-sekündigen Meldung vom Dienstag hieß es wörtlich: ‚Am Montag hatte die Hamas bei einem Raketenangriff ein Haus in Israel zerstört.‘“

    Das scheint an Andrea Kiewel irgendwie vorbeigegangen zu sein. Vermutlich war sie zu diesem Zeitpunkt unter der Dusche. Stattdessen endet ihr Gastkommentar, der zwei Tage nach der oben zitierten Meldung in der Jüdischen Allgemeinen erschienen ist, mit dieser poetischen Episode:

    „Ich jedenfalls habe seit jenem Donnerstagabend ein neues Mantra. Denn ein Freund, dem ich mein Entsetzen über das Erschallen der Sirenen gestand, nahm mein Gesicht in seine zuverlässigen Hände, drückte mir einen Kuss auf die Lippen und sagte im schönsten Hebräisch: ‚Andrejusch, du kannst nicht in Angst leben. Lass uns essen gehen!‘“

    Vorsichtshalber hat unsere Redaktion die Erscheinungsdaten gecheckt. Nein, was nach einem schlechten Aprilscherz aussieht, ist nicht am 1. April erschienen.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Boeing-Absturz in Äthiopien: TV-Moderator entschuldigt sich für „grobe Geste“ — VIDEO<<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Raketenalarm, Duschen, Moderatorin, nackt, ZDF, ARD, Andrea Kiewel, Gazastreifen, Israel, Deutschland