05:16 20 April 2019
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    in d. M.: Der russische Theaterkünstler Kirill Serebrennikow (Archiv)

    Nach 1,5 Jahren: Russischer Regisseur Serebrennikow aus Hausarrest entlassen

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
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    Der russische Kino- und Theaterregisseur Kirill Serebrennikow ist nach mehr als eineinhalb Jahren aus dem Hausarrest entlassen worden. Das Moskauer Stadtgericht hat am Montag den Hausarrest für den 49-Jährigen aufgehoben. Dennoch darf der Regisseur, dem die Veruntreuung von Staatsgeldern angelastet wird, die Stadt nicht unerlaubt verlassen.

    „Das Gericht hat verordnet, Kirill Serebrennikow, Juri Itin und Sofia Apfelbaum (…), die Prohibitivmaßnahme Hausarrest durch die schriftliche Verpflichtung zu ersetzen, den Aufenthaltsort ohne behördliche Genehmigung nicht zu verlassen“, gab die Richterin bekannt.

    Die Angeklagten und die Anwälte konnten ihre Freude darüber nicht verbergen: Einige weinten vor Glück, berichtet Sputnik-Korrespondent aus dem Gerichtssaal.

    In der vorigen Woche hatte das Meschtschanski-Gericht für alle Drei den Hausarrest bis zum 4. Juli verlängert, doch die Verteidiger legten Berufung ein, der nun entsprochen wurde.

    Die Ermittler hatten in dem Verfahren argumentiert, die Angeklagten könnten noch nicht befragte Zeugen unter Druck setzen.

    „Alle Zeugen sind bereits vorgestellt worden. Im Laufe des ein Jahr-und-zehn-Monate-Aufenthalts unter Hausarrest hatte Serebrennikow nicht versucht, zu fliehen, er stellt keine Gefahr für die Gesellschaft dar“, erwiderte der Rechtsanwalt Dmitri Charitonow in der heutigen Gerichtssitzung.

    Er verwies auch darauf, dass Serebrennikow die ganze Zeit über seinen betagten Vater habe nicht besuchen können, der im südrussischen Rostow am Don lebt.

    Dabei sind dem Gericht vor einer Woche die Ermittlungsdokumente der Ex-Buchhalterin des „Siebten Studios“, Nina Masljajewa, vorgelegt worden, die als die einzige unter den Beteiligten ihre Schuld gestanden, mit der Ermittlung kooperiert und gegen andere Aussagen gemacht hatte. Ihr Fall soll in einem Sonderstatus erörtert werden, was ihr eine mildere Strafe garantiert. Der Prozess soll am 11. April beginnen.

    Das Verfahren gegen Serebrennikow ist wohl das spektakulärste aus der Sphäre Kultur während der letzten Jahre. Die Justiz wirft dem Regisseur vor, mit Komplizen 133 Millionen Rubel (ca. 1,8 Millionen Euro) staatliche Fördergelder entwendet zu haben, die für sein Kulturprojekt „Plattform“ bereitgestellt worden waren. Der Regisseur weist das zurück.

    Serebrennikow befand sich seit August 2017 unter Hausarrest, konnte seine Arbeit jedoch fortsetzen. So führte er trotz eingeschränkter Bewegungsfreiheit im Bolschoi Theater das von der Kritik hoch eingeschätzte Ballett „Nurejew“ auf.

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    Tags:
    behördliche Genehmigung, Aufenthaltsort, Prohibitivmaßnahme, Hausarrest, Reiseverbot, Moskauer Stadtgericht (Mosgorsud), RIA Novosti, Nina Masljajewa, Alexej Malobrodski, Kirill Serebrennikow, Russland