09:57 25 April 2019
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    Julian Assange nach seiner Festnahme in der Botschaft von Ecuador

    Festnahme von Assange wegen eines Bett-Fotos mit Hummer von Präsident Moreno?

    © REUTERS / Henry Nicholls
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    Andreas Peter
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    Die Frage, warum Ecuador Julian Assange den diplomatischen Schutz entzogen hat, gehört zu den heftig diskutierten Fragen im Netz. Eine Erklärung könnte simple Rache des ecuadorianischen Staatspräsidenten sein, der sich mit Vorwürfen von Korruption und protzigem Lebensstil auf Staatskosten konfrontiert sieht und dafür Assange verantwortlich macht.

    Als im März 2019 die Internetseite www.inapapers.org online ging, gab es darin eine Fotogalerie, in der die Besucher auch eine sehr unvorteilhafte Abbildung ihres Staatspräsidenten Lenin Moreno finden konnten. Die Galerie ist inzwischen offline, aber das besagte Foto hat die „New York Post“ öffentlich gemacht. Moreno schaut von seinem Bett auf einen üppig gedeckten Tisch mit großem Hummer.

    Meeresfrüchte wie Garnelen und Hummer gehören zwar zu den Exportschlagern Ecuadors. Und man kann in Ecuador durchaus zwei Hummer zu einem Preis für deutlich unter 20 US-Dollar essen. Aber bei Lieferdiensten, die Präsidenten versorgen, sind Hummer auch in Ecuador kein Schnäppchen. Das Durchschnittseinkommen pro Monat liegt in Ecuador bei deutlich unter 400 US-Dollar. Und die Republik wird gerade von einer Wirtschaftskrise heimgesucht. Das Hummerbild mit Staatspräsident hat dementsprechend große Empörung ausgelöst.

    ​Lenin Moreno soll außer sich vor Wut gewesen sein, verlautet aus seinem Umfeld. In einem Interview für die Ecuadorean Radio Broadcasters Association wetterte Ecuadors Präsident, Julian Assange sei persönlich verantwortlich für die Veröffentlichung von „Fotos meines Schlafzimmers, was ich esse und wie meine Frau, meine Töchter tanzen“, berichten verschiedene internationale Medien wie beispielsweise der britische „Guardian“. Aus dieser Ecke kommen auch die Vorwürfe, Assange habe sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten anmaßend gegen die Botschaftsmitarbeiter verhalten und die Absprachen zu seinem Botschaftsasyl mehrfach gewaltsam verletzt.

    Moreno ist vor allem im Kreuzfeuer der Kritik wegen einer Briefkastenfirma

    Zwar fragen die Medien, die über die für Moreno peinlichen Fotos berichten, ob sie der Grund gewesen sind, dass Julian Assange relativ überraschend der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde. Doch in Ecuador hält man das für ein Ausweichmanöver, um von dem abzulenken, was immer noch auf der Internetseite inapapers.org zu finden ist: Dokumente, die belegen, dass Lenin Moreno zusammen mit Familie und Freunden offenbar in großem Stil Briefkastenfirmen genutzt hat, um Millionensummen auf Nummernkonten in Steueroasen zu verstecken, deren Ursprung Bestechungsgelder sind.

    Netzwerk der INA Investment mit Netzwerk der Präsidentenfamilie

    Im März 2012 hatte der Bruder von Moreno, Edwin Moreno Garcés, in Belize eine Firma namens INA Investment gegründet. Pate für den Fantasienamen sollen die Vornamen seiner Nichten, der Präsidententöchter IrINA, CarINA und CristINA gestanden haben. Die Gelder kommen, so die Angaben auf der Internetseite, vom Präsidentenintimus Xavier Macías Carmignani. Entstanden sei über die Jahre ein regelrechtes Spinnennetz aus Briefkastenfirmen, die so klangvolle Namen tragen wie ESPIRITU SANTO HOLDINGS, AMORE-STIFTUNG, ESMALAU-STIFTUNG, PACHA-MAMA-STIFTUNG, LARENA INVESTMENTS, MASPAL INVESTMENTS, MANELA INVESTMENT CORP, PROBATA INVESTMENTS, SAN ANTONIO, CORP VIEW BUSINESS CORP.

    Mit diesen Firmen sind die immer gleichen Namen verknüpft, vor allem:

    1) Lenin Moreno Garcés: Präsident der Republik Ecuador;

    2) Edwin Moreno Garcés: Bruder des Präsidenten;

    3) Rocío González: First Lady von Ecuador, Ehefrau von Lenin Moreno;

    4) Xavier Macías Carmignani: Unternehmer, enger Freund und Partner von Lenin Moreno;

    5) María Patiño: Ehefrau von Xavier Macías Carmignani;

    6) Guisella González: Schwester von Rocío González.

    Facebook-Profil von Ex-Präsident Correa gesperrt, weil er die INA-Dokumente veröffentlichte

    Inzwischen wird aus Ecuador gemeldet, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Präsidenten aufgenommen hat. Sein Amtsvorgänger Raffael Correa hatte Julian Assange nicht nur Asyl gewährt, sondern auch versucht, ihn durch Verleihung der ecuadorianischen Staatsbürgerschaft zu schützen. Vergeblich. Und nicht nur das: Weil Correa auf seinem Facebook-Profil die Dokumente veröffentlichte, verlinkte und kommentierte, die Moreno belasten, wurde sein Profil umgehend gelöscht. Das war zusätzlich Öl ins Feuer der Debatte um Moreno, der sich aber als Opfer einer Intrige betrachtet.

    Moreno hat seine Schuldigkeit getan für die USA, die keinen Finger rühren, um ihm zu helfen

    Für Julian Assange ist das ohne Bedeutung, denn die USA haben ihr Ziel erreicht und ihr Hassobjekt Nummer 1 endlich da, wo sie es seit Jahren haben wollen – in Auslieferungshaft. Dass ihnen bei diesem Kommandounternehmen unter Umständen ihr Brutus in Quito abhandenkommt, den sie mühsam installiert haben, interessiert eine Imperialmacht wahrscheinlich nicht im Geringsten, die bekanntlich auch keine Skrupel hatte, zur Ergreifung eines „Verräters“ wie Edward Snowden das Flugzeug eines anderen Staatsoberhauptes zur Landung zu zwingen und zu durchsuchen. So geschehen im Juli 2013 in Wien mit dem Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales. Diese eklatante Verletzung internationalen Rechts wurde seinerzeit angeordnet von einem gewissen Friedensnobelpreisträger namens Barack Obama.

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    Grund, Auslieferung, Kritik, Präsident, Botschaft, Dollar, WikiLeaks, Lenin Moreno, Julian Assange, Ecuador, Großbritannien, USA