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07:23 18 Juli 2019
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    Karfreitag in Deutschland (Archiv)

    Spaßbremse Karfreitag: „Das Leben des Brian“ nur bei geschlossenen Fenstern und Türen

    © AP Photo / Martin Meissner
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    In jedem Jahr wird das sogenannte Spaßverbot in der Karwoche diskutiert, denn beim Karfreitag handelt es sich um einen so genannten „stillen“ Feiertag. Die berühmte Monty Python-Persiflage auf Jesus, „Das Leben des Brian“, dürfe nun doch gezeigt werden, aber unter Auflagen, entscheid nun ein Gericht.

    Der Film „Das Leben des Brian“ dürfe auch am Karfreitag unter Auflagen gezeigt werden. Das habe das Verwaltungsgericht Stuttgart am Dienstag entschieden, berichten Die Stuttgarter Nachrichten

    Das Gericht gab damit einem Eilantrag der Giordano-Bruno-Stiftung Recht, die Satire der britischen Komikertruppe „Monty Python“ auch in diesem Jahr zeigen wolle. Da Jesus in dem Film karikiert wird, ist dessen Vorführung an Karfreitag eigentlich verboten. Dies schreibt das Feiertagsgesetz so vor. Denn bei diesem und anderen Feiertagen mit kirchlichem Hintergrund handele es sich um sogenannte „stille Tage“, die auch so zu begehen seien. Gegen die geplante Vorführung der Film-Satire hätten sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche Protest eingelegt.

    Der Veranstalter könne im vorliegenden Fall vom Karfreitagsverbot befreit werden, da dies nach Feiertagsgesetz in Ausnahmefällen möglich sei. Die Veranstaltung ziele nämlich auf die kritische Auseinandersetzung mit dem staatlichen Karfreitagsschutz ab, hieß es. Bei reinem Unterhaltungsinteressen wäre dies schon nicht mehr möglich gewesen. Gedacht war die Vorführung jedenfalls als Provokation und Protest, so ein Sprecher der Stiftung.

    Allerdings müsse die Vorführung in einem geschlossenen Raum, also bei geschlossenen Fenstern und Türen und mit überschaubarer Teilnehmerzahl stattfinden, befanden die Verwaltungsrichter. Ausserdem müsse ein beträchtlicher Abstand zu den nächst gelegenen Kirchen beachtet werden.

    Neben Karfreitag sind auch Aschermittwoch, Totensonntag und Allerheiligen sogenannte „stille Feiertage“ mit Verboten von Musik-, Sport-, und Tanzveranstaltungen. Zudem seien ebenfalls die öffentlichen Vorführung von über 700 Filmen gesetzlich reglementiert, informiert die Onlineausgabe der Welt:

    Grund sei die fehlende Feiertagsfreigabe durch die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft). Diese bewerte Filme nach Kriterien wie etwa nicht eindeutig als „Satire gekennzeichneter Blasphemie“ und nach unsittlichem Verhalten. So seien neben dem Film „Das Leben des Brian“ auch „Terminator“ und „Heidi in den Bergen“ eigentlich verboten. Noch in den 50er-Jahren landeten etwa 60 Prozent aller Filme auf dem deutschen Feiertagsindex, heute sind es nur noch ein Prozent.

    Neben dem Filmverbot erhitzt jedes Jahr auch das karfreitägliche Tanzverbot die Gemüter und dies generationenübergreifend:

    „Juso“-Chef Kevin Kühnert forderte, das Tanzverbot abzuschaffen, und zog damit die Kritik des früheren Bundestagspräsidenten und Sozialdemokraten Wolfgang Thierse auf sich. Letzterer zeigte sich erstaunt darüber, was Kühnert für wichtig halte und welche Interessen er bedienen wolle. „Bisher wusste ich nicht, dass die SPD eine Spaßpartei ist“, so Thierse, seinesZeichens Mitglied im Zentralkommitee der deutschen Katholiken, berichtet die Welt.

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    Tags:
    Kevin Kühnert, Satire, Grund, Feiertag, Gericht, Film, Verbot, Spaß, Karfreitag