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    Das berühmte Bild Tank Man

    Kamerahersteller Leica zieht Chinas Zorn auf sich

    © AP Photo / JEFF WIDENER
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    Der deutsche Kamerahersteller Leica steht in China wegen eines Werbevideos im Kreuzfeuer der Kritik. In dem Werbeclip werden die blutigen Ereignisse auf dem Tiananmen Platz im Jahr 1989 thematisiert.

    Das fünfminütige Video mit dem Titel „The Hunt“ wurde sechs Wochen vor dem 30. Jahrestag der Studentenproteste in Peking veröffentlicht. Die Demos wurden damals von chinesischen Soldaten gewaltsam niedergeschlagen.

    Die Angaben zu den Todesopfern unterscheiden sich: Auf dem Platz selbst sollen keine Menschen gestorben sein. In anderen Teilen der Stadt starben jedoch nach Angaben von Amnesty International zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Menschen. Die Ereignisse auf dem Tiananmen Platz gelten in China als Tabu, Erwähnungen davon werden oft zensiert.

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    Das Werbevideo zeigt einen westlichen Fotografen in einem Pekinger Hotel im Jahr 1989, der von Polizisten daran gehindert wird, nach draußen zu gehen und die Studentenproteste zu fotografieren. Am Ende gelingt es dem Fotografen, den Beamten zu entkommen und von einem Fenster aus das weltberühmte Bild „Tank Man“ zu machen. Das Foto zeigt einen wagemutigen Mann, der sich auf dem Tiananmen  Platz alleine vor einen Konvoi von Panzern stellt.

    Als Reaktion auf das Video wurde das Wort „Leica“, sowohl mit lateinischen Buchstaben als auch mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben, vom chinesischen sozialen Netzwerk Weibo verbannt. Postings, die dieses Wort enthalten, können nicht mehr veröffentlicht werden.

    Auch in chinesischen Suchmaschinen soll kein einziger Eintrag über den Werbeclip mehr auffindbar sein. Einige Internetnutzer sollen das Verbot von Leica in China gefordert haben.

    Der Vorfall könnte Folgen für die Kooperation zwischen Huawei und Leica haben. Der weitgrößte Smartphonehersteller der Welt verbaut Leica-Kameras in seinen Geräten.

    Huawei wird „definitiv“ in Betracht ziehen, die Geschäftsbeziehungen mit dem deutschen Kamerazulieferer Leica zu beenden, sagte Su Minjian, Technologieanalyst aus Schanghai, gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Patriotismus ist für das Smartphonegeschäft von Huawei in China von großem Wert.“ Ob Huawei sich von Leica abwende oder nicht, werde davon abhängen, wie sich die Affäre weiter entwickle, wird der Technologieanalyst weiter zitiert.

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    Leica teilte am Donnerstagabend mit, dass der Film „nicht offiziell“ vom Unternehmen „genehmigt“ worden sei, und entschuldigte sich für „Missverständnisse oder falsche Schlussfolgerungen“, die der Film erweckt haben könnte.

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