04:11 18 November 2019
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    Eisbrecher in der Arktis (Archivbild)

    Warum die russische Arktis schneller als die amerikanische schmilzt

    © Sputnik / Anna Judina
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    Expeditionen zum Nordpolarmeer und Satelliten-Daten haben den Klimaforschern der Moskauer physisch-technischen Hochschule (MFTI) und anderen Forschungszentren geholfen zu klären, warum das Polargebiet schneller als die amerikanische Arktis taut. Ihre Schlussfolgerungen sind dem Fachmagazin „Atmosphere“ zu entnehmen.

    „Diese Dysbalance wird durch die Besonderheiten der Zirkulation von Luftmassen in der Arktis hervorgerufen. In der zweiten September-Hälfte gibt es gewöhnlich am wenigsten Schnee. Zu dieser Zeit akkumuliert der Ozean aktiv Wärme von der Sonne. Doch wenn vom Pol oder aus Grönland kalte Luft kommt, verschlingt sie einen Teil der Wärme. Und umgekehrt: Der Zugang warmer Luft vom Festland verstärkt die Erwärmung des Ozeans“, erklärt Michail Warenzow, Klimaforscher am Institut für Physik der Atmosphäre bei der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Außer der globalen Erwärmung bewirken diverse langfristige Schwankungen das Klima und das Wetter verschiedener Regionen der Erde– wie beispielsweise eine Fluktuation in der Stärke der Strömungen im Atlantik und in der Geschwindigkeit des Windes über der Arktis. Veränderungen ihrer Stärke können sowohl unmittelbar auf sie einwirken als auch die Folgen der zunehmenden Konzentration von Klimagasen in der Atmosphäre verstärken.

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    So erleben der Norden der USA und der Süden Kanadas in den letzten zwei-drei Jahren anomal kalte und schneereiche Winter mit äußerst niedrigen Temperaturen. Eine ähnliche Situation wurde im Norden Chinas und in Japan beobachtet. Wie sich herausstellte, war sowohl das eine wie das andere mit der Eisschmelze in der Karasee und in der Barentssee für Asien und in der Tschuktschensee und im Ostsibirischen Meer für die Neue Welt verbunden.

    Warenzow und seine Kollegen haben eine weitere ähnliche Gesetzmäßigkeit entdeckt, um verstehen zu können, warum das Eis im russischen Teil der Arktis schmilzt und praktisch stets an Fläche verliert, und an den Küsten Kanadas und der USA dies nur noch im Sommer erfolgt.

    Dazu haben die Forscher zwischen 2003 und 2015 vier Expeditionen in die Laptewsee an Bord des Eisbrechers „Kapitan Dranizyn“ und anderer Großschiffe unternommen. Während dieser Fahrten untersuchten die Wissenschaftler den Eiszustand, beobachteten die Temperatur und die Richtung der Wasserströmungen unter dem Eis und erstellten Wind-Karten.

    Die Forscher bemerkten dabei, dass sich das Eis in den Norden, in die Tiefe der Laptewsee zurückzog, sich seine Dicke und Formierungsweise aber nicht radikal veränderte.

    Infolge dieser Prozesse fand sich eine der Beobachtungsstationen, die früher auf der Oberfläche des „ewigen“ Eises stand, 2015 im offenen Meer wieder, etwa 400 Kilometer von der „Sommer“-Kante der Arktis-Eiskappe entfernt.

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    Der derart schnelle Rückgang des Eises hing laut Warenzow mit einem besonderen klimatischen Phänomen zusammen, das die Forscher als „Saison-Gedächtnis“ bezeichneten. Es stellte sich heraus, dass das Verhalten der Eisdecke in diesem Winter oder Sommer mit dem zusammenhing, was mit ihr in der vorherigen Jahreszeit passiert war und wie sich in der Zeit die Strömungen und Winde verhalten hatten.

    Wie Warenzow erläutert, hatten arktische Zyklonen bereits seit Jahrtausenden die sommerliche Erwärmung des Oberflächenwassers im US-amerikanischen Teil des Ozeans verlangsamt und im euroasiatischen Teil beschleunigt. Infolgedessen formierte sich das Eis im Herbst mit einer Verspätung von mehreren Wochen und erreichte die übliche Dicke und Fläche.

    Dieses „Saison-Gedächtnis“, vermuten die Forscher, wirkt sich nicht nur auf das Eis in der Laptewsee, sondern in der gesamten Arktis aus. Es habe alle letzten „Rekorde“ bei der Reduzierung der Eisfläche ausgelöst, die praktisch jedes Jahr von den Nasa-Satelliten fixiert werden.

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    Tags:
    Russland, Kanada, USA, Eisschmelze, Ozean, Nordpolarmeer, Arktis